[echo] "Hafensafari" begibt sich wieder auf die Reise
cornelia sollfrank
cornelia at snafu.de
Thu Aug 3 10:20:50 CEST 2006
taz, 03.08.2006
Zum vierten Mal macht sich die temporäre Kunstinstallation und
Entdeckungstour "Hafensafari" einen Monat lang auf die Reise durch
unbekannte Orte im Hamburger Hafen. Dieses Jahr geht es auf die
Elbinsel Neuhof
Die Elbinsel Neuhof ist ein Ort im Umbruch. Einst ein idyllisches
Fischernest mit Badestränden, wurde sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Opfer der Ausbreitung des Hafens. Werften und Ölmühlen entstanden und
ein ganzer Arbeiterstadtteil wurde aus dem Boden gestampft. Heute sind
die Werften längst geschlossen, die Wohnhäuser abgerissen und Neuhof
rückt als Erweiterungsfläche für die "Wachsende Stadt" in den Fokus von
Stadtplanern. In den bisher vernachlässigten Stadtteilen zwischen der
Norder- und der Süderelbe sehen sie "Hamburgs neue Mitte"; die zentrale
Entwicklungsachse, der "Sprung über die Elbe", verläuft quer durch
Wilhelmsburg. 2013 sollen hier die Internationale Gartenschau IGS und
die Internationale Bauausstellung IBA stattfinden. Der Besitzer der
Ölmühle, die US-Firma ADM, meldet Raumbedarf für eine neue Raffinerie
an, der Ausbau des Containerterminals Toller Ort steht bevor. Und
schließlich soll auch die geplante Hafenquerspange über Wilhelmsburg
und Neuhof führen.
Vom Wochenende bis zum 27. August setzen sich nun 15 Künstler aus
Norddeutschland und Hamburg im Rahmen der 4. "Hafensafari" mit dem
Gebiet zwischen Köhlbrandbrücke, umfunktionierten U-Boot-Fangzäunen,
"Hertas Stübchen" und der Hamburger Ölmühle auseinander. Temporäre
Installationen widmen sich vor Ort der kontrastreichen Atmosphäre
Neuhofs, seiner Geschichte, der aktuellen städtebaulichen Diskussion
und einer möglichen Zukunft. Dabei sollen die Besonderheiten des Ortes
herausgearbeitet werden sowie die jeweiligen Potenziale und die
Visionen, die sich mit ihnen verbinden, aufgezeigt werden. Weil
insbesondere im Hafen der konkrete und erfahrbare Ort oft eine
Leerstelle im öffentlichen Bewusstsein ist, will die Hafensafari diesen
in den Mittelpunkt des Interesses stellen. Sie kehrt an den erfahrbaren
Ort zurück und möchte dort eine Plattform für Künstler wie für Besucher
sein, für Bürger genauso wie für Planer.
So werden die temporären Installationen auch jeweils für eine ganz
spezifische räumliche Situation auf der Elbinsel entworfen. Der Bezug
der Kunstwerke zum Raum soll so den Blick für die Umgebung der
Installationen schärfen wie auch für das Zusammenspiel der
verschiedenen Räume. Für insgesamt zwei Wochen wird der Ort durch
Gedankenspiele, Ideen und Interpretationen deutlich sichtbar verändert.
Im Anschluss daran verschwinden die Eingriffe wieder. Der Ort jedoch
bleibt und hinterlässt im besten Fall eine veränderte Wahrnehmung aller
Beteiligter. Sara-Lousie Bergkvists Projekt "21107" etwa stellt mit
einem weiten Feld roter Briefkästen den Bezug zur ehemaligen
Wohnsiedlung Neuhof her. In den Briefkästen finden sich Briefe von
Alt-Neuhofern, in denen diese von der Vergangenheit erzählen: von der
Arbeit auf den Werften, vom sozialen Leben auf der Elbinsel und vom
Abriss 1979.
Nicht nur als temporäres Ausstellungsprojekt versteht sich die
Hafensafari, sondern ebenso als geführte Entdeckungstour durch
unbekanntes Gelände. Als Wegmarken dienen dabei die Installationen, die
Führungen verbinden die künstlerischen Arbeiten, die Entwicklung des
Ortes und kleine Impressionen entlang des Weges zu einem
Gesamterlebnis. Los geht es mit dem Bus vom S-Bahnhof Wilhelmsburg zum
Westufer der Elbinsel. Von dort geht es zu Fuß weiter durch das
Gelände.
Erstmals bietet ein "Guidebook" auch die Möglichkeit, das Gebiet auf
eigene Faust zu erkunden. Erhältlich ist es vor Ort in "Hertas
Stübchen", im "Kubasta" in der Münzstraße oder im Internet unter
www.hafensafari.de. Dort finden sich auch Informationen zu
Sonderveranstaltungen und zum Kinderprogramm. Zur Vernissage am
Freitagabend um 19 Uhr am "Blauen Container" am Köhlbranddeich legt
Frau Schulz "Schmalz ins Ohr fürs Fernweh" auf. ROBERT MATTHIES
taz Nord vom 3.8.2006, S. 22, 136 Z. (TAZ-Bericht), ROBERT MATTHIES
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