[echo] Fwd: Kunstaktion: Totenstille IN HAMBURG
m. chevalier
stummmedia at yahoo.de
Sun Aug 6 14:36:05 CEST 2006
dear ole,
i hear you were not just "aus der ferne" when you
wrote that first email, but actually in the middle
east, in israel.
knowing you as a specialist in "gegenöffentlichkeit"
here in hamburg (FSK, the thing) i´m sure many of us
on the list would be grateful if you could provide
some personal insights on the ideological/media
processes underway there.
i, personally, would appreciate some eyewitness
information (through a hamburg-filter) of the
courageous israelis (refuseniks, women´s coalition,
anarchists against the wall, black laundry, gush
shalom) who are mobilizing and demonstrating against
ohlmert´s "update" of the 1982 invasion of lebanon .
How do you read the mood among critics of the ohlmert
administration? Have there been any innovative
approaches you could tell us about? very little has
been reported about this in germany.
yours truly,
michel
--- Ole Frahm <frahm at uni-hamburg.de> schrieb:
> meine (und nur meine) einschätzung kommt daher, dass
> zb. über versuchte
> anschläge von selbstmordattentaten in den
> bundesdeutschen medien - seit ich das
> verfolge - nie berichtet wird. im moment bin ich wie
> gesagt nicht in
> deutschland, deshalb habe ich das einschränkend
> geschrieben.
> - ob es wirklich eine 'nationale pflichtübung' ist,
> weiss ich auch nicht zu
> sagen, die wenigen analysen deutscher medien in
> dieser hinsicht (generell zum
> nahostkonflikt zb. vom DISS) sagen doch manchmal was
> anderes, zumindest was die
> parteilichkeit der berichterstattung ist - und die
> ist gerade nicht für israel
> eingestellt.
> ist über die israelischen evakuationen in
> deutschland tatsächlich berichtet
> worden?
> beste grüsse
> ole
>
>
>
> Zitat von Christoph Twickel
> <christophtwickel at hotmail.com>:
>
> > hallo, ich kann nicht nachvollziehen, wie man zu
> der einschätzung kommt dass
> > "von den
> > israelischen toten und evakuierten eher weniger
> berichtet" wird. mein
> > eindruck ist: sämtliche bürgerlichen medien achten
> in deutschland schwer
> > darauf, dass ihnen einseitigkeit nicht vorgeworfen
> werden kann. auch weil
> > das in deutschland eine nationale pflichtübung
> ist, niemand soll der
> > deutschen öffentlichkeit / politik schuldabwehr
> vorwerfen dürfen. womöglich
> > rührt eure / deine einschätzung auch daher, dass
> in den letzten wochen auf
> > israelischer seite deutlich weniger tote
> angefallen sind.
> >
> >
> > >From: Ole Frahm <frahm at uni-hamburg.de>
> > >Reply-To: Local Art Network <echo at soundwarez.org>
> > >To: Local Art Network <echo at soundwarez.org>
> > >Subject: Re: [echo] Fwd: Kunstaktion: Totenstille
> IN HAMBURG
> > >Date: Sat, 29 Jul 2006 20:58:12 +0200
> > >
> > >hallo,
> > >ich möchte - mit einiger verzögerung - doch auf
> zwei formulierungen im
> > >aufruf
> > >aufmerksam machen und den 'kunstcharakter' der
> aktion befragen.
> > >es steht dort zu lesen, die aktion solle 'die
> Mauer des Schweigens und der
> > >Unmenschlichkeit' aufbrechen. nun bin ich gerade
> nicht in deutschland, mein
> > >eindruck war aber aus der ferne, dass die
> weltöffentlichkeit durchaus
> > >wahrnimmt,
> > >was im libanon passiert. wie schon auf der liste
> angemerkt wurde, wird von
> > >den
> > >isreaelischen toten und evakuierten eher weniger
> berichtet und kommen in
> > >einer
> > >solchen 'kunstaktion' in deutschland nicht vor.
> das ist kein zufall, wie
> > >ich
> > >behaupten möchte, sondern liegt in der logik
> solcher aktionen. sie werden
> > >NUR
> > >gemacht, wenn sie sich einseitig und immer gegen
> israel positionieren. die
> > >tradition solchen strassentheaters in deutschland
> ist lang und
> > >unerquicklich. im
> > >übrigen möchte ich sehen, wie 'unmenschlickeit'
> eine mauer bilden kann, die
> > >dann
> > >wiederum (mit menschlichkeit?) aufgebrochen wird.
> die selbstgerechtigkeit
> > >solcher aktionen finde ich im übrigen zum kotzen.
> und zwar eben aus diesem
> > >grund: 'Was ist ein Menschenleben wert? Was
> bedeuten Menschenrechte und für
> > >wen
> > >gelten sie?' genau diese frage stellen die
> macherInnen der aktion NICHT.
> > >denn
> > >sie ignorieren, dass die feinde israels - in
> diesem fall die hisbollah -
> > >israel
> > >nicht nur 'einfach mal so bekämpfen', sondern
> vernichten wollen. wer dies
> > >für
> > >irreal hält, sollte sich die insistenz dieser
> ideologie einmal anschauen.
> > >in den
> > >besetztten gebieten (ich kann es nur für die
> westbank sagen), ist nasrallah
> > >der
> > >neue held. warum? wie mir jemand ein
> nasrallah-plakat mit der stone of the
> > >rocks-moschee darauf: 'he fucks israel. I want to
> fuck israel too'. von der
> > >hisbollah ist die verteidigung der menschenrechte
> auf jeden fall nicht zu
> > >erwarten.
> > >wer diese problematik - als problematik - nicht
> auf dem zettel hat, wird
> > >mit
> > >solchen 'kunstaktionen' in deutschland immer nur
> eines tun: die deutsche
> > >schuldabwehr fördern. diese psychologische übung
> 'kunst' zu nennen, mag dem
> > >therapeutischen ziel dienen, aber 'kunst' wirds
> dadurch auch nicht. denn
> > >das
> > >müßte doch bedeuten, eine reflexion zu stiften,
> die sich in die fragen, die
> > >der
> > >krieg derzeit aufwirft, verstrickt.
> > >beste grüsse
> > >ole
> > >ps. die autorInnen des aufrufs schreiben: Ein
> > > >>> Zeichen für den vor 16 Tagen
> > > >> begonnenen Krieg.
> > >der krieg hat nicht vor 16 tagen begonnen. er hat
> nicht aufgehört seit sich
> > >israel aus dem südlibanon zurückggezogen hat. die
> hisbollah war - nach
> > >eigenen
> > >angaben - überrascht, dass israel 'diesmal' so
> heftig reagiert. ihre
> > >angriffe
> > >auf israel haben stattgefunden - von der
> weltöffentlichkeit weitgehend
> > >unbeachtet. aber das ist eben eine andere
> totenstille, für die in
> > >deutschland
> > >die empathie traditionell (s.o.) eher schwach ist
> (und ich meine empathie,
> > >nicht
> > >überidentifikation). wie auch immer: nicht
> einmal die fakten in einem so
> > >kurzen
> > >aufruf stimmen.
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