[echo] FWD: Neu erschienen: Corporate Difference. Formate der
Kunstvermittlung
Rahel Puffert
zonerp at yahoo.de
Mon Aug 14 15:40:20 CEST 2006
Pierangelo Maset / Rebekka Reuter/ Hagen Steffel (Hg.):
Corporate Difference. Formate der Kunstvermittlung
Zeitgenössische Kunstvermittlung bedient sich nicht nur künstlerischer Verfahren und Denkweisen, sondern sie bringt diese auch selbst hervor und wendet sie an; sie erschöpft sich nicht in Dienstleistungen. Eine so verstandene Kunstvermittlung hat sich in den letzten Jahren als neues Paradigma etablieren können, das die Möglichkeit eines Dritten Weges eröffnet, der weder die Instrumentalisierungen des vornehmlich ökonomisch orientierten Kunstmarktes, noch die Portionierungen der traditionellen Kunstdidaktik beschreiten will und dabei die Fortsetzung von Kunst im Blick hat.
In diesem Band werden Hintergründe und Entwicklungen der künstlerisch orientierten Kunstvermittlung vorgestellt und weiterentwickelt. Allen hier vereinten Autorinnen und Autoren ist gemeinsam, dass sie sich nicht auf vorhandene diskursive oder kunstpraktische Positionen verlassen, sondern sich auf der beherzten Suche nach möglichen neuen Inhalten und Formen befinden.
editionHYDE, Lüneburg 2006, ISBN 3-8334-5249-8
14,80
Corporate Difference Formate der Kunstvermittlung will einen Beitrag zur Diskussion um die künstlerische Kunstvermittlung beisteuern, indem theoretische Hintergründe und praktische Formatentwicklungen gemeinsam in einem Band vorgestellt werden. Dabei sollen inhaltliche Präzisierungen vorgenommen und neue Fragestellungen aufgeworfen, historische Positionen diskutiert sowie aktuelle Projekte beispielhaft präsentiert werden. Allen hier vereinten Autorinnen und Autoren ist dabei gemeinsam, dass sie sich nicht auf vorhandene diskursive oder kunstpraktische Positionen verlassen, sondern sich auf der Suche nach möglichen neuen Formaten befinden. Ebenso vereint die in diesem Band Versammelten, dass sie nahezu alle mit eigener künstlerischer Praxis beziehungsweise Kunstvermittlung ebenso beschäftigt sind wie mit theoretischen Entwürfen.
Pierangelo Maset fasst in Fortsetzung Kunstvermittlung die Entwicklung der künstlerischen Kunstvermittlung in der jüngsten Zeit zusammen und plädiert für deren Notwendigkeit. Diese ergibt sich aus der Möglichkeit eines Dritten Weges, der weder die Instrumentalisierungen des vornehmlich ökonomisch orientierten Kunstmarktes, noch die Portionierungen der traditionellen Kunstdidaktik beschreiten will.
Rebekka Reuter und Hagen Steffel werfen mit CD Reloaded einen Blick zurück auf Corporate Difference, eine 2002 bis 2005 an der Universität Lüneburg durchgeführte und von ihnen mitgestaltete Seminarreihe. Am Beispiel verschiedener studentischer Projekte zeigen sie in atmosphärisch dichter Beschreibung mögliche Formen der Bildung relationaler Strukturen auf, die sich vom universitären Kunstbetrieb aus agierend in affektiven Bindungen an vorhandene institutionelle und urbane Gegebenheiten koppelten.
Michael Lingner liefert mit Funktionen der Künstlertheorie einen Beitrag zur Neueinschätzung der Bedeutung des bislang zu wenig berücksichtigten Mediums der Künstlertheorie für die Entwicklung von Kunst und Kunstvermittlung. Anhand der historischen Entwicklung und typologischen Darstellung künstlertheoretischer Ansätze bei Runge, Hölzel und Kosuth entwirft er eine in der Verschränkung von Theorie und Praxis angelegte alternative Perspektive zukünftiger Kunst und Kunstvermittlung. Hierzu entfaltet er überraschende Zusammenhänge.
Bill Masuch setzt sich in Der offene Raum HandlungsRäume in Kunst und Kunstvermittlung mit theoretischen Ansätzen auseinander, die eine Differenz zu einem mathematisierten Raumverständnis darstellen und sowohl den sozialen wie den durch die Sinneserfahrung erst herstellbaren Raum thematisieren. Die weit reichenden Reflexionen münden in einer mit Dieter Mersch neu zu begründenden Ereignisästhetik, die auch für die zeitgenössische Kunstvermittlung eine tragende Rolle spielt. Neben den instruktiven theoretischen Überblicken wird Bill Masuchs Argumentation durch eigene künstlerische Kunstvermittlungsprojekte vervollständigt.
Almut Linde stellt in Formen für Kunst in der Realität sowohl ihre künstlerische Praxis wie Anwendungen derselben im Kontext von Schule vor. Die Künstlerin, die Realität als Material für ihre Kunst verwendet, verschränkt die Ebenen von autonomer Kunst und Kunstvermittlung und bezieht dabei neue, bis dato nicht als Kunst angesehene Elemente in ihre Arbeiten ein, wodurch ungewöhnliche Objekte und Ereignisse generiert werden.
Stella Geppert und Seraphina Lenz zeigen mit Ein Kreis kann nie perfekt sein wie künstlerische Methoden kompromisslos in der schulischen Praxis angewendet werden können. Hierbei gehen sie von ihrer eigenen künstlerischen Praxis aus, die vorwiegend mit Produktionen im öffentlichen Raum arbeitet beziehungsweise diesen herstellen. Ihre phantasievollen Übungen zeigen auch, was alles möglich wäre, wenn künstlerisches Denken und Handeln in unsere Bildungsinstitutionen deutlicher und nachhaltiger Einzug hielten und mehr Künstlerinnen und Künstler an den Schulen beschäftigt wären.
Die in Corporate Difference vorgestellten Positionen und Projekte wollen deutlich machen, dass in der zeitgenössischen Kunstvermittlung in Theorie und Praxis einiges in Bewegung geraten ist. Die künstlerische Kunstvermittlung ist ein Paradigma im Entstehen, das einen eigenständigen Ansatz konstituiert, der nicht nur Referenzen anzeigt, aufnimmt oder verarbeitet, sondern wesentlich auf autonomen Betrachtungen, Gestaltungen und Erprobungen beruht.
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