[echo] Göttinger Erklärung und Unterschriftensammlung
Bloemeke
bloemeke at 4tel.li
Wed Aug 16 13:46:43 CEST 2006
VS | FG Literatur in ver.di • Postfach | 10112 Berlin
Göttinger Erklärung
12. Juli 2006
Als der Verband deutscher Schriftsteller (VS) im Juni 1969 für die
Bundesrepublik
gegründet wurde, gab es noch keine Künstlersozialversicherung, keine
Vergütung
für die Bibliotheksausleihe, keine Honorare für den Abdruck aus
literarischen
Werken in Schulbüchern und kein tarifliches Vertragsrecht für Autoren.
Heinrich Böll lehrte uns zu Beginn im Kölner Gürzenich sein »Ende der
Bescheidenheit
«, und Günter Grass eröffnete das Gespräch mit den Gewerkschaften.
Heute drohen Schriftstellern und Journalisten durch Einschränkungen des
Urheberrechts
eklatante Honorareinbußen. Künstler werden durch die Einschnitte des
Folgerechts beim Weiterverkauf ihrer Werke in ihrer sozialen
Existenzsicherung
gravierend getroffen. Die Künstlersozialversicherung muss permanent
gegen Restriktionen
von Seiten der Politik verteidigt werden. Das Goethe-Institut wird
gezwungen,
seine Bibliotheken zu entblättern und die Reisen für Autoren und
Künstler drastisch einzuschränken. Kunst und Kultur sind in der
Bundesrepublik
zu einem Steinbruch geworden.
All das alarmiert uns.
Sich vertrauensvoll aufeinander einzulassen, war für Schriftsteller und
Gewerkschaft
stets riskant. Vor der Zusammenarbeit in ver.di wurde vieles
versprochen.
Wir verstehen die Sparpflichten unserer Dachorganisation. Aber jetzt
ist der
Punkt erreicht, an dem die Eingrenzungen unsere Fähigkeit zu souveränem
Handeln und damit die »Einigkeit der Einzelgänger« in Gefahr bringen.
Eine Bewegung
von kritischer Intelligenz und gewerkschaftlicher Erfahrung, die sich
seit
einem Jahrhundert annäherte, driftet auseinander. Wir wollen das nicht.
Aber
wenn uns Mittel und Organe unserer Interessen und Glaubwürdigkeit, wie
jetzt
von ver.di beschlossen, in Gestalt der Zeitschrift KUNST+KULTUR zu
einem unwürdigen
Torso zusammengestrichen werden, müssen wir uns wehren.
Der Bundesvorstand des Verbandes deutscher Schriftsteller und die
Landesvorstände
fordern nachdrücklich dazu auf, die bisherige Erscheinungsweise unserer
Zeitschrift KUNST+KULTUR mindestens sechs mal im Jahr zu sichern und
die finanziellen
wie personellen Kürzungen zurückzunehmen. Wir verstehen diese
Kürzungen als verheerendes kulturpolitisches Signal und befürchten
schweren
Schaden für die gesamte Gewerkschaft.
Auf der von KUNST+KULTUR veranstalteten Tagung im Sommer 2005 haben
die Herausgeber Frank Bsirske und Frank Werneke im Gespräch mit
Künstlerinnen
und Künstlern die These Oskar Negts unterstützt und sich zu eigen
gemacht,
wonach die Zukunft der Gewerkschaft untrennbar mit ihrem
kulturpolitischen
Mandat verbunden sei. KUNST+KULTUR wird von uns und darüber hinaus als
wesentlicher Ausdruck dieses kulturpolitischen Mandats wahrgenommen.
Sie hat
»Göttinger Erklärung«
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die Funktion einer Brücke zwischen Kulturschaffenden und der großen
Gewerkschaft
ver.di, in der auch wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller uns in
einem gerade
forcierten Prozess positionieren müssen und um unser Selbstverständnis
als Verband der Einzelgänger ringen.
Wir befinden uns mitten im Erneuerungsprozess unseres Verbandes. Wir
wissen:
Wer auf die Gesetzgebung Einfluss nehmen will, benötigt starke
Bündnispartner.
Aber auch die Politik wird in Zukunft auf Interessenverbände wie den VS
angewiesen
sein.
Wir, die in Göttingen versammelten Schriftstellerinnen und
Schriftsteller, sind zutiefst
besorgt über diese Entwicklung und fordern ver.di auf, alles dafür zu
tun,
dass ein starker Verband deutscher Schriftsteller in und für die
Gewerkschaft bestehen
kann, damit wir gemeinsam für die kulturelle Daseinsvorsorge wirken
können.
Göttingen, am 12. Juli 2006
Die Teilnehmerinnen/Teilnehmer an einer gemeinsamen Beratung des
VS-Bundesvorstand mit Vertreterinnen/Vertretern der VS-Landesvorstände
am 11./12. Juli 2006 in Göttingen
Klaus Behringer, VS-Landesvorstand Saarland
Steffen Birnbaum, VS-Landesvorstand Sachsen
Anna Dünnebier, VS-Bundesvorstand
Monika Ehrhardt-Lakomy, VS-Landesvorstand Berlin
Reimer Eilers, VS-Landesvorstand Hamburg, VS-Bundesvorstand
Helga Frien, VS-Landesvorstand Hamburg
Ulrich Frohriep, VS-Landesvorstand Mecklenburg-Vorpommern
Anne Gallinat, VS-Landesvorstand Thüringen
Hans Gerhard, VS-Landesvorstand Saarland
Jürgen Jankofsky, VS-Landesvorstand Sachsen-Anhalt
Gabriele Korn-Steinmetz, VS-Landesvorstand Rheinland-Pfalz
Thomas Kraft, VS-Landesvorstand Bayern, VS-Bundesvorstand
Thomas Krämer, VS-Landesvorstand Rheinland-Pfalz, VS-Bundesvorstand
Dieter Lattmann, VS-Ehrenvorsitzender
Regine Möbius, VS-Landesvorstand Sachsen, VS-Bundesvorstand
Alexander Pfeiffer, VS-Landesvorstand Hessen
Sabine Prilop, VS-Landesvorstand Niedersachsen
Helmut Routschek, VS-Landesvorstand Brandenburg
Till Sailer, VS-Landesvorstand Brandenburg
Gerlinde Schermer-Rauwolf, VS-VdÜ, VS-Bundesvorstand
Landolf Scherzer, VS-Landesvorstand Thüringen
Hans-Jürgen Schumacher, VS-Landesvorstand Mecklenburg-Vorpommern
Horst Senger, VS-Landesvorstand Hessen
Axel Thormählen, VS-Landesvorstand Auslandsgruppe
Imre Török, VS-Bundesvorsitzender
Simone Trieder, VS-Landesvorstand Sachsen-Anhalt
Sandra Uschtrin, VS-Landesvorstand Bayern
Martin v.Arndt, VS-Landesvorstand Baden-Württemberg
Claus Varrelmann, VS-VdÜ
Jutta Weber-Brock,VS-Landesvorstand Baden-Württemberg
Rebekka Wulff, VS-Landesvorstand Schleswig-Holstein
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