[echo] taz 20.12.06 museumsplan kanitverstan
Burkhard Hilgenstock
bu at westwerk-hamburg.de
Wed Dec 27 15:37:59 CET 2006
http://www.taz.de/pt/2006/12/20/a0273.1/text
Neue Ordnung für die Kunst
Museumsentwicklungsplan sieht Zusammenlegung von nördlicher
Deichtorhalle und Kunsthalle sowie ein einheitliches Direktorat für die
stadthistorischen Häuser vor. Chefs äußern sich skeptisch
Von PETRA SCHELLEN
Eine Neustrukturierung der Hamburger Museumslandschaft sieht der
Museumsentwicklungsplan vor, den Kultursenatorin Karin von Welck
gestern öffentlich präsentierte. Insbesondere auf die Straffung von
Leitungsfunktionen setzt dabei das Gremium aus Museums- und
Finanzfachleuten, das ein Jahr lang die Museumsszene beobachtete.
Wichtigster Vorschlag der Experten: die Bespielung der nördlichen
Deichtorhalle durch den Kunsthallen-Direktor, zumal die zur Kunsthalle
gehörende Galerie der Gegenwart ohnehin ein größeres Areal zur
Präsentation experimenteller Kunst brauche. "Das ist lediglich ein
Vorschlag. Ob die Senatorin ihn umsetzen wird, ist noch nicht
entschieden", sagt dazu Robert Fleck, Direktor der Deichtorhallen, die
er mit eigenwilligen, auch politisch relevanten Ausstellungen etwa
unbekannter Fotos Pierre Bourdieus profilierte.
Auch Kunsthallen-Chef Hubertus Gaßner reagierte zurückhaltend: "Es
sprechen gewichtige Gründe gegen die Unterstellung der Deichtorhalle
Nord unter die Führung des Direktors der Kunsthalle", so Gaßner. Die
Verlagerung von Ausstellungen in die Deichtorhallen werde vielmehr "zu
einer tendenziellen Verödung" der Galerie der Gegenwart führen.
Der Expertenbericht sagt nicht, wie die finanzielle Schieflage der
Galerie der Gegenwart zu beheben sei. Die Experten fordern lediglich
eine einmalige Tilgung des Gesamtdefizits der Museen von rund 8,3
Millionen Euro. Klare Leistungsvereinbarungen sowie ein an den
Anforderungen orientiertes Budget mahnt der Bericht außerdem an. Hierzu
zähle auch ein Förderprogramm zugunsten der Inventarisierung der
Museumsbestände.
Auch die Profilschärfung nach außen ist Thema der Experten: Ein
gemeinsames Direktorat für das Museum für Hamburgische Geschichte, das
Altonaer Museum, das Museum der Arbeit samt Hafenmuseum und das
Helms-Museum sei sinnvoll. Eine "ordnende Hand" müsse her, auch
angesichts der Tatsache, dass sich die Häuser gegenüber dem 2007 zu
eröffnenden "Internationalen Maritimen Museum" Peter Tamms behaupten
müssten.
Die Teamarbeit der betreffenden Direktoren sei tatsächlich ausbaufähig,
findet Lisa Kosok, Leiterin des Museums der Arbeit. "Warum sollen wir
nicht gemeinsame kulturhistorischen Ausstellungen organisieren, anstatt
jeweils eigene Süppchen zu kochen?" Und warum nicht für gemeinsame
Sonderausstellungen das Haus wählen, das über die besten Räume verfügt?
Warum nicht, wie von den Experten angeregt, gemeinsame
Restaurierungswerkstätten betreiben? "Da könnte man noch viel
vernetzen", sagt Kosok. Allerdings liefen seit langem "die
Selbstausbeutung der Museumsmitarbeiter", die Anforderungen und das
Budget "nicht konform".
Ein Ergebnis, zu dem auch die Experten kommen. Sie fordern Maßnahmen in
Höhe eines "mittleren zweistelligen Millionenbetrags". Zu dessen
Aufstockung dürfte die Abschaffung des Doppelspitze der Museen kaum
beitragen: Dem - bislang gleichberechtigten - kaufmännischen Leiter
überstellt sein solle künftig der künstlerische Chef jedes Museums.
Auch solle niemand in mehreren Museums-Stiftungsräten vertreten sein.
Der derzeit allen Stiftungsräten vorsitzende Präses der Kulturbehörde
gehöre ersetzt durch einen behördenexternen Experten.
Punkte, bei denen die Senatorin gestern nicht widersprach. Es gebe viel
zu diskutieren, so von Welck. Insbesondere den Finanzsenator müsse man
für die Sache der Museen gewinnen. "Aber wer etwas haben will, muss
auch geben. Wir bieten die Neupositionierung und Profilierung der
Museen an. Ein Pfund, mit dem Hamburg wuchern sollte."
taz Nord vom 20.12.2006, S. 24, 123 Z. (TAZ-Bericht), PETRA SCHELLEN
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