[echo] taz 20.12.06 dom platzt

Burkhard Hilgenstock bu at westwerk-hamburg.de
Wed Dec 27 15:37:54 CET 2006


http://www.taz.de/pt/2006/12/20/a0277.1/text

kein bau auf dem domplatz
Das Glashaus und die Nagelprobe

Es ist eine herbe Schlappe für den CDU-Senat. Vor allem für Bausenator 
Michael Freytag und speziell für Bürgermeister Ole von Beust. Das 
Glashaus auf dem Domplatz liegt in Scherben. Hamburg aber bleibt eine 
Bausünde erspart.

Kommentar
von Sven-Michael Veit

Dass der Parkplatz mit Würstchenbude an der Domstraße ein Schandfleck 
ist, ist keine Frage. Dass die jahrzehntelange Debatte über eine 
zweckmäßige und zugleich repräsentative Nutzung endlich mal beendet 
werden muss, ist ebenfalls klar. Es muss aber ein gutes Ende sein.

Und das hätte der nun beerdigte Entwurf niemals sein können. Denn er 
hatte von vornherein einen Konstruktionsfehler: das Investorenmodell. 
Private sollten bauen, was die Stadt sich wünscht, lautete die Idee. 
Das Ergebnis aber ist die Differenz zwischen den Mieten, welche die 
Stadt zahlen kann, und der Rendite, welche die Investoren einstreichen 
wollen.

Auf dem Domplatz ist das so viel gerühmte Modell der Public Private 
Partnership sicher nicht gescheitert. Aber ihm wurden seine Grenzen 
aufgezeigt. Eine heilsame Lehre wenigstens. Die Konsequenz muss lauten, 
die Bebauung in öffentlicher Regie durchzuführen - eine Nummer kleiner 
und eine Nummer bescheidener, dafür aber sinnvoll, finanzierbar und 
städtebaulich verträglich.

Für den Senat mag das abrupte Ende eines seiner Metropolenträume 
schmerzhaft sein. Die Nagelprobe aber steht ihm noch bevor: die 
Elbphilharmonie.

taz Nord vom 20.12.2006, S. 24, 51 Z. (Kommentar), Sven-Michael Veit

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http://www.taz.de/pt/2006/12/20/a0279.1/text

Domplatz bleibt weiter unbebaut
Senat verzichtet auf den umstrittenen Glaskubus mitten in der 
Innenstadt. Er würde schlicht zu teuer werden. Nun soll aus dem 
Parkplatz ein würdiger Platz werden, hofft Kultursenatorin von Welck, 
am besten ein Park

Der gläserne Kubus auf dem Domplatz in der City ist zerplatzt. 
"Einhellig" habe der Senat beschlossen, das Projekt "zu den Akten zu 
legen", teilte Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) gestern im 
Rathaus mit. Der Grund sei "die Kostenexplosion".

Die Baubehörde hatte vor einem Jahr in einem Wettbewerb einen 
"kristallinen Solitär" ausgewählt, der den seit Kriegsende brach 
liegenden Platz schmücken solle. Der futuristisch wirkende Glaswürfel 
sollte eine Wundertüte sein: Die Öffentlichen Bücherhallen sollten hier 
residieren, Büros für die Bürgerschaft waren gewünscht, ein 
Archäologiezentrum sollte entstehen sowie Wohnungen und Geschäfte. 
Architekten entwarfen folglich einen gläsernen Riesenbau, über den ein 
heftiger öffentlicher Streit entbrannte.

Deshalb sollte der Bau in einem zweiten Entwurf deutlich verkleinert 
werden - aber das macht ihn, wie der Senat nun einsehen muss, nur noch 
teurer. Die Bürgerschaft verzichtete bereits vor zwei Wochen wegen der 
hohen Kosten auf einen Umzug. Auch die Kulturbehörde kann die Miete für 
die Zentralbibliothek nicht aufbringen. "Zwei Millionen Euro im Jahr 
statt der geplanten einen Million", sagte von Welck gestern, "das geht 
nicht."

Nun soll in einem neuen Wettbewerb bis Ende 2007 eine neue Nutzung 
entworfen werden. "Ein schöner Platz", schwebt der Senatorin vor, "eine 
Ruhezone in der Stadt, vielleicht ein archäologischer Park mit Wegen 
und Bänken." Schließlich haben Grabungen des Helms-Museums neue 
Indizien dafür geliefert, dass dort im 9. Jahrhundert die Hammaburg 
stand, die Keimzelle Hamburgs. "Damit müssen wir würdig umgehen", sagt 
von Welck, "auf keinen Fall darf es ein Parkplatz bleiben."

SPD-Fraktionschef Michael Neumann freute sich, dass der Stadt der 
Glaskubus "erspart" bleibt. Es sei aber eine "persönliche Niederlage" 
für CDU-Bürgermeister Ole von Beust, der das Projekt im Juni "zur 
Chefsache" machte. Claudius Lieven (GAL) bedauerte das Aus. Er halte es 
weiter für richtig, die Zentralbibliothek und das Bürgerschaftsforum 
auf dem Domplatz zu bauen. Sven-Michael Veit

taz Nord vom 20.12.2006, S. 24, 71 Z. (TAZ-Bericht), Sven-Michael Veit

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