[echo] Abschaffung des Kultursenats in Berlin

Barbara Lang barbara-lang at nexgo.de
Wed Nov 8 10:44:28 CET 2006


Kulturrat warnt vor falschem Signal
Reaktionen auf Abschaffung des Kulturressorts in Berlin 
 
Die Abschaffung des Kultursenats in Berlin und die Übernahme des Ressorts
durch den Regierenden Bürgermeister Wowereit ist auf ein unterschiedliches
Echo gestoßen.
 
Der Intendant des Deutschen Theaters, Bernd Wilms, sprach sich für diese
Entscheidung aus, wenn Wowereit gemeinsam mit dem Chef der Senatskanzlei,
André Schmitz, die Kultur betreuen würde: "Ich als jemand, der das
Kulturinteresse des Regierenden Bürgermeisters kennt und der André Schmitz
sehr genau aus der Arbeit kennt, halte das für eine gute Lösung." Es komme
vor allem auf die Kompetenz der verantwortlichen Person und weniger auf den
Titel an. 
 
Die ehemalige Kultursenatorin Adrienne Göhler warnte dagegen, die Kultur
werde ihre Stimme verlieren. Ein Staatssekretär habe kein Rederecht im
Parlament. Die Kultur werde verschwinden, wie man in Nordrhein-Westfalen und
Schleswig-Holstein bereits feststellen müsse.
 
In Nordrhein-Westfalen sei diese Lösung gescheitert, sagte der
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann. Man habe dort
bereits personelle Konsequenzen ziehen müssen. Wenn nun die Hauptstadt
entscheide, der regierende Bürgermeister werde die Kultur nebenbei betreuen,
müsse man bedenken, welche Auswirkungen dies auf das ganze Land haben werde.
Denn es handele sich eindeutig um eine Abwertung der Kultur, sagte
Zimmermann. Nur weil man Interesse an Kultur habe, heiße dies nicht, dass
man auch die notwendige Zeit für Kulturpolitik zur Verfügung habe. Dabei
stünden in Berlin große Aufgaben an, wie neue Verhandlungen mit dem Bund
über die Hauptstadtkultur.

Göhler bezweifelte, dass die Vielschichtigkeit der Berliner Kultur noch
Beachtung finden werde. Sie befürchte, dass die Kultur zum "Schaufenster für
Bürgermeisterglanz" werde. Auch warnte sie vor einer "dramatischen
Interessenskollision": "Kultur muss auch die Hand beißen, die sie nährt."


 
Quelle Deutschlandradio Kultur (07.11.2006):
<http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/560387/>
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/560387/
 



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