[echo] Fr.bis So.: wir sind woanders - Tagung

Tim Voss tim at hinterconti.de
Fri Nov 10 07:47:00 CET 2006


Kongress Freitag 10.11.- Sonntag 12.11.06
jeweils 14.00 bis ca 20.00
im Rahmen von "Wir sind woanders"
Symposion der Hamburger Kunstorte
Museumstr. 31, Hamburg - Altona

Fr. 10.11. off on off? Über das Verhältnis einer „Off-Szene“ zur 
Hegemonialkultur
mit Holger Kube-Ventura, Jan Holtmann, Marianne Gronemeyer und 
Hans-Christian Dany
moderiert von Tim Voss

Sa 11.11. Ehrenamt, Prekarität und Kulturarbeit
Arne Niederbacher/Matthias Euteneuer, Enno Schmidt, Adrienne Goehler 
und Christina Kaindl
moderiert von Armin Chodzinski

So 12.11. Strategien im selbstverwalteten Kunstbetrieb
Brett Bloom, Saul Albert, Michael Lingner und Gerald Raunig
moderiert von Rahel Puffert


Fr. 10.11. off on off?
Über das Verhältnis einer „Off-Szene“ zur Hegemonialkultur

14:00 Uhr
Holger Kube Ventura
„Indie Art“
Wofür halten sich „on“ und „off“? Woran wären der „offiziöse 
Kunstbetrieb" und die „alternativen Kunstmilieus“ zu erkennen? Ein 
assoziativer Vortrag über Geld und Aufmerksamkeit, Selbstbestimmung und 
Distinktion, Angebot und Nachfrage, Geschäfte und Diskurse.
Dr. Holger Kube Ventura (*1966) ist Kunstwissenschaftler, 
Programm-Koordinator bei der Kulturstiftung des Bundes,
1996-2000 Kasseler Kunstverein, 2001-03 Direktor der Werkleitz 
Gesellschaft e.V. und künstlerischer Leiter der 5. Werkleitz Biennale.
Wichtigste Publikationen waren Politische Kunst Begriffe
(2002), Theorie – Politik (2002), Surfing Systems (1996) und 
Dekonstruktion & Video (1994).

15:00 Uhr
Jan Holtmann
„Zur Frage der medialen Qualität des OFFs“
Wo liegen die Möglichkeiten für die Off-Kunst-Praxis, einen positiven 
Unterschied gegenüber der Hegemonialkultur zu gestalten, und damit eine 
eigene Qualität zu bestimmen? Eine Einsicht in einige Aspekte der 
Geschichte der Ausstellung und
in die mediale Struktur der Ausstellung könnte das Handlungsfeld der 
Off-Kunst bestimmen, bzw. lässt sie zumindest die Frage präzisieren, 
warum es uns schwer fällt hier in eine Differenz zu treten und es 
notwendig ist in diesem Aufgabenfeld zu handeln!
Jan Holtmann (*1966), Konzeption Artgenda 2002, NoRoom Gallery, 
Forschung und Praxis im Bereich der Präsentations- und 
Vermittlungsformen.

16:30 Uhr
Marianne Gronemeyer
„Alles nur eine Frage des Geldes... ? - Über die Schwierigkeit 
‚dagegen’ zu sein.“
„Es ist schwer, die Welt zu verändern mit dem Geld der Leute, die sie 
in Ordnung finden“, sagte einst der Filmregisseur Wolfgang Staudte über 
die staatliche Filmförderung. Fraglich, ob dieser Satz anachronistisch 
ist? Wer sind die, die die Welt verändern wollen? Und wer sind die, die 
sie in Ordnung finden? Haben nicht diejenigen, die sie nicht in Ordnung 
finden, vor der Möglichkeit sie
zu ändern, resigniert? Und sind nicht die, die so weitermachen wie eh 
und je, längst nicht mehr in der komfortablen Lage, die Welt ihrer 
Machenschaften in Ordnung zu finden? Sind sie nicht vielmehr nur noch, 
aller besseren Einsicht zum Trotz, Exekuteure von Sachzwängen. Ich will 
versuchen, das Dilemma des Protests gegen den Tanz auf dem Vulkan zu 
beschreiben.
Marianne Gronemeyer (*1941) Professorin für Erziehungs-
und Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Wiesbaden.
Publikationen u.a.: Immer wieder neu oder ewig das Gleiche? 
Innovationsfieber und Wiederholungswahn (2000), Die Macht der 
Bedürfnisse. Überfluß und Knappheit (2002)

17:30 Uhr
Hans Christian Dany
„Von der off/on-Grenze in eine Welt der tausend Inseln“
   Woher nimmt jemand eigentlich seine räumliche Identität im off? Und 
wer fühlt sich eigentlich im on? Oder hat sich an die Stelle klarer, 
meist binärer Unterscheidungen - wie on/off, Zentrum/Peripherie, 
dabei/dagegen, Institution/Kritik, Kunst/nicht Kunst -, nicht schon 
länger ein Szenario mit vielen Inseln geschoben? Begegnen sich die 
Bewohner verschiedener Inseln, sprechen sie zwar manchmal miteinander, 
verstehen von dem was ihr Gegenüber sagt, aber immer öfter Bahnhof. 
Weil der Dialog so verständnislos und damit unlustig ausfällt, gehen 
sie lieber wieder auseinander, um sich auf ihrer eigenen Insel selbst 
zu feiern. Die Zersiedelung scheint zum einen Übersetzungen zu 
erfordern. Sie bietet aber auch eine Fülle an Möglichkeiten zur 
Erfindung von Strategien und Sprachen.
Hans-Christian Dany ist u.a. Mitherausgeber des Buchs
dagegen dabei – Texte, Gespräche und Dokumente zu Strategien der 
Selbstorganisation seit 1969 und der Zeitschrift Starship.

18.30 Uhr
Podiumsdiskussion: Moderiert von Tim Voss


Sa 11.11. Ehrenamt, Prekarität und Kulturarbeit

14:00 Uhr
Dr. Arne Niederbacher, Dr. Matthias Euteneuer
„Attraktivität und Prekarität: Der kulturwirtschaftliche Sektor und 
seine Potentiale“
Theoretische Diagnosen und empirische Befunde weisen
darauf hin, dass der kulturwirtschaftliche Sektor zu einem bedeutsamen 
Wirtschaftsfaktor und zukunftsweisenden Beschäftigungsfeld angewachsen 
ist. Personen, die in diesem Sektor arbeiten, gehen einerseits 
attraktiven – d.h. hochgradig auf Autonomie und Selbstverwirklichung 
abzielenden – Tätigkeiten nach und wirtschaften andererseits unter 
prekären Arbeits- und Lebensbedingungen. Neben einigen Strukturdaten 
zum kulturwirtschaftlichen Sektor wird im Vortrag das Spannungsfeld von 
Attraktivität und Prekarität näher beleuchtet.
  Dipl.-Päd. Matthias Euteneuer, (*1979) und
Dr. Arne Niederbacher (*1970) forschen beide mit Lehrstuhl für 
Allgemeine Soziologie an der Universität Dortmund.

15:00 Uhr
Enno Schmidt
„Das Bedingungslose Grundeinkommen“
Das Bedingungslose Grundeinkommen ist eine Energie,
die nicht erst mit der Auszahlung wirksam wird, ein Fahrzeug für neues 
Denken. Eine vernünftige Folge wirtschaftlichen Fortschritts, 
Entsprechung zur Individualisierung, die Ermöglichung von 
Gestaltungskräften in einer blinden und unerträglich falsch werdenden 
Gesellschaftsorganisation, die vor lauter Ökonomisierung nicht weiß, 
wofür eigentlich. Für den Menschen natürlich! Jeden.
Enno Schmidt (*1958), Studium der Malerei an der Städelschule 
Frankfurt/M. Internationale Ausstellungen. Mitbegründer und 
Geschäftsführender Gesellschafter des „Unternehmen Wirtschaft und Kunst 
- erweitert“, Visiting Research Fellow der Social Sculpture Research 
Unit an der Oxford Brookes University, Redakteur für Neue Medien im 
Kulturportal der Stadt Frankfurt, Mitwirkender der Zukunftsstiftung 
Soziales Leben in Bochum. Seit 2006 zusammen mit dem Unternehmer Daniel 
Häni in Basel „Initiative Grundeinkommen“.

16:30 Uhr
Adrienne Goehler
„Verflüssigungen“
Deutschland hat ein enormes kreatives und kulturelles Potenzial. Der 
Skandal ist: Es wird nicht zum Wohle der Gesellschaft genutzt. 
Wissenschaft und Künste bleiben im Ghetto, die Politik schottet sich 
ab. Die ExpertInnen des Wandels leben und arbeiten in Wissenschaft und 
Kunst. Ihre Beiträge hätten wir bitter nötig in einer Zeit, in der sich 
die Umrisse der Wissensgesellschaft erst herauszuschälen beginnen, in 
der unser Land vor vielfältigen Problemen des Wandels, etwa auf dem 
Arbeitsmarkt, steht. Doch die Grenzen zwischen Politik und Kultur sind 
wie eingefroren. Adrienne Goehler fordert: Verflüssigen wir sie, damit 
mehr Bewegung in den Wandel kommt!
Adrienne Goehler ist Initiatorin der Grüne/GAL-Frauenliste, 1986 
Abgeordnete der GAL-Frauenfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft. 
Seit 1991 parteilos. 1989-2001 Präsidentin der Hochschule für bildende 
Künste in Hamburg, 2001 Senatorin
für Wissenschaft, Forschung und Kultur der rot-grünen 
Übergangsregierung in Berlin. Vom Februar 2002 – April 2006 ist sie 
Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds. Seither freie Publizistin und 
Kuratorin. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

17:30 Uhr
Christina Kaindl
„Neoliberale Mobilisierungen der Subjekte: Hegemonie und Perspektiven 
für Gegenentwürfe“
In der neoliberalen Produktionsweise werden von den Subjekten 
veränderte Haltungen zu ihrer Arbeit, zur Gesellschaft, sowie zu ihnen 
selbst gefordert: individuelle Verantwortung und Selbstbestimmung, 
Kreativität, Hingabe und Emotionalität. Selbstverantwortung und 
Selbstvermarktung als Zwang gehen aber auch mit erheblichen psychischen 
Kosten einher. Die neoliberalen Anforderungen können hegemonial werden, 
weil sie nicht nur von oben durchgesetzt werden, sondern Wünsche und 
Träume der Menschen aufgreifen. Viele davon sind aus der 
Projekte-Existenz der Kulturbereiche entstanden. Wie sind alternative 
Entwürfe - von Leben, Arbeit und Selbstbestimmung - denkbar? Wo endet 
die Einbindung ins hegemoniale Projekt, wo beginnt Widerstand?
Christina Kaindl ist Diplom-Psychologin und promoviert in 
Politikwissenschaft. Sie ist Lehrbeauftragte an der FH Stendal, im 
Vorstand des Bundes demokratischer Wissenschaftlerinnen und 
Wissenschaftler (BdWi) und in der Redaktion der Zeitschrift Das 
Argument. Als aktuelles Projekt organisiert sie den Kongress 
„Ungleichheit als Projekt“, 24.-26.11. in FFM. Sie lebt und arbeitet 
als freie Wissenschaftlerin in Berlin.

18:30 Uhr
Podiumsdiskussion: Moderiert von Armin Chodzinski


So 12.11. Strategien im selbstverwalteten Kunstbetrieb

14:00 Uhr
Brett Bloom (Chicago)
„Ökonomie der Großzügigkeit am Beispiel verschiedener Gruppen aus den 
USA“
There is a tremendous need of developing autonomous strategies. Relying 
too heavily on funding from external sources
is only a way for making greater dependency. We’ll explain the 
practices of Experimental Station (Chicago), Mess Hall (Chicago), The 
Steelyard (Providence, Rhode Island), The Empty Vessel Project 
(Brooklyn, NY), CLUI (Center for Land Use Interpretation
in Los Angeles) and more organizations. They all find alternative 
sources of money, but also support things based on an economy of 
generosity and resource provisions for those who don't have them. 
Against this background, the talk is also about shifting art practices 
to do outreach, quasi-scientific research and more.
Brett Bloom ist Künstler, Kritiker und Veranstalter. Er ist Teil des 
Projektraumes Mess Hall in Chicago, hat drei weitere Räume mitgegründet 
und schreibt über die Notwendigkeit von unabhängiger Produktion in 
Kunst und Kultur.

15:00 Uhr
Saul Albert
„Bankrott der Geschenkewirtschaft: lessons from NODE.London“
In March 2006, I was one of a shifting mass of voluntary organisers of 
NODE.London - a „season of media arts“ that attempted to bring together 
a very diverse and sometimes antagonistic
network of cultural institutions - on the one hand, and rag-tag 
cultural activist groups on the other, in the context of London as
a city of „culture-led regeneration“. The premise was that the 
organisational process was as open ended as funding allowed, 
volunteer-led, self-critical and non-hierarchical, and augmented by a 
host of open source software tools designed specifically for the task. 
I will present some of the lessons learned through this project and its 
many productive failures.
Saul Albert ist Künstler und Kritiker und lebt in London

16:30 Uhr
Michael Lingner
„Qualitätssteigerung durch Selbstbestimmung im Kunstsystem. 
Demokratisierung der Entscheidungsstrukturen oder „The winner(s) take 
it all" ?“
Jenes an sich erstaunliche Phänomen, dass die Akteure im Kunstsystem 
sowohl durch aktives wie unterlassenes Handeln dessen Ökonomisierung 
und damit die Bedrohung künstlerischer Autonomie und Kreativität in 
Kauf genommen haben, lässt sich in seiner Komplexität nur exemplarisch 
in den Blick bekommen. Als zentrale, gleichsam strategische 
Schnittstelle zwischen
wirtschaftlichen und künstlerischen Interessen sind die 
Vergabeverfahren von Finanzmitteln zur Kunstförderung ein besonders 
geeignetes Untersuchungsfeld. Die sich deswegen anbietende 
Thematisierung der Jury-(= Auswahl- und Ausschluss-) problematik kann 
von eigenen und andauernden Erfahrungen als Opfer wie als Täter in 
solchen Selektionsverfahren ausgehen.
Michael Lingner ist Professor für Kunsttheorien an der Hochschule für 
bildende Künste Hamburg seit 1993 und Leiter des 
Labor:Kunst&Wissenschaft, www.ask23.de

17:30 Uhr
Gerald Raunig
„Instituierende Praxen. Selbstverwaltung und Transversalität“
Über die Erfahrungen der ersten beiden Phasen der künstlerischen 
Institutionskritik (in den 1970ern und den 1990ern) hinaus, geht es im 
Begriff der „instituierenden Praxis“ um (nicht nur) künstlerische 
Strategien, die Selbstverwaltung nicht als Verwaltung des Selbst 
verstehen, sondern als transversale Verkettung. Bedeutung und zum Teil 
paradoxale Konsequenzen dieses Begriffs werden im Vortrag anhand 
einiger kurzer Beispiele aus Europa erörtert.
Gerald Raunig ist Philosoph und Kunsttheoretiker und arbeitet am eipcp 
in Wien, http://eipcp.net/

18:30 Uhr
Podiumsdiskussion: Moderiert von Rahel Puffert



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