[echo] Karin von Welck im Schimmelmannstrudel
Bahari Ndogo
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Tue Oct 24 13:27:52 CEST 2006
Hamburger Abendblatt
21. Oktober 2006
Karin von Welck im Schimmelmannstrudel
Die Woche im Rathaus
Von Florian Kain
Es war ein nett gemeinter Stadtteilbesuch - mit bösen Folgen.
Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) hatte sicherlich nicht geahnt,
was ihr da noch blühen würde, als sie sich Anfang September nach Wandsbek
aufmachte. Eigentlich war die Politikerin nur vorbeigekommen, um gemeinsam
mit dem rührigen Bezirksamtschef Gerhard Fuchs (CDU) die neuen
Räumlichkeiten der Kinderoper einzuweihen. Freundlich, wie Frau von Welck
nun mal ist, schlug sie die scheinbar harmlose Bitte des Bezirksfürsten
nicht aus, danach auch noch der Enthüllung von drei Bronzebüsten
beizuwohnen. Fuchs hatte diese in Auftrag gegeben, um den Puvogelgarten
optisch aufzumöbeln - eine Herzensangelegenheit des Bezirksamtschefs.
Seit Donnerstag liegt bei der Hamburger Staatsanwaltschaft jedoch eine
Strafanzeige gegen von Welck und Fuchs vor - angeleiert von der Hamburger
Rechtsanwältin Ama-Pokua von Pereira. Ihre Klage lautet auf "dringenden
Tatverdacht der Volksverhetzung, Beleidigung, üblen Nachrede bzw.
Verleumdung." Die Juristin hat den Antrag, wie sie sagt, "in meiner
Eigenschaft als Schwarze" gestellt. Der Grund: Eine der drei Büsten zeigt
das Konterfei des Grafen Heinrich Carl von Schimmelmann (1724-1782). Der
gilt zwar als einer der größten Förderer Wandsbeks, verdankte den Wohlstand,
den er brachte, aber vor allem dem Waffen- und Sklavenhandel.
Entsetzen über Andenken an Menschenhändler
Pereira ist entsetzt, dass eine Frau von diesem Format einem führenden
Menschenhändler seiner Zeit ein ehrendes Andenken bereitet³, schließlich
habe die Senatorin sogar Ethnologie studiert und deshalb Ahnung von der
Materie. Das Gleiche gelte für den Bezirksamtschef, der immerhin
Geschichtslehrer sei. Fuchs tut es furchtbar leid, dass er Hamburgs
Kultursenatorin in den Schimmelmann- Strudel mit hineingezogen hat. In der
Sache bleibt er aber uneinsichtig: Die Büste solle lediglich an einen
bedeutenden Wandsbeker in der Geschichte erinnern, das historische
Bewusstsein der Bürger schärfen. Auf Schimmelmanns Vergangenheit als
Sklavenhändler werde überdies mit einem Schild deutlich hingewiesen. Ob das
jedoch die Gemüter beruhigen kann, bleibt zweifelhaft. Denn die Sklaven
finden auf der Plakette nur in einer Reihe mit Gewehren, Zuckerrohr und
Baumwolle Erwähnung ? bei der Aufzählung eben jener geschäftlichen
Aktivitäten, die Schimmelmann so unglaublich reich machten.
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