[echo] "Riesenwirbel in Wandsbek - Denkmal f ür Sklavenhä ndler"
Bahari Ndogo
bahari1 at gmx.de
Mon Sep 18 09:08:47 CEST 2006
MOPO-Titelstory heute
"Riesenwirbel in Wandsbek - Denkmal für Sklavenhändler"
http://www.mopo.de/2006/20060918/hamburg/panorama/ein_denkmal_fuer_den_sklav
enhaendler.html
Hamburger Morgenpost
18.09.2006 / SEITE 8-9
WANDSBEK
Ein Denkmal für den Sklavenhändler
Für Heinrich Carl von Schimmelmann waren Afrikaner nur eine Ware / Jetzt
wurde dem Wandsbeker zu Ehren eine Bronzeplastik aufgestellt
ERIK TRÜMPLER
Wieso stellt man im 21. Jahrhundert einem Sklavenhändler ein neues Denkmal
auf? In Wandsbek sorgt eine schicke Bronzeplastik am Marktplatz für
Riesen-Ärger. Die GAL schäumt, Politiker sprechen von einem Alleingang des
Bezirksamtsleiters Gerhard Fuchs.
Vor einer Woche wurden im Puvogel-Garten drei Plastiken eingeweiht. Sie
zeigen Heinrich Rantzau, der 1568 die Wandesburg errichtete, Astronom
Tycho Brahe, der dort lebte, und Graf Heinrich Carl von Schimmelmann
(1724-1782), der 1762 dem dänischen König das Gut Wandsbek abkaufte.
An Schimmelmann scheiden sich die Geister. In Wandsbek machte er sich als
Wohltäter einen Namen. Unter seiner Ägide erlebte der Ort einen gewaltigen
Aufschwung.
Doch die dunkle Seite des Grafen überschattet die jüngste Ehrung. Den
größten Teil seines Vermögens bescherte ihm der Menschenhandel. Nicht nur,
dass auf seinen Plantagen in der Karibik mehr als 1000 Sklaven arbeiteten
und er damit zu einem der größten Sklavenhalter seiner Zeit wurde,
Schimmelmann beteiligte sich auch aktiv am Handel. Zumeist charterte er in
Kopenhagen Schiffe, die er mit Waren wie Schnaps und Gewehren füllte. An der
westafrikanischen Küste tauschte er das Frachtgut gegen Sklaven ein. Diese
verkaufte er anschließend in der Karibik. Sein Lohn: Zucker und Baumwolle.
Das Geschäft eines Sklavenhändlers.
Die GAL kann es nicht fassen. "Es verlangt ja keiner, dass das
jahrhundertalte Schimmelmann-Mausoleum abgerissen werden soll. Aber diesem
Mann in der heutigen Zeit ein neues Denkmal zu setzen, ist absurd", klagt
der Fraktionsvorsitzende Olaf Duge. Der Kreisvorsitzende Vasco Schultz
wettert: "Das unendliche Leid, das er aus rein egoistischem Profitstreben
über hunderttausende Menschen brachte, verbietet jede weitere Ehrung." Im
Alleingang habe Fuchs die Statue dort aufstellen lassen.
Der Bezirksamtsleiter verteidigt sein Vorgehen. Man sei sich bewusst, dass
die Person nicht unkritisch gesehen werden dürfe. Dass Schimmelmann unter
anderem durch den Sklavenhandel sein Geld verdient hat, sei deshalb auch auf
einer Infotafel aufgeführt. "Aber wir ehren mit den neuen Plastiken nicht
Schimmelmann, sondern drei tragende Herren der Wandsbeker Geschichte." Man
müsse die Plastik im Kontext sehen. Auch die Kritik eines Alleingangs weist
er vehement zurück. "Die Idee ist bereits vor langer Zeit öffentlich gemacht
worden. Aber selbst bei der Einweihung mit der Kultursenatorin Karin von
Welck und mir hat sich die GAL einfach nur weggeduckt."
Info:
ZUR PERSON
Heinrich Carl von Schimmelmann (1724-1782) entstammte einer Mecklenburger
Kaufmannsfamilie. Während des Siebenjährigen Krieges ließ sich der
Geschäftsmann in Hamburg nieder. 1759 kaufte er das Gut Ahrensburg, drei
Jahre später das Gut Wandsbek. Ihm gehörten damals die größte
Zuckerraffinerie Nordeuropas (in Kopenhagen) sowie die vier größten
Plantagen auf den dänisch-westindischen Inseln. In Wandsbek errichtete er
repräsentative Wohnbauten für reiche Hamburger und förderte die Ansiedlung
von Gewerbe. Aus den Erträgen der Wandsbeker Lotterie gründete er eine
"Milde Stiftung für Arme". Durch ihn unterstützt, erschien ab 1771 der
"Wandsbeker Bothe". An Stelle der Wandesburg baute er ein prächtiges
Schloss.
SCHIMMELMANN UND DER DREIECKSHANDEL
Heinrich Carl von Schimmelmann galt seinerzeit als umtriebiger
Geschäftsmann. Seine Aktivitäten im In- und Ausland vernetzten Produktion,
Handel und Kapitalbeschaffung miteinander. Der autarke Schimmelmannsche
Wirtschaftskreislauf wurde durch drei Güter, zwei Fabriken und vier
Plantagen in Gang gehalten. Dazu kam der transatlantische Sklavenhandel.
Neben dem "Negertuch" genannten Baumwollhandel gehörten Branntwein und
Gewehre zu den wichtigsten Tauschgütern im Handel mit Sklaven. Eigene
Schiffe oder die Flotte des Altonaer Reeders von der Smissen brachten die
Hamburger Ware nach Afrika und setzten danach ihre Fahrt zu den
Westindischen Inseln fort. Diesmal mit menschlicher Fracht, die unter
unmenschlichen Bedingungen zu leiden hatte. Die letzte Etappe des
Dreieckshandels bildeten Schiffsladungen mit Zucker, Rum und Baumwolle nach
Europa. In den Schimmelmannschen Manufakturen wurde die Ware
weiterverarbeitet. Laut Schätzung wurden zu Schimmelmanns Zeiten jährlich
etwa 80000 Sklaven verschifft. Die meisten davon aus dem Kongo.
Hamburgs umstrittene Denkmäler
Mehr als 80 Jahre stand das Kriegerdenkmal auf dem Licentiatenberg in Groß
Borstel. Auf vier Tafeln werden dort im Ersten Weltkrieg gefallene Soldaten
sowie die Opfer des Zweiten Weltkriegs geehrt. Seit März 2006 ist der Sockel
wegen Renovierungsarbeiten verschwunden. Die Groß Borsteler freut es.
Kritiker nennen das Denkmal kriegsverherrlichend und pathetisch.
Auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Jenfeld sorgt das
von den Nazis in Auftrag gegebene Askari-Relief für Ärger. Das Kunstwerk
zeigt eine Truppe afrikanischer Soldaten, die scheinbar treu ergeben ihrem
weißen Offizier folgen. Dadurch werde der Blick auf die
Herrschaftsverhältnisse des Kolonialreiches verwischt, kritisieren
Wissenschaftler.
Immer wieder Objekt von Anschlägen wurde das Kriegerdenkmal am
Stephansplatz. In den 80er Jahren gab es sogar einen Bombenanschlag. Das
1936 errichtete Mahnmal erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen
Soldaten des hanseatischen 76. Regiments. Umstritten ist vor allem die große
Inschrift "Deutschland muss leben, auch wenn wir sterben müssen."
Im Michel sorgt eine Gedenktafel für Kritik. Darauf wird den in der
Kolonialzeit in China gefallenen Soldaten aus Hamburg gedacht. Die Kritik
ein zu einseitiges Gedenken. Anfragen an den Kirchenvorstand, auch für die
gefallenen Askari-Soldaten und die getötete afrikanische Zivilbevölkerung
ein Schild anzubringen, blieben erfolglos, heißt es unter
http://www.afrika-hamburg.de.
Links:
http://www.afrika-hamburg.de
Zitat:
»Diesem Mann in der heutigen Zeit ein Denkmal zu setzen, ist absurd«
Wandsbeks GAL-Fraktionschef Olaf Duge
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weitere Informationen zu
Heinrich Carl Schimmelmann
http://www.afrika-hamburg.de/globalplayers1.html
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