[echo] FW: Tansania-Park: Einladung f ü r den 26.09.06

Bahari Ndogo bahari1 at gmx.de
Thu Sep 21 10:01:34 CEST 2006


Weiterleitung

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> Von: Kurt Hirschler <Kurt_Hirschler at web.de>
> Organisation: http://freemail.web.de/
> Datum: Thu, 21 Sep 2006 02:56:35 +0200
> An: Kurt_Hirschler at web.de
> Betreff: Einladung für den 26.09.06
> 
> Einladung für den 26.09.06, St. Markus-Hoheluft, Heider Str. 1, HH-Hoheluft
> 
> 18.00-19.30 Uhr: Reinhard Behrens: "Tansania-Park" in Jenfeld: Eine
> Gedenkstätte für Vergangenheit und Zukunft.
> 19.30-19.45 Uhr: Jürgen Gotthardt: Kooperation zwischen Hamburg und Dar es
> Salaam? Besuch der Dar es Salaamer Koordinatorin Rose Nyerere in Hamburg im
> November 06
> 19.45-20.00 Uhr: Kurt Hirschler: Hamburger Senat finanziert die
> Tanzania-Koordinationsstelle
> 
> 
> Sehr geehrte Damen und Herren,
> liebe Freundinnen und Freunde,
> 
> im Sommer 2002 geriet Hamburg bundesweit in die Schlagzeilen, als bekannt
> wurde, dass im Ortsteil Jenfeld (Bezirk Wandsbek) ein ?"Tansania-Park"
> entstehen sollte. Es war nicht die Idee zu einem "Tansania-Park" an sich, die
> für das Interesse sorgte; vielmehr war in Hamburg inzwischen ein großer Streit
> um städtische Zuschüsse, zuständige Behörden aber vor allem um die räumliche
> Lage und die inhaltliche Ausgestaltung des Parks sowie das Verfahren zu seiner
> Umsetzung losgebrochen.
> 
> Eigentlich hatte alles ganz harmlos begonnen. Als 1999 die
> Lettow-Vorbeck-Kaserne in Jenfeld von der Bundeswehr geschlossen wurde, baute
> sie auch die beiden Teile des sogenannten Askari-Reliefs ab ? offiziell heißen
> sie Deutsch-Ostafrika-Krieger-Denkmal. Der Kulturkreis Jenfeld wollte
> verhindern, dass die Denkmäler aus dem Stadtteil verschwinden könnten ?
> schließlich handele es sich um Kunst aus Jenfeld. Man solle doch dem ohnehin
> nicht gerade begünstigten Stadtteil nicht auch noch seine Kunstwerke
> wegnehmen. Da sich vor dem Kasernentor eine Grünfläche befand, auf der ohnehin
> schon ein paar koloniale Kriegerdenkmäler standen, wurde der Plan entwickelt,
> die beiden Reliefs dort aufzubauen. Zudem war es gelungen, den Expo-Pavillon
> Tanzanias zu erhalten ? immerhin ein Geschenk Tabzanias an den Kulturkreis
> Jenfeld. Dieser sollte auch dort aufgestellt werden und den Grundstein für ein
> späteres Begegnungs-, Ausstellungs- oder Dokumentationszentrum legen.
> 
> Man könne doch nicht einfach die Reliefs neben ein paar Kriegerdenkmäler
> stellen und das ganze dann als einen Park deklarieren, der die Freundschaft
> Hamburgs mit Tanzania repräsentiere, wurde von Kritikern eingewendet. Zumal
> die Denkmäler doch sehr kritisch zu betrachten seien: sie würden klassische
> kolonialrevanchistische Mythen bedienen und seien zudem unter den
> Nationalsozialisten geschaffen worden, um die deutsche Kolonialherrschaft zu
> beschönigen. Auch sei der Ort für einen Tanzania-Park doch eher unglücklich
> gewählt , schließlich sei die Lettow-Vorkeck-Kaserne ein Treffpunkt alter
> Freunde der deutschen Kolonialexpansion. Alljährlich fänden
> Kranzniederlegungen des "zumindest umstrittenen" Traditionsverbandes
> ehemaliger Schutz- und Überseetruppen bei den Kriegerdenkmälern statt, die nun
> zum "Tansania-Park" werden sollten. Man befürchtete, der ?Tansania-Park?
> könnte zum Treffpunkt ewiggestriger Kolonialrevanchisten werden. Auch wurde
> beklagt, dass die Entwicklung des Vorhabens gänzlich ohne Beteiligung der
> Öffentlichkeit stattfand.
> 
> Der Park solle doch der Freundschaft zwischen Tanzania und Hamburg dienen und
> keinen kolonialistischen oder militaristischen Forderungen Vorschub leisten,
> entgegneten die Befürworter des Parks. Er sei vielmehr eine Mahnung vor den
> Folgen von Kolonialismus und Militarismus. Mit Informationstafeln könne man
> doch die Aussagen der Denkmäler kommentieren. Ausserdem stelle doch der
> Expo-Pavillon einen Bezug zum gegenwärtigen Tanzania dar. Im Laufe der Zeit
> könne man zudem noch weitere Gegenstände aus Tanzania dort aufstellen, und
> möglicherweise könnten sich die Tanzania-interessierten Gruppen zukünftig ja
> auch dort treffen. Schliesslich sei Lettow-Vorbeck trotz seiner Verbrechen
> auch bei seinen ehemaligen Kriegsgegnern ein geschätzter Mann gewesen. Und
> nachdem sogar der (damalige) Präsident Tanzanias zugesagt hatte, zur Eröffnung
> des Parks zu kommen, könne er wohl doch nicht so schlimm sein, wie von den
> Kritikern behautet.
> 
> Ein Kuratorium, in dem sich Kritiker und Befürworter des Parks trafen, wurde
> eingesetzt. Doch während das Kuratorium noch über ein Konzept für den Park
> beriet, wurden auf dem Gelände Fakten geschaffen. Dort wurde mit der
> Aufstellung der Denkmäler begonnen. 25.000 Euro hatte die Baubehörde unter
> Mario Mettbach beigesteuert. Die Park-Gegner sahen ihre weitere Mitarbeit im
> Kuratorium als vergeblich an und fürchteten zum Feigenblatt zu werden. Unter
> Protest legten sie Ihre Ämter nieder und verließen das Kuratorium. Immerhin
> hatte sich das Kuratorium auf eine Umbenennung der Anlage verständigt. Der
> Arbeitstitel lautete: "Gedenkstätte auf dem ehemaligen Gelände der
> Lettow-Vorbeck-Kaserne". Dieser Beschluß wurde jedoch hinfällig, man spricht
> wieder vom "Tansania-Park."
> 
> Im September 2003 wurde der Tansania-Park eröffnet. Tanzanische
> Regierungsvertreter waren nicht anwesend. Auch der großzügige damalige
> Bausenator Mettbach konnte der Eröffnung, zu der nur geladene Gäste Zutritt
> hatten, nicht beiwohnen ? seine Schill-Partei befand sich gerade in Auflösung.
> Wirklich geöffnet ist Hamburgs "Tansania-Park" jedoch bis heute nicht. Um ihn
> besichtigen zu können, muß man vorher beim Kulturkreis Jenfeld den Schlüssel
> erbitten. Aus dem Interesse der Öffentlichkeit ist er zumindest verschwunden.
> Lediglich von Kranzniederlegungen zu Ehren der deutschen Soldaten auf den
> kolonialen Schlachtfeldern wird berichtet.
> 
> Das dies kein haltbarer Zustand ist, hat man auch bei den Hamburger Behörden
> erkannt. Dr. Reinhard Behrens, ehemals Staatsrat und nun Deputierter der
> Kulturbehörde wurde beauftragt, als Moderator die  unterschiedlichen Seiten
> zusammen zu bringen und sie moderierend dabei zu unterstützen, ein neues,
> tragfähiges Konzept für das Jenfelder Gelände zu entwickeln.
> 
> Am 26.09.2006, von 18.00 (s.t.) bis 19.30 Uhr wird Herr Behrens über die neuen
> Entwicklungen zu diesem Thema berichten und sich unseren Fragen stellen.
> 
> Nachdem ich vor einiger Zeit erstmals zu der Veranstaltung eingeladen hatte,
> erhielt ich Anfragen nach näheren Informationen zum ?Tansania-Park?. Daher
> habe ich die Einladung etwas ausführlicher formuliert, und deshalb sende ich
> Ihnen auch eine kleine und unvollständige Presseschau zum "Tansania-Park".
> Einen Artikel aus der renommierten Freiburger Zeitschrift iz3w
> (informationszentrum 3. Welt) versende ich gerne auf Anfrage ? die Datei ist
> über 2 MB groß und damit will ich nicht ungefragt alle . Postkästen
> verstopfen. 
> 
> Im Anschluss an die Diskussion um den "Tansania-Park" wird Jürgen Gotthardt
> über die Ergebnisse seiner jüngsten Reise nach Dar es Salaam berichten. Der
> Bürgermeiser von DSM hat großes Interesse an einer intensiven Kooperation
> zwischen den beiden Hafenmetropolen ausgedrückt und möchte Hamburg
> baldmöglichst einen Besuch abstatten. Um die bisherigen Kooperationen auch auf
> tanzanischer Seite besser zu koordinieren wurde mit der Tochter des Mwalimu
> eine Koordinatorin berufen. Rose Nyerere wird im November nach Hamburg reisen,
> um die Stadt und die unterschiedlichen Tanzania-Aktivitäten besser kennen zu
> lernen.
> 
> Zudem hat der Hamburger Senat die Förderung einer Tanzania-Koordinationsstelle
> in Hamburg beschlossen und mittlerweile vollzogen. Diese Stelle ist formal
> beim Eine-Welt-Netzwerk angesiedelt, ist inhaltlich aber unabhängig. Inhaber
> der sozialversicherungspflichtigen Stelle (400,- EUR / Monat) bin ich (Kurt
> Hirschler). Ich werde dies am 26.09. kurz erläutern ? eine ausführliche
> Information erfolgt, sobald die Organisation rund um die Koordinationsstelle
> abgeschlossen ist.
> 
> Ich freue mich auf einen interessanten Abend und auf Ihre Teilnahme!
> 
> Mit freundlichem Gruß
> 
> Kurt Hirschler
> Tanzania-Koordination Hamburg




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