[echo] FW: Hamburg muss sich seiner kolonialen Vergangenheit stellen
Bahari Ndogo
bahari1 at gmx.de
Fri Sep 29 11:53:58 CEST 2006
Presse-Information
28.09.2006
Hamburg muss sich seiner kolonialen Vergangenheit stellen
Schimmelmann-Büste ist nur das letzte Glied in einer Kette von
Peinlichkeiten - Eine Welt Netzwerk Hamburg fordert öffentliche
Anhörung
In den vergangenen Tagen berichteten Hamburgs Zeitungen fast täglich über
Protestaktionen und Kundgebungen gegen das Denkmal eines Sklavenhändlers. In
Sichtweite des Wandsbeker Rathauses hatte das Bezirksamt eine Skulptur
aufgestellt, die an Heinrich Carl Schimmelmann (1724-82) erinnert, einst
Gutsherr von Wandsbek, Erbauer des dortigen Schlosses - und eine ganz große
Nummer im internationalen Sklavenhandel.
Die Würdigung eines Sklavenhändlers ist kein Ausrutscher, sondern lediglich
das letzte Glied in einer Kette von Peinlichkeiten, die sich die politisch
Verantwortlichen im Umgang mit Hamburgs kolonialer Vergangenheit geleistet
haben:
- Bereits im September 2003 entstand im Bezirk Wandsbek der Tansania-
Park³. Dort werden Kolonialkriegerdenkmäler präsentiert, die ursprünglich
von den Nationalsozialisten aufgestellt worden waren.
- Im vergangenen Jahr hat der Hamburger Senat zentrale Plätze der neuen
Hafencity nach prominenten Wegbereitern der europäischen
Kolonialexpansion und des Sklavenhandels benannt: Magellan und Vasco da
Gama Geschichtsbewusstsein von vorgestern für die Stadt von morgen.
- Im Februar 2006 würdigte die CDU-Fraktion in der Bürgerschaft die bis ins
19. Jahrhundert zurückreichenden Kontakte Hamburgs nach Afrika, ohne das
Wort Kolonialismus³ auch nur zu erwähnen. Ein Antrag der GAL zur
Auseinandersetzung mit Hamburgs Kolonialgeschichte wurde in derselben
Bürgerschaftssitzung mit den Stimmen der CDU-Mehrheit abgelehnt.
Die Empörung um die Schimmelmann-Büste zeigt, dass das öffentliche Interesse
an einer Auseinandersetzung mit Hamburgs kolonialer Vergangenheit gewachsen
ist. Zu verdanken ist dies insbesondere der Arbeit lokaler Initiativen, die
seit 2003 unter dem Motto hamburg postkolonial³ die kolonialen Wurzeln der
Stadt durchleuchten: in Form von Ausstellungen, Denkmalsprojekten,
Stadtrundgängen und Diskussionsveranstaltungen.
Diese Initiativen haben inzwischen eine Fülle von Vorschlägen erarbeitet,
wie in Hamburg zukünftig an die kolonialen Wurzeln der Stadt erinnert werden
könnte:
Umbenennungen von Straßennamen, eine kritische Ausstellung in der Lettow-
Vorbeck-Kaserne oder ein park postkolonial³ in Harburg.
Vor allem aber gehört ein post-kolonialer Erinnerungsort ins Zentrum der
Stadt³, sagt Heiko Möhle vom Eine Welt Netzwerk Hamburg. Hamburg hat über
Jahrhunderte von der europäischen Kolonialexpansion profitiert, und das
prägt die Stadt bis in die Gegenwart. Hamburg rühmt sich heute seiner
Weltoffenheit, aber noch immer gibt es Behördenmitarbeiter, die hier
lebenden AfrikanerInnen gegenüber die Pose von Kolonialherren einnehmen.³
Das Eine Welt Netzwerk Hamburg fordert deshalb eine öffentliche Anhörung in
der Hamburger Bürgerschaft, die den zukünftigen Umgang mit Hamburgs
kolonialem Erbe zum Gegenstand haben soll. Es geht dabei nicht nur um die
Aufstellung von Denkmälern, es geht um die Grundlagen des Zusammenlebens in
unserer Stadt³, so Möhle.
Nächster Stadtrundgang von hamburg postkolonial:
Branntwein, Bibeln und Bananen³.
Zwischen City und Hafenrand zeugen die Börse, alte Speicher und
Kontorhäuser, Hafenanlagen und Kirchen von Schnapsexporten und
Missionseifer, von hanseatischer Kanonenbootpolitik und von afrikanischem
Widerstand.
Mit Heiko Möhle, Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V.
Samstag, 7. Oktober, 14:30 Uhr ab Hamburger Rathaus, Haupteingang.
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