[echo] c&v_"Performative Urheberrechtsverletzung: Anonymous,
Warhol Flowers", Cornelia Sollfrank
doro carl
doro at abbildungszentrum.de
Mon Apr 2 10:07:00 CEST 2007
Das Künstlerhaus Hamburg, F for Frise und das Abbildungszentrum
Arnoldstrasse 26, 22765 Hamburg-Ottensen
laden ein/You are cordially invited :
Mi, 4. April, 20.30 Uhr
Vol.#2 : zwischen copyright und copyleft
"Performative Urheberrechtsverletzung: Anonymous, Warhol Flowers",
Cornelia Sollfrank
Mit ihren Arbeiten hat sich Cornelia Sollfrank in den letzten Jahren
angesiedelt im Bereich der unüberwindbaren Grenze zwischen
künstlerischer und juristischer Logik. Hier ist eine herrlich absurde
Welt entstanden, in der Richter definieren, was Kunst ist, Anwälte zu
Kunstwerken werden, und eine Künstlerin sogar Kontakt mit einem Toten
aufnehmen muss, um endlich Rechtsklarheit zu schaffen. Dabei geht es
nur um ein paar Blumen – genauer gesagt um das Bild von ein paar
Blumen. Wer dieses Bild gemacht hat, lässt sich nicht klären. Es kommt
einem aber irgend wie bekannt vor…
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Copieren & Verfälschen
Vol.#2 : zwischen copyright und copyleft
Aus der zeitgenössischen Kunst ist die Verwendung vorhandenen Kultur-
und Gedankenguts so wenig fortzudenken wie die damit einhergehende
Infragestellung von Autorenschaft, Originalitaet und Urheberrecht.
Die Idee von „Geistigem Eigentum“, das Beharren auf der
Abgeschlossenheit von Werken, auf eindeutige Autorenschaft und deren
rechtlicher Schutz widersprechen künstlerischen Erwägungen, Strategien
und Herangehensweisen, wie sie u.a. als „Appropriation Art“, „Sampling“
und Arbeiten mit „found footage“ bekannt sind.
Sie spiegeln sich in den heutigen Urheberrechts-Gesetzgebungen, die
Künstlern eine ungenehmigte "freie Bearbeitung" von fertigen Werken
Anderer grundsätzlich gestatten ("fair use"). Neue Lizenzmodelle wie
"Creative Commons" sollen in diesem Geist eine freiere Verfügbarkeit
von Werken ermöglichen.
Die durch fortschreitende Digitalisierung bedingte Reproduzierbarkeit,
Simulierbarkeit und Manipulierbarkeit nahezu sämtlicher
Betätigungsfelder wissenschaftlichen, künstlerischen und
gesellschaftlichen Wirkens verstärkt auch das Bemühen um Definition und
Eingemeindung des daraus erwachsenden kulturellen und ökonomischen
Neulands.
Vermehrte Wahrnehmung und Kommerzialisierung geistiger Eigentumsrechte
führt zu Einschränkungen bis zu gerichtlichen Auseinandersetzungen, in
denen sich bildende KünstlerInnen für ihre Arbeiten verantworten
müssen.
Wie verhält sich der Schutz von Eigentumsrechten zur grundrechtlich
festgeschriebenen "Freiheit der Kunst"? Welche Claims werden hier von
wem abgesteckt? Mit welchen konkreten rechtlichen Problemen sind
Künstler derzeit konfrontiert, und wie koennen sie damit umgehen? Sind
Kuenstler auf den Schutz ihrer Einkuenfte durch das Urheberrecht
angewiesen? Welche oekonomischen Alternativen gibt es dazu? Welche
theoretischen Diskussionen bilden dabei das Spielfeld?
Diese und viele andere Fragen erörtert Vol#2 in Vorträgen, Aktionen,
Performances, Dokumentationen und einer prozesshaft wachsenden
Ausstellung, zu der alle Teilnehmenden beitragen.
Mit Sebastian Burdach, Cornelia Sollfrank, Dr. Anke Schierholz (VG
Bild-Kunst), Reproducts, Florian Cramer, Claudia Reiche/ Andrea Sick
(thealit Frauen.Kultur.Labor Bremen).
weiteres Programm:
Mittwoch, 11.4.2007
„Appropriation Art und weitere juristische Unmoeglichkeiten”, Dr. Anke
Schierholz (VG Bild-Kunst)
Dr. Anke Schierholz stellt die Arbeit der VG Bild-Kunst vor, die im
Spannungsfeld von Schutz von Werk und Kuenstler und groesstmoeglicher
kuenstlerischer Freiheit angesiedelt ist.
Mittwoch 18.4.2007
Präzedenzfälle aus dem Schaffensprozess - REPRODUCTS
Filmvorführungen und Vortrag,
Die Künstlergruppe REPRODUCTS wurde im Jahr 1990 zum Zweck der
Sammlung, Weiterverarbeitung und Umwertung von vorgefundenen
Medienmaterialien gegründet. Ziel der Arbeit ist das Aufspüren,
Freilegen und Reinigen von Schnittstellen zwischen Privatheit und
Öffentlichkeit. Berührungen mit dem Urheberrecht sind dabei
unvermeidlich.
Samstag, 28.4.2007, Beginn 18:00Uhr
"All rights reversed?" – Freie Lizenzen in der Kunst, Florian Cramer
Die freie Verfügbarkeit von Werken durch Lizenzen zu regeln, ist das
scheinbare Paradox von Freier Software und Open Source wie Linux und
Mozilla. Das "Copyleft" der GNU General Public License (GPL) dreht das
Urheberrecht so um, daß es freie Nutzungen nicht mehr unter Vorbehalt
stellt, sondern sichert. Im Internet-Zeitalter ist dieses Prinzip nicht
nur für Programmierer, sondern auch für Autoren und Künstler
interessant geworden. Während Medienkonzerne und Rechteindustrie
aufrüsten und in Angst um ihre Geschäftsgrundlagen dazu übergegangen
sind, ihre eigenen Kunden technisch zu gängeln, abzumahnen und zu
verklagen, suchen KünstlerInnen und AutorInnen nach Alternativen zur
traditionellen Copyright-Kultur und veröffentlichen Texte, Bilder, Töne
unter freien Lizenzen. Wikipedia und "Creative Commons" sind die
prominentesten Beispiele dieser sogenannten "Open Content"-Bewegung.
In der Praxis allerdings gibt es Mißverständnisse, Probleme – die
verwirrende Vielzahl zueinander inkompatibler Lizenzen zum Beispiel -
und ungeklärte Fragen: Was wird mit freier Lizenzierung beabsichtigt,
was hingegen wirklich gewonnen? Welche Lizenzen soll man nehmen, und
ist sie im Ernstfall vor Gericht durchsetzbar? Wie ist ihr Verhältnis
zu den Verwertungsgesellschaften? Fördern sie unfreiwillig die
Ausbeutung von Künstlern? Was haben Künstler bei der Formulierung der
Lizenzen zu sagen? Und welche Copyright-Kritiken und -Alternativen
haben sie seit den Avantgarden des 20. Jahrhunderts selbst formuliert?
im Anschluss: "public library" Videodokumentation der gleichnamigen
Ausstellung, die 2004 im Rahmen der Konferenz WOS3 (Wizards of
Operating Systems) in Berlin stattfand und von Inke Arns und Florian
Cramer kuratiert wurde. In der Ausstellung vertreten waren Arbeiten,
die sich mit Informationsfreiheit und Wissensallmende
auseinandersetzen. http://www.wizards-of-os.org/index.php?id=58
Dokumentation: SCUM – Society for Cutting Up Media, 2005
Mittwoch, 2.5.2007
"Von Wortmarken und Konzepten: Ein Angriff auf die Arbeit des
Frauen.Kultur.Labors und wie dieser pariert wurde", Claudia Reiche /
Andrea Sick (thealit Frauen.Kultur.Labor Bremen)
Die gegenwärtige Ausstellung des Frauen.Kultur.Labors thealit in der
Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen trägt den Titel „[open] spaces.
States of political and media space exhibited.” Dieser Titel war nicht
immer vorgesehen, sondern kam durch die Abmahnung des Inhabers einer
Wortmarke mit dem Markentext „Empty Spaces“ zustande. Dieser hatte
seine Marke für insgesamt 52 Verwendungszwecke schützen lassen, auch
für die „Organisation und Durchführung von kulturellen und/oder
sportlichen Veranstaltungen“. Wie der Streit zwischen dem
Frauen.Kultur.Labor und dem preisgekrönten, geförderten Jungunternehmer
ablief, wird in Hinblick auf das Markenrecht berichtet – und was dies
alles mit dem Ausstellungskonzept von zu tun hat. Der Markeninhaber ist
auch eingeladen. http://thealit.de/lab/donotexist/exhibit.htm
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FRISE, Künstlerhaus und Abbildungszentrum, Arnoldstrasse 26, 22765
Hamburg
Falls nicht nicht anders angegeben, geöffnet immer ab 19:00, Beginn
20:30
Aktuelles Programm und fortlaufende Dokumentation älterer
Veranstaltungen unter www.frise.de/fake
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