[echo] Ausstellung in L ü neburg: "Alles wird gut / Everything will be fine"

Bahari Ndogo bahari1 at gmx.de
Tue Apr 10 11:03:07 CEST 2007


Landeszeitung Lüneburg 2007
30.3.07

Der Mensch und die Folgen

"Alles wird gut / Everything will be fine":
Ausstellungen in der Halle für Kunst bis 15.4.07

ff Lüneburg. 
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ls Reichskommissar von Deutsch-Ostafrika machte Hermann von Wissmann
(1853-1905) Karriere. Posthum aber wurde der Kolonialheld - im wahrsten
Sinne des Wortes - vom Sockel gestürzt: Hamburger Studenten kippten 1968
sein Denkmal, es lag seither in einem städtischen Depot. Die Künstlerin
Jokinen ließ den steinernen Offizier im Hamburger Hafen wieder auferstehen,
das Projekt "afrika-hamburg.de" wird nun dokumentiert in der Lüneburger
Halle für Kunst. 

"Alles wird gut / Everything will be fine" ist der Titel der Ausstellung,
die ein Symposium der Uni Lüneburg begleitet.
Sechs Tage lang, bis Sonntag noch, dreht sich die Konferenz des "ESA
Forschungs-Netzwerks für die Soziologie der Künste 2007" um Fragen nach
Kreativität, Veränderung und Nachhaltigkeit, konkret etwa um das Thema
"Kunst und Klimawandel -- Wechselwirkungen von Kunst / Kultur und Politik
Natur". Dazu gibt es ein Kunst-Programm an verschiedenen Orten.

Als mutiger Eroberer gefeiert, als brutaler Ausbeuter geschmäht -- am
Beispiel des Offiziers von Wissmann lädt Jokinen zur Debatte über den Umgang
mit Geschichte, Verantwortung, auch über die Folgen globaler
Wandlungsprozesse für das Bewusstsein des Einzelnen und ganzer
Gesellschaften. Das Denkmal-Projekt stellt Jokinen per Internet und
Video-Dokumentation zur Diskussion. Die Online-Kommentare hat sie
ausgedruckt und zu einer Installation verarbeitet.

"Alles wird gut" ist auch eine Ausstellung rund um Globalisierung, sie läuft
dementsprechend vor allem über elektronische Medien. Die mit Teilnehmern aus
16 Ländern besetzte Gruppe "Personal Cinema" beispielsweise entwickelte das
Computerspiel "The making of Balkan war", in dem stereotype Charaktere zum
Leben (und zum Ballern) erweckt werden. Im Gegensatz zu dieser Stilisierung
von Aggressivität und Zerstörung zeigt ein Video, wie Natur zurückgewonnen
wurde: Aviva Rahmani arbeitete 1989 bis 2000 mit Biologen und Biotechnikern
an der Renaturierung einer verseuchten Küstenzone in der Nähe des Golfs von
Maine, "The Making of the Salt Marsh" heißt nun die Dokumentation.

Ein Indianergedicht hat David Haley mit Kohle an die Galeriewand
geschrieben, dazu lädt der Künstler morgen, Sonnabend, um 19 Uhr zu einer
Performance. Politik, Ökologie, Gesellschaft -- die Bereiche greifen
ineinander, die Schwerpunkte setzt der Betrachter oft selbst, das gilt vor
allem für die Tonband-Schleife von Roman Ondák: "Als Zeichen ihrer
Solidarität mit den jüngsten Ereignissen in der Welt bitten wir sie, die
Tätigkeit, die sie gerade ausüben, für die nächste Minute nicht zu
unterbrechen." Das hört sich zynisch an, beschäftigt sich auf ironische Art
mit dem Thema Nachhaltigkeit.

Bis 15. April läuft die Ausstellung. Eine zweite ist parallel im Kunstraum
der Uni (Halle 25) zu sehen, die den Blick eher auf den Mikrokosmos, das
Individuum, den westlich geprägten Menschen richtet. Dort ist am Sonntag, 1.
April, 12.15 Uhr Aziz Baako mit einer Performance zu erleben. Drittens: Die
Bibliothek zeigt ab April Poster zu dem Themenspektrum. 




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