[echo] KUNSTFREIHEIT,Teilerfolg für Contergan-Film
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Tue Apr 10 12:13:25 CEST 2007
KUNSTFREIHEIT
Teilerfolg für Contergan-Film
Im Streit um den WDR-Film "Nur eine einzige Tablette" hat das Hamburger
Oberlandesgericht vier frühere Urteile aufgehoben. Damit rückt die
Ausstrahlung des Dramas über den Contergan-Skandal wieder näher - vorerst.
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Hamburg - Es ist nur ein Teilerfolg für die Kunstfreiheit, aber ein
wichtiger: Vier frühere Urteile gegen die Ausstrahlung des
WDR-Zweiteilers "Nur eine einzige Tablette" wurden heute vom Hamburger
Oberlandesgericht unter Richterin Marion Raben aufgehoben. Unter anderem
hatte der Contergan-Hersteller Grünenthal gegen den Film geklagt.
Dagegen war der WDR jetzt erfolgreich in die Berufung gegangen.
Richterin Raben machte allerdings deutlich, dass sich auch die
Gegenseite teilweise durchgesetzt habe, da dem Gericht bereits eine nach
den Forderungen den Gegenseite modifizierte Fassung des Films zum
Beurteilen zur Verfügung gestanden habe. Mit dem Urteil ist keine
Entscheidung über die Ausstrahlung des Films "Nur eine einzige Tablette"
gefallen, da noch zwei weitere einstweilige Verfügungen gegen ihn vorliegen.
Szene aus "Nur eine einzige Tablette": Streit um die Freiheit der Kunst
Großbildansicht
WDR / Willi Weber
Szene aus "Nur eine einzige Tablette": Streit um die Freiheit der Kunst
Grünenthal und der Opfer-Anwalt Sven Schulte-Hillen, der seinen Vater
vertrat, hatten zahlreiche Stellen des Drehbuchs von Autor Benedikt
Röskau und Regisseur Adolf Winkelmann kritisiert und auf eine angebliche
Verdrehung historischer Tatsachen verwiesen. Sie erwirkten im
vergangenen Jahr einstweilige Verfügungen gegen diverse Szenen. Im
Sommer 2006 hatte das Hamburger Landgericht die Verfügungen im
Wesentlichen bestätigt und damit die Ausstrahlung von Passagen des Films
untersagt. Der WDR sowie die Produktionsfirma zogen daraufhin vor das OLG.
"Der Senat hat bei seiner Abwägung insbesondere berücksichtigt, dass es
sich bei dem Spielfilm um ein Kunstwerk handelt, welches nicht den
Anspruch erhebt, in allen Details die damaligen Ergebnisse
dokumentarische abzubilden", sagte die Richterin heute. Hätte sich der
Vorsitzende Richter des Hamburger Landgerichts, Andreas Buaske, mit
seinen nun weitgehend kassierten Entscheidungen durchgesetzt, hätte es
in Zukunft düster ausgesehen für fiktionale TV-Produktionen, die
historische Ereignisse mit Personen der Zeitgeschichte als Basis
benützen. Buske hatte entschieden, dass Abweichungen von der
historischen Wahrheit von Betroffenen "nur noch in
Ausnahmekonstellationen" hinzunehmen seien.
Das Medikament Contergan steht für den größten Arzneimittelskandal der
deutschen Nachkriegsgeschichte: Das 1957 in den Handel gekommene
Schlafmittel hatte in mehreren tausend Fällen starke Missbildungen bei
Neugeborenen ausgelöst.
bor/AP/dpa
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