[echo] Mehr Live-Musikclubs auf der Reeperbahn!

cornelia sollfrank cornelia at snafu.de
Mon Aug 6 10:50:06 CEST 2007


taz, 06.08.2007

Zurück nach vorn

Die Bezirksversammlung Mitte arbeitet daran, die Live-Musikclubs auf  
der Reeperbahn wieder nach vorn zu bringen. Und schuf dafür eigens  
eine Koordinierungsstelle, die seit Anfang August besetzt ist

VON KLAUS IRLER


Selten, dass Pop-Musik so ernst genommen wird. Dass wegen ihr  
Politiker, Clubbesitzer, Verbände und die Handelskammer  
zusammenkommen, und zwar nicht nur einmal, sondern kontinuierlich.  
Und das mit dem Ziel, dass es der live gespielten Pop-Musik am Ende  
besser gehen soll.

Das alles passiert auf St. Pauli, und womöglich ist der Nenner, auf  
dem sich alle Treffen, die Tradition. Schließlich gab es die Beatles,  
die von St. Pauli aus ihre Karriere starteten und nächstes Jahr an  
der Ecke Reeperbahn/Große Freiheit einen eigenen Platz bekommen  
sollen (taz berichtete). Seitdem steht das musikalische Kreativ- 
Potenzial des Stadtteils hoch im Kurs. Gleichzeitig aber gibt es  
seitens der Bezirksversammlung Mitte den Befund, dass es die  
Livemusik-Kultur auf dem Kiez immer schwerer hat: Die Reeperbahn  
drohe durch immer mehr Supermärkte zu veröden. Außerdem seien die  
steigenden Mieten ein Problem, sowie die zunehmenden Konflikte mit  
Anwohnern und Immobilieneigentümern in Sachen Lautstärke. Ferner  
klagen die Clubs über mangelnde Gelegenheiten zur Plakatwerbung und  
fordern mehr Flächenanteil bei der Hamburger Außenwerbung.

Die Rahmenbedingungen für Live-Clubs müssten verbessert werden,  
fanden die Fraktionen von SPD und GAL der Bezirksversammlung, gaben  
ein Gutachten in Auftrag, luden zu einem Workshop und einem runden  
Tisch. Und machten Geld locker für die Zwischenfinanzierung einer  
neuen Stelle, die ganz im Dienst der Förderung des Musikstandorts St.  
Pauli steht. "Die Clubs sind für die Identität von St. Pauli enorm  
wichtig. Sie sind der Nährboden für die Musikszene in Hamburg", sagt  
der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Mitte,  
Andy Grote.

Am 1. August also hat Sandra Reershemius, vorher tätig bei der  
Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, den Job angetreten. Ihre  
Aufgabe wird sein, zwischen den verschiedenen Interessengruppen auf  
St. Pauli zu vermitteln und die weiteren Anstrengungen zu  
koordinieren: Im Herbst soll es einen zweiten runden Tisch geben,  
außerdem soll ein Vorschlag gemacht werden, wie welche Ziele mit dem  
Bauplanungsrecht auf St. Pauli umgesetzt werden können. Hier stehen  
Kategorien wie allgemeines Wohngebiet, Kerngebiet oder Gewerbegebiet  
im Hinblick auf Live-Musikkultur gegeneinander.

Stützen wird sich die Arbeit von Reershemius unter anderem auf ein 70- 
seitiges Gutachten zum Musikstandort St. Pauli, das seit Oktober 2006  
im Umlauf ist. Darin wird unter anderem ein "Mangel an  
akteursgruppenübergreifender Kommunikation" festgestellt. Empfohlen  
wird hinsichtlich der vielen beteiligten Behörden, dass die  
verschiedenen Genehmigungsvoraussetzungen "in einem Verfahren von  
einer Verwaltungsstelle im Bezirk Mitte erteilt werden". Für den  
Lärmschutz finden die Gutachter Birnkraut und Partner außerdem eine  
Beschwerdestelle außerhalb der Behörde "überlegenswert".

Aber das ist erst einmal Zukunftsmusik. Die wiederum begleitet wird  
unter anderem von der Handelskammer: Die nämlich findet, dass St.  
Pauli "längst noch nicht so vermarktet wird, wie man sich das  
wünschen würde", sagt Günter Dorigoni, Leiter der Tourismus- 
Abteilung. Im Herbst soll es ein erstes Konzept für das Marketing von  
St. Pauli geben.

Grundlage dafür ist eine Studie, bei der die Handelskammer 2.569  
Reeperbahn-Besucher gefragt hatte, welche weiteren Angebote sie sich  
auf St. Pauli wünschen würden. 33,9 Prozent der Befragten nannten  
"Clubs mit Live-Musik" - Platz eins der Wunschliste vor Kabarett  
(21,2 Prozent) und gehobener Gastronomie (19,8 Prozent).


More information about the echo mailing list