[echo] Hingucken - Weggucken
britta peters
bp at 01importexport.net
Wed Aug 15 19:42:42 CEST 2007
10°Kunst: Wilhelmsburger Freitag Einladung zur Auftaktveranstaltung von
15 x 75 m. Hingucken-Weggucken³ von Oda Projesi (Istanbul) und Nadin
Reschke Kindlimann (Dresden/Berlin) am 17. August, 17 Uhr auf dem
Berta-Kröger-Platz/S-Bahn Wilhelmsburg
15 x 75 m. Hingucken Weggucken
ein Projekt von Oda Projesi und Nadin Reschke Kindlimann
Baubeginn am Berta-Kröger-Platz? Was passiert mit der 15 x 75 m großen Mauer
an der Rückseite des Marktkauf-Parkhauses? Was für einen Sinn hat diese
graue Betonwand eigentlich, was für einen Sinn haben Mauern überhaupt? Wenn
die Künstlergruppe Oda Projesi aus Istanbul gemeinsam mit Nadin Reschke
Kindlimann an vier verschiedenen Orten in Wilhelmsburg ihr Lager aufschlägt,
um mit den Anwohnern zum Thema Mauern ins Gespräch zu kommen, ist dies eine
Bürgerbeteiligung der anderen Art. Im Wilhelmsburg der pre-IBA-Ära, also vor
dem Beginn der realen Bauarbeiten an den Projekten der Internationalen
Bauausstellung, spielen die Künstlerinnen damit, als fiktives Unternehmen
ebenfalls ein Bauvorhaben zu planen.
Info-/Auftaktveranstaltung am 17. 08. ab 17 Uhr an der S-Bahn Wilhelmsburg!
Tourplan:
18. - 20. August
Kirchdorf Süd
Sa.: 10 - 16 h
So.: 14 - 17 h
Mo.: 12 - 17 h
22. - 24. August
Stübenplatz
Mi.: 10 - 15 h
Do.: 12 - 16 h
Fr.: 15 - 18 h
26. 28. August
Bei der Windmühle
So.: 13 - 17 h
Mo.: 15 - 19 h
Di.: 15 - 19 h
30. Aug. -1. Sept.
Wilhelmsburg S-Bahn/ Bertha Kröger Platz
Do.: 11 - 16 h
Fr.: 12 - 18 h
Sa.: 12 - 16 h
http://15x75m-hinguckenweggucken.blogspot.com/
www.wilhelmsburgerfreitag.de
10°Kunst³ ist ein 2004 durch den Senat verabschiedetes Label für Kunst- und
Kulturaktivitäten entlang des 10. Längengrads: Kunstmeile, Hafencity,
Wilhelmsburg, Harburg. Im vergangenen Jahr war unter dem Titel 10°Kunst:
Wege in die Hafencity³ die Hafencity Thema und Schauplatz einer offenen
Projektausschreibung. Zum Auftakt der Internationalen Bauausstellung (IBA)
wurde die Fortsetzung des Projekts nach Wilhelmsburg verlegt. Die
Veranstaltung findet im Auftrag der Kulturbehörde statt und wird vom IBA
Kunst- & Kultursommer 2007 gefördert.
Die Ausstellung Wilhelmsburger Freitag³, kuratiert von Britta Peters,
versucht in dem vorgegebenen Rahmen ein eigenständiges Kunstprojekt zu
realisieren, das vor allem durch die Zusammenstellung und die Qualität der
künstlerischen Arbeiten überzeugt. Im Mittelpunkt des Konzepts steht also
zunächst die Kunst. Danach folgen das Verhältnis der Projekte zueinander und
die Öffentlichkeit der Anwohner als größte angesprochene Gruppe.
Der Wilhelmsburger Alltag ist Ausgangs- und Bezugspunkt für die Wahl der
Projekte. Wilhelmsburger Freitag³ ist das Zitat eines Filmtitels von Egon
Monk aus dem Jahr 1962, der einem Tag im Leben eines jungen, in Wilhelmsburg
wohnenden Arbeiterehepaars gewidmet ist.
In Wilhelmsburg haben erst sehr wenige Kunstprojekte im öffentlichen Raum
stattgefunden. Der Stadtteil verfügt über keinerlei Kunstinstitutionen und
es gibt insgesamt wenig Erfahrung im Umgang mit zeitgenössischer bildender
Kunst. Als Reaktion auf diese offene Ausgangssituation wurde bei der
Zusammenstellung der Projekte eine große Bandbreite an unterschiedlichen
Positionen angestrebt, d.h. innerhalb der Ausstellung sollen sehr
verschiedene künstlerische Ansätze und Öffentlichkeitsbegriffe vorgestellt
und jeweils mehrere Zugangsebenen angeboten werden. Von diesen ausgehend und
über die Qualität der einzelnen Projekte hinaus kann so auch ein Stück weit
die Einführung in grundsätzliche Überlegungen und Fragestellungen zu Kunst
und zum Verhältnis von Kunst und Gesellschaft gelingen. An drei Nachmittagen
die Woche gibt es im Info-Cafe (in der Kirche des guten Willens³ von
Thorsten Passfeld) Raum für Gespräche über Kunst und Fragen zu dem konkreten
Projekt. Es wird eine kleine Handbibliothek eingerichtet und auf Wunsch
werden für größere Gruppen und Schulklassen Führungen angeboten.
Die Situation auf den Elbinseln war lange Zeit gekennzeichnet durch eine
Mischung aus umstrittenen politischen Entscheidungen und die Distanz sowohl
zum Hamburger als auch zum Harburger Regierungszentrum. Stärker noch als in
anderen Stadtteilen produziert die Wilhelmsburger Insellage dabei eine klar
umrissene Landschaft. Sie fördert Zusammenhalt, Solidarität und einen
gewissen Lokalpatriotismus, der sich positiv wie negativ definiert. Positiv
werden die landschaftliche Schönheit, zum Teil auch der alltägliche
Wildwuchs, die engen Nachbarschaftsverhältnisse und die dünne Besiedlung der
Inseln wahrgenommen. Zu den kollektiven negativen Empfindungen gehört u. a.
das Gefühl bei allen Veränderungen am Ende als Verlierer dazustehen. Im
Hinblick auf den bevorstehenden Stadtentwicklungsprozess können die
Kunstprojekte dazu beitragen nach Innen und Außen das Bewusstsein für die
Eigenheiten und Qualitäten dieser Umgebung zu schärfen, für die
internationale Nachbarschaft und die sozialen wie städtebaulichen
Bedingungen, unter denen diese gelebt wird.
Die sechs größtenteils für die Situation vor Ort entstandenen Projekte sind
durch eine starke öffentliche Präsenz gekennzeichnet und widmen sich in sehr
unterschiedlicher Form einem um Alltagswirklichkeit und urbane Identität
kreisenden Fragenkomplex: Welche Rolle spielen Kultur, Religion und
Migration bei der Verortung in einem lokalen Umfeld? Alle Projekte beziehen
große Teile der Anwohnerschaft mit ein. Sie wecken Neugierde und Sympathie
wie etwa Thorsten Passfelds unter geradezu martialischem Körpereinsatz in
zwei Monaten vor Ort entstehende Kirche des guten Willens³ aus Altholz, die
im September 23 Tage lang entlang der Fragestellung Wie kann man ein
besserer Mensch sein?³ bespielt wird. Sie suchen die direkte Kommunikation
mit Anwohnern und Besuchern, wie Christoph Schäfers und Margit Czenkis
Projekt Ganz wie zu Hause³ oder das Gemeinschaftsprojekt von Oda Projesi
aus Istanbul und Nadin Reschke Kindlimann aus Dresden 15x75m.
Hingucken-Weggucken³ zum Thema Mauern¹. Sie sprechen gezielt eine durch
einen konzeptuellen Filter¹ hergestellte Gemeinschaft an wie die Londoner
Künstlerin Lenka Clayton mit Local Paper (Wilhelmsburger Wochenblatt)³ oder
locken mit einem mehr oder weniger spektakulären Erfahrungsangebot wie Asli
Cavusoglus Twin Peaks³ auf der Mülldeponie Georgswerder oder Mandla Reuters
Installation Pictures³ im 13. Stock eines Hochhauses in Kirchdorf-Süd.
Projektübersicht
1. bis 23. September 2007
Gemeinsame Öffnungszeiten sind die Wochenenden 1./2., 8./9., 15./16. und
22./23. September sowie jeweils am Mittwoch von 16 bis 20 Uhr (mit Ausnahme
der Installation Pictures³ von Mandla Reuter, die mittwochs erst ab 19:30
Uhr und Asli Cavusoglus Twin Peaks³, die nur an den Wochenenden besucht
werden kann).
Christoph Schäfer/Margit Czenki (Hamburg): Ganz wie zu Hause
Taxifahrten im halbstündigen Rhythmus ab S-Bahn Veddel
www.ganzwiezuhause.de
Thorsten Passfeld (Hamburg): Kirche des guten Willens Wie kann man ein
besserer Mensch sein?
Vogelhüttendeich 77, Reiherstiegviertel
Öffnungszeiten: Mi., Sa., So. ab 16 Uhr (Info-Cafe), Di., Do., Fr. ab 19
Uhr, Mo. geschlossen
Gastspiele: Gintersdorfer/Klaßen, Lomu, Nils Koppruch, Timo Valtonen, Boy
Division u. v. a.
Lenka Clayton (London): Local Newspaper (Wilhelmsburger Wochenblatt)
in Kooperation mit der Galerie für Landschaftskunst
Fährstr. 30, Reiherstiegviertel, Öffnungszeiten: Mi., Sa., So. 16 20 Uhr
Oda Projesi (Istanbul) mit Nadin Reschke Kindlimann (Dresden/Berlin):
15 x 75 m. Hingucken - Weggucken
verschiedene Stationen in Wilhelmsburg und Kirchdorf
http://15x75m-hinguckenweggucken.blogspot.com/
Mandla Reuter (Berlin): Pictures
Erlerring 10, Kirchdorf-Süd, Öffnungszeiten und Film (Die Simpsons): Mi.,
Sa., So. 19:30 Uhr bis 22:30 Uhr
Asli Cavusoglu (Istanbul): Twin Peaks
ehemalige Mülldeponie Georgswerder, Begehungen möglich jeweils Sa., So. 16
20 Uhr
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