[echo] GEBÜHREN-KNATSCH
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Fri Aug 17 11:40:19 CEST 2007
Uni Hamburg wirft 1110 Studenten hinaus
Von Katrin Schmiedekampf und Jochen Leffers / Spiegel-Online
Nach dem Exodus an der Kunsthochschule schrumpft nun auch die
Universität Hamburg. Sie setzt über 1000 Studenten vor die Tür, die zum
Sommersemester die Campusmaut nicht bezahlt haben. Der Asta ist empört
über den harten Kurs.
"Sie muss raus, sie muss raus, sie muss raus, sie muss gehn" - singen
die Fantastischen Vier in ihrem Lied "Raus". "Sie müssen raus, sie
müssen gehn", heißt es im Moment auch an der Uni Hamburg. Dort werden
1110 Studenten exmatrikuliert, weil sie die Studiengebühren in Höhe von
500 Euro für das Sommersemester nicht gezahlt haben.
Hamburger Warnstreik gegen Gebühren (2006): Harter Kurs der Uni und des
Senats
Hamburger Warnstreik gegen Gebühren (2006): Harter Kurs der Uni und des
Senats
Ende Juli verschickte die Uni knapp 2000 Exmatrikulations-Bescheide,
mithin an fünf Prozent der Studenten. Dazu sagte die Uni-Präsidentin
Monika Auweter-Kurtz: "Die Universität Hamburg räumt den Studierenden
die Möglichkeit ein, die Exmatrikulation zu vermeiden. Bis spätestens 14
Tage nach Erhalt des Bescheides können sie die Gebühren noch begleichen."
Diese Frist ist am 14. August verstrichen, bis dahin überwiesen 534
Studenten das Geld. Laut Präsidium werde derzeit bei weiteren 245
Studenten geprüft, ob ihre Gründe für eine Befreiung, Stundung oder
einen Erlass der Studiengebühren akzeptiert werden, berichtet die
Zeitung "Die Welt".
Ein bisschen Schwund ist immer, findet die Präsidentin
"Ich freue mich, dass so viele Studierende die Chance genutzt haben,
ihre Studiengebühren doch noch rechtzeitig zu überweisen", sagte
Auweter-Kurtz. Meist hätten jene nicht bezahlt, die sich im ersten oder
zweiten Semester befänden oder sehr lange studieren. Auweter-Kurtz,
vehemente Befürworterin der Campusmaut und sonst vor allem durch ihr
eigentümliches Verständnis der internen wie externen Kommunikation
aufgefallen (mehr...), bezeichnete den Studentenschwund als "normale
Abbrecherquote".
Der Asta ist erbost. "Wir verstehen nicht, warum jetzt schon
exmatrikuliert wird, obwohl noch nicht alle offenen Rechtsfragen geklärt
worden sind", sagte der Vorsitzende Torsten Hönisch SPIEGEL ONLINE. So
seien noch nicht alle Befreiuungsanträge abgearbeitet worden. "Warum
werden nicht erst die Musterklagen abgewartet, die noch geführt
werden?", fragte der 26-Jährige. Das Hamburgische Hochschulgesetz sehe
eine Reihe von Befreiungsmöglichkeiten vor: bei Studenten mit besonders
guten Leistungen, mit Kindern, mit chronischen Krankheiten oder
Behinderungen - und auch in Härtefällen.
"Die Behörde behandelt diese Klausel absolut restriktiv. Sie lässt sie
nur in absoluten Ausnahmefällen greifen. Wir sehen das anders", sagte
Hönisch. So müsse es auch bei sozialen und organisatorischen Härtefällen
zu einer Befreiung kommen - wenn etwa jemand Opfer einer Straftat werde,
schwer krank sei, einen Angehörigen pflege oder die Uni nicht genügend
Kurse anbiete, um ein zügiges Studium möglich zu machen.
38.000 Studenten verzeichnete die Universität Hamburg bisher. Für das
kommende Wintersemester ist keine Rückmeldung mehr möglich - wer jetzt
exmatrikuliert wurde, kann sich erst zum Sommersemester 2008 wieder
einzuschreiben. Auch das hält Hönisch für falsch. "Wenn die Leute ihre
Studiengebühren doch noch bezahlen, fällt doch der Grund weg, aus dem
sie exmatrikuliert worden sind. Warum dürfen sie sich dann nicht wieder
immatrikulieren, sondern müssen noch so lange warten?", fragt er. Auch
darüber werde man mit der Uni vor dem Verwaltungsgericht streiten müssen.
Die Exmatrikulation von 1110 Studenten an der Uni Hamburg hält Hönisch
"nur für den Anfang". Insgesamt hätten über 12.000 Studenten einen
Antrag auf Befreiung gestellt, "die Fälle werden jetzt erst abgearbeitet."
Weiter Turbulenzen an der Kunsthochschule
Einer im Juni veröffentlichten Langzeitstudie der Uni Hohenheim zufolge
herrscht in Hamburg im Vergleich zu anderen Bundesländern die größte
Unzufriedenheit über die Gebühren. (mehr...) Die Wissenschaftsbehörde
steuert einen strikten Inkasso-Kurs, Senator Jörg Dräger hatte früh
durchblicken lassen, dass er die 500 Euro pro Semester nur für einen
angemessenen Einstieg hält und später deutlich höhere Gebühren erheben
möchte. Der Boykottversuch von Studentenvertretern war gescheitert, weil
an der Universität Hamburg nicht genügend Studenten mitmachten. (mehr...)
Anders war der Boykott an der Hochschule für bildende Künste
ausgegangen: Rund die Hälfte der Studenten verweigerten die Zahlung -
prompt erhielten sie per Post die Ankündigung ihrer
Zwangs-Exmatrikulation (mehr...), haben aber bis zum 30. September Zeit,
die Gebühren doch noch zu bezahlen. Gegen ihren Rausschmiss wollen die
Kunststudenten jetzt klagen und vor dem Verwaltungsgericht mindestens
fünf Musterprozesse gegen Hochschulleitung und Wissenschaftsbehörde führen.
BEZAHLT WIRD NICHT: DIE HAMBURGER GEBÜHREN-REBELLEN
Es ist ein letzter Versuch. "Wir wissen, dass da keine große Aussicht
auf Erfolg besteht", sagte Eugen Regensburg von der AG
Studiengebührenboykott. Er kritisierte auch den HfbK-Präsidenten Eugen
Köttering, der Professoren zugestanden habe, je zwei Studenten ihrer
Wahl von der Gebührenpflicht zu befreien. "Kötterings Verfahren ist
höchst undurchsichtig", sagte Regensburg. Auffällig sei die große Zahl
der Studenten höherer Semester.
Ebenso wie etliche Professoren der Kunsthochschule, die in einem
dramatischen Appell vor einem Exodus ihrer Studenten gewarnt hatten, ist
auch Köttering kein Befürworter von Studiengebühren, sah sich aber
rechtlich zur Durchsetzung der Zwangsexmatrikulationen gezwungen.
HfbK-Sprecherin Karin Pretzel erklärte, dass Studenten aus verschiedenen
Gründen von den Gebühren befreit werden könnten, zum Beispiel wegen
ihrer Begabung. "Die höheren Semester sind Aufbaustudenten, die bereits
ein erstes Studium mit Auszeichnung bestanden haben", sagte sie. Die
Dozenten seien angehalten worden, besonders begabte Studenten zu benennen.
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