[echo] Er öffnung 10° Kunst: Wilhelmsburger Freitag
britta peters
bp at 01importexport.net
Thu Aug 23 15:38:50 CEST 2007
Einladung zur Eröffnung von 10°Kunst: Wilhelmsburger Freitag am Samstag, den
1. September ab mittags bis spät in die Nacht...
12 bis 15 Uhr Abschlussveranstaltung Oda Projesi/Nadin Reschke Kindlimann an
der S-Bahn Wilhelmsburg/Marktkauf Parkplatz. Siehe auch
http://15x75m-hinguckenweggucken.blogspot.com/
15 bis 16 Uhr am selben Ort: Grußworte Marie-Louise Tolle/Kulturbehörde
Hamburg und Uli Hellwig/IBA GmbH. Zur Ausstellung spricht Tim
Voss/Kunstverein Harburger Bahnhof
ab 16 finden bei allen Projekten Eröffnungsfeiern statt kurze
Projektbeschreibungen im Anschluss an diese Übersicht. Lageplan und
Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln vor Ort und in Kürze unter
http://www.wilhelmsburgerfreitag.de
Christoph Schäfer/Margit Czenki (Hamburg): Ganz wie zu Hause
Videotaxi-Fahrten im halbstündigen Rhythmus ab S-Bahn Veddel, Ausgang
Wilhelmsburger Platz. Hotline: 040/310930 http://www.ganzwiezuhause.de
Thorsten Passfeld (Hamburg): Kirche des guten Willens Wie kann man ein
besserer Mensch sein?
Vogelhüttendeich 77, Reiherstiegviertel
abends Konzert plus Ende Eröffnung
Lenka Clayton (London): Local Newspaper (Wilhelmsburger Wochenblatt)
in Kooperation mit der Galerie für Landschaftskunst
Fährstr. 30, Reiherstiegviertel
abends Konzert der Musiker und Musikerinnen aus der Zeitung (in order of
appearance)
Mandla Reuter (Berlin): Pictures
Erlerring 10, Kirchdorf-Süd (Film: Die Simpsons)
Asli Cavusoglu (Istanbul): Twin Peaks
ehemalige Mülldeponie Georgswerder, Zugang über Fiskalische Str. (bis 20
Uhr)
10°Kunst: Wilhelmsburger Freitag³ ist eine dezentrale Ausstellung im Süden
Hamburgs. Auf Einladung von Britta Peters, die das Projekt im Auftrag der
Kulturbehörde Hamburg kuratiert, realisieren im September Künstler und
Künstlerinnen aus Deutschland, England und der Türkei sechs umfangreiche
Projekte im Stadtraum. Die Ausstellung wird durch den IBA Kunst- und
Kultursommer 2007 gefördert.
Pressekonferenz: 30. August, 13 Uhr in der Kirche des guten Willens³ von
Thorsten Passfeld, Vogelhüttendeich 77
Kurzbeschreibungen der Projekte:
Christoph Schäfer/Margit Czenki: Ganz wie zu Hause
Ein bedeutungserzeugendes Taxi taucht während der Ausstellung in
Wilhelmsburg und Veddel auf - ein fahrender Videopavillion, der Elemente des
Heimkinos, des Hörspiels, des Bildungstourismus und des konzeptuellen
Essayfilms aufgreift. Ganz wie zu Hause³ interessiert sich für die Stadt
des Alltags, für die Stadt der Aneignung. Für Orte, die durch die
Imagination der Bewohner umdefiniert werden, für das Globale, dass sich im
Lokalen ausdrückt, für die Spur der Warenströme und ihre Unterbrechung, für
die Einwanderung und Widerstände in Lebensformen, die sich nicht restlos
integrieren lassen wollen.
Thorsten Passfeld: Kirche des guten Willens Wie kann man ein besserer
Mensch sein?
Rund 600 Stunden Arbeit bedeutete der Bau dieser temporären Bühne für den
gelernten Kulissenbauer, Philosophen und freien Künstler Thorsten Passfeld.
Komplett aus Altholz angefertigt, abgesehen von ein paar Einheiten, die der
Statik Rechnung tragen, zeigt der von ihm fast im Alleingang geschaffene
Raum auf 130 m2 und gut 5 Metern Höhe die Chancen und Schönheiten dieser
zivilisatorischen Müllstücke, zusammengesucht bei Abrissunternehmen, aus
Containern und von Baustellen der Umgebung. Drei Wochen steht die Bühne für
ein dichtes und abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm entlang der
Fragestellung: Wie kann man ein besserer Mensch sein? zur Verfügung.
Lenka Clayton: Local Newspaper (Wilhelmsburger Wochenblatt)
Auf gemeinsame Einladung der Galerie für Landschaftskunst und des
Wilhelmsburger Freitags realisiert die Londoner Künstlerin und
Dokumentarfilmerin Lenka Clayton ein ungewöhnliches Kartierungsprojekt³:
Ausgehend von einem Februarheft des Wilhelmsburger Wochenblatts versucht sie
alle Personen zu portraitieren, die in dieser Zeitungsausgabe erwähnt sind.
Vom Lokal- über den Sportteil bis hin zu Klein- und Todesanzeigen kommen so
exakt 312 Menschen zusammen, die es zunächst ausfindig zu machen galt, bevor
Lenka Clayton sie um ihre Einwilligung zum Fototermin bitten konnte.
Größtenteils handelt es sich dabei um Bewohner und Bewohnerinnen der
Elbinsel, es sind aber auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der
internationalen politischen wie kulturellen Bühne darunter. In der
anschließenden Ausstellung werden alle Portraits gleichwertig betrachtet,
sie hängen in der gleichen Reihenfolge, in der die Namen in der Zeitung
erschienen sind.
Oda Projesi in Kooperation mit Nadin Reschke Kindlimann:
15 x 75m. Hingucken - Weggucken
Die Künstlergruppe aus Istanbul und die Berliner Künstlerin Nadin Reschke
Kindlimann nehmen in ihrem ca. drei wöchigen Workshop die große Brandwand an
der Rückseite des Marktkauf-Parkhauses (S-Bahn Wilhelmsburg) zum Anlass mit
den Anwohnern über Sinn und Funktionen von Mauern¹ ins Gespräch zu kommen.
An vier verschiedenen Orten entwickeln sie in jeweils drei Tagen entlang
unterschiedlicher Fragen ein Stimmungsbild der betreffenden Nachbarschaft.
In der Ausstellungszeit manifestieren sich ihre Recherchen sowohl in einer
zentralen, auf der 15 x 75 m großen Wand aufgebrachten Fragestellung als
auch in den in Form von Plakaten und Papierobjekten vervielfältigten
Antworten darauf.
Projektbeginn 17. August, 17 Uhr Berta-Kröger-Platz/S-Bahn Wilhelmsburg
18.08. - 20.08. Kirchdorf Süd. Sa.: 10 - 16 Uhr, So.: 14 - 17 Uhr, Mo.: 12
17 Uhr
22.08. - 24.08. Stübenplatz. Mi.: 10 - 15 Uhr, Do.: 12 - 16 Uhr, Fr.: 15 -
18 Uhr
26.08. - 28.08. Bei der Windmühle. So.: 13 - 17 Uhr, Mo.: 15 - 19 Uhr, Di.:
15 - 19 Uhr
30.08. - 01.09. Wilhelmsburg S-Bahn/ Berta Kröger Platz. Do.: 11 - 16 Uhr,
Fr.: 12 - 18 Uhr, Sa.: 12 - 16 Uhr
Mandla Reuter: Pictures
Reuter verwandelt eine Hochhaus-Wohnung in ein temporäres Kino mit 35mm
Projektor und entsprechendem Sound. Durch Leuchtwerbung weithin sichtbar
angekündigt wird dort ein aktueller Blockbuster gezeigt, also ein Film, der
zur gleichen Zeit in allen großen Kinos der Stadt zu sehen ist. Was ist das
für ein Gefühl, mit den großen Stars in einer 50 qm Wohnung zu sein? Spielen
sie immer noch die Hauptrolle oder stielt ihnen die massive Vorführtechnik
die Show? Welchen Sinn macht ein Kino in einer Privatwohnung und wie
unterscheidet es sich von einem Cineplex-Saal? Mit Pictures wirft Mandla
Reuter eine Reihe von Fragen auf, die die Funktionsweisen von Raumnutzung
und Kulturgebrauch zunächst per Negation analysieren: Warum wurde keine
spezielle Filmauswahl getroffen? Warum wurde kein größerer Raum gewählt? Um
schließlich mit einer Sensibilisierung für die eigene Wahrnehmung zu enden:
Was erlebe ich in diesem Kino und wie beurteile ich dieses Erlebnis?
Asli Cavusoglu: Twin Peaks
Durchgängiges Thema in den Arbeiten von Asli Cavusoglu ist die Grenze
zwischen Fiktion und Realität, zwischen vorgefundener Natur³ und
Inszenierung. Häufig sind ihre Interventionen in die Realität des Alltags
betont schlicht, fast lapidar, und trotzdem oder gerade deshalb
hintergründig und humorvoll. Ihr Vorschlag, den Hügel in Georgswerder,
immerhin Europas größte Sondermülldeponie, mit zwei künstlichen Bergen zu
überformen, setzt zunächst auf Fernwirkung: Hamburg-Unkundige mögen die
Erscheinung der Bergformation am Horizont für kurze Zeit als bizarre, aber
natürlich entstandene Landschaft wahrnehmen. Je näher man kommt, desto
klarer ist, dass dieser Eindruck täuscht: Bei den Bergen handelt es sich um
grasgrüne, aufgeblasene PVC-Skulpturen, hergestellt von einem
Hüpfburg-Produzenten. Wer das erkennt, ist geneigt, diese Erscheinung als
künstlich zu empfinden und den aus Haus- und Sondermüll entstandenen
Deponieberg dagegen als natürlich, als echt³. Aber was heißt schon echt?
Die Ausrichtung der Hügel ist so gewählt, dass im September die Sonne
bilderbuchartig zwischen ihnen versinkt. Der reale Sonnenuntergang wird zum
Teil eines inszenierten Landschaftspanoramas.
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