[echo] Papierschiff

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Fri Aug 24 16:57:53 CEST 2007


...ein jahr auf papierwerbung verzichten und eine hamburger 
version der ms stubnitz bauen. liegt ja noch dazu voll im 
umwelthaupstadttrend.   tran*



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PERSONEN-FALTBOOT
Im Papierschiff über den Kanal

Von Holger Dambeck

Papierboote dieser Art schwimmen sonst nur in Badewannen. 
Ein Künstler hat jetzt aus Safttüten-Pappe ein neun Meter 
langes Boot gefaltet, mit dem er den Elbe-Lübeck-Kanal 
befahren will. Schiffbauexperten geben der Konstruktion 
durchaus Chancen - nur die Behörden sind skeptisch.


Frank Bölter hat großes Vertrauen in das Material, in dem 
sonst Obstsaft oder Milch schwappen. Die beschichtete Pappe, 
aus der die Verpackungen hergestellt sind, soll den 
37-Jährigen über Wasser halten. Nicht nur für ein paar 
Sekunden, sondern für mehrere Tage. Bölter hat aus 175 
Quadratmetern der Pappe ein neun Meter langes Boot gefaltet 
- mit der Origami-Technik. "Das Material ist erstaunlich 
stabil", sagte der Künstler im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. 
Zum Falten habe er viele helfende Hände gebraucht. "Was man 
mit einem Blatt Papier macht, funktioniert mit einer zehn 
Meter breiten Tetrapak-Bahn nicht."

Am gestrigen Donnerstag war der Stapellauf in Lauenburg, ab 
heute wollte Bölter das Boot die Elbe stromabwärts schleppen 
lassen, durch Hamburg bis nach Brunsbüttel - oder "bis ans 
Ende der Welt", wie Bölter sein Projekt genannt hat. Für ihn 
ist die Spritztour im gefalteten Boot "eine poetische Geste 
der Schiffsreise", die die Wirkung des "Kultivierungsweges 
der Elbe" veranschaulichen soll - so erklärt es Bölter in 
der Beschreibung des Projekts.

Bölters Vertrauen in die beschichtete Pappe wird allerdings 
im Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg nicht geteilt. Ohne 
einen sogenannten 
Schwimmfähigkeits-/Schleppfähigkeitsnachweis könne man die 
Aktion nicht erlauben, teilte die Behörde dem Künstler mit. 
Weil eine solche schifffahrtspolizeiliche Erlaubnis aber 
Tausende Euro kostet, geriet das ganze Projekt in Gefahr. 
Bölter wurde schließlich nur gestattet, den 
Elbe-Lübeck-Kanal mit seiner Faltkonstruktion zu befahren - 
die Elbe ist tabu, das anvisierte "Ende der Welt" somit 
nicht mehr erreichbar.

Die behördliche Skepsis steht im scharfen Kontrast zu dem 
Enthusiasmus, den etwa Schiffbauexperten der Universität 
Rostock in Sachen Papierbootbau an den Tag legen. Im April 
hat die Fakultät Schiffstechnik bereits zum elften Mal den 
Internationalen Papierschiff-Wettbewerb veranstaltet 
(mehr...). Das Ziel: ein Papierschiffchen zu bauen, das 
nicht mehr als zehn Gramm wiegen darf, und mit möglichst 
vielen Bleikugeln beladen wird, ohne dass es untergeht.

Ist das Boot wirklich sicher?

Was wie eine Spielerei klingt, betreiben die vielen Schüler 
und Studenten, die am Wettbewerb teilnehmen, mit großem 
Ernst. Mit Querstreben erhöhen sie die Stabilität der 
Konstruktion, mit der Doppelwandtechnik versucht mancher, 
die typischen Schwächen von Papier auszugleichen, das leicht 
zusammengedrückt werden kann.

Die Origami-Konstruktion von Bölter wirkt im Vergleich dazu 
geradezu antiquiert. Pentscho Pentschew, Professor für 
Schiffbau an der Universität Rostock, sieht gleich mehrere 
Schwächen in der klassischen Falttechnik: "Da unter dem 
Schiff ein Hohlraum entsteht, bin ich mir nicht sicher, ob 
die notwendige Schwimmfähigkeit gewährleistet ist", sagte er 
im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Zumindest in diesem Punkt 
bewies der gestrige Stapellauf jedoch, dass die Zweifel 
unbegründet sind.

Für noch kritischer hält Pentschew jedoch die Stabilität der 
Konstruktion: "Wenn der Tiefgang größer wird, dann ist die 
Querfestigkeit nicht mehr gewährleistet." Die Folge: Das 
Schiff werde vom Wasser zusammengedrückt. Zumindest beim 
Material hat Bölter nach Pentschews Meinung eine gute Wahl 
getroffen. Die Safttüten-Pappe habe eine größere Festigkeit 
als Papier oder Wellpappe, was der Stabilität zugute komme.

Hinten, in der Mitte, oder vorne?

"Wo sitzt der Mann?" - dies sei ebenfalls eine wichtige 
Frage, sagte der Rostocker Schiffbauexperte. Für das Schiff 
wäre es das Beste, wenn es trimmfrei und ohne Schräglage 
fährt, so Pentschew. "Dann müsste man sich oben auf die 
Spitze setzen, die genau aus der Bootsmitte herausragt." 
Denn bei einer Sitzposition rechts oder links davon bekomme 
das Schiff Schlagseite.

Nur: Rittlings auf der Pappspitze dürfte sich niemand über 
längere Zeit wohlfühlen. Deshalb bleibt dem 
Papierboot-Passagier als einzig sinnvolle Position nur noch 
der Platz dahinter. "Dann wird das Schiff hecklastig, und 
der Widerstand sinkt", sagte Pentschew. Diese Position 
erhöhe die Chancen, über Wasser zu bleiben. Bei Testfahrten 
mit einem verkleinerten Papierschiff im Juli hatte Bölter 
genau diese Sitzposition eingenommen. Intuitiv hat der 
Künstler also alles richtig gemacht.

Im Vergleich zu den Konstruktionen, die jedes Jahr in 
Rostock beim Papierschiff-Wettbewerb mit Bleikügelchen 
gefüllt werden, würde sein Faltboot allerdings schlecht 
abschneiden. "Bleimatratze", der Sieger des Jahres 2006, 
hielt bei einer Eigenmasse von 9,8 Gramm mehr als 4,7 
Kilogramm über Wasser. Das Papier hat also das 485-fache 
seines Eigengewichts getragen. Der Konstrukteur Bodo Walther 
aus Berlin hatte sein Boot durch doppelte Außenwände 
besonders stabil gemacht (siehe Fotostrecke oben).

Käme Bölters 25 Kilogramm schwere Konstruktion auf das 
gleiche Verhältnis zwischen Nutzlast und Leergewicht, müsste 
es zwölf Tonnen über Wasser halten können. Solche 
Spitzenleistungen sind zum Glück nicht gefragt, denn das 
Schiff muss nur Bölter tragen - und der wiegt gerade mal 70 
Kilogramm.



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