[echo] Ausstellung -Intime Schatten der Verbrechen-

"Martin Krützfeldt" martin.kruetzfeldt at gmx.de
Mon Aug 27 12:12:46 CEST 2007


Martin Krützfeldt – Intime Schatten der Verbrechen

Ausstellung VorOrt Mexikoring 11 City Nord 7. – 28. September 2007
Eröffnung 6. September 2007  ab19Uhr

Ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Films ist das „setting“, der Schauplatz, an dem die Handlung einsetzt oder eine besondere Wendung nimmt. Diese Orte werden stets sorgfältig in Szene gesetzt. Dabei kann es sich um fiktive oder um reale Orte handeln. Der Architektur im Film kommt dabei eine tragende Rolle zu. Auch die Architektur im Film kann real oder fiktiv sein. Immer bringt sie etwas zum Ausdruck und stets werden mit den Bauten Gefühle verknüpft. Der Zuschauer wird eingestimmt auf das Kommende, mag es romantisch, komisch oder tragisch sein. Bereits der römische Architekturtheoretiker Vitruv hatte dies erkannt und daher für die „settings“ des antiken Theaters drei Bühnenbilder unterschieden, die sich den jeweiligen Stillagen der Theaterstücke, Tragödie, Komödie und Satire, anpassten. In dieser Tradition steht bewusst oder unbewusst jeder location scout, jeder set designer und jeder Filmarchitekt.

Architektur im Film ist mehr als nur der Ort der Handlung. Sie ist selbst Handlungsträger. Auf die Gebäude und Häuser in Filmen richtet Martin Krützfeldt seinen Blick. Aus seinem umfangreichen Filmarchiv hat er solche Bilder ausgewählt, in denen Häuser oder Gebäude als Handlungsorte erstmals in Szene gesetzt werden. Als Beispiele lassen sich die Gegenüberstellung des verwunschenen Vororthauses mit dem düsteren Mietshaus als einem verfluchten Ort in David Lynch’s „Blue Velvet“ (1986) heranziehen. Aber auch das fiktive Nakatomi Center  aus „Die Hard“ (John McTiernan, 1988) ist Handlungsort und Handlungsträger zugleich. Das wahre Gebäude, als Fox Plaza 1987 von Johnson, Fain & Pereira Associates in Los Angeles errichtet, hat es aufgrund des Films zu einer touristischen Sehenswürdigkeit gebracht.

Martin Krützfeldt interessiert sich in seiner Arbeit mehr für die Gebäude im Film als für die Handlungen, die darin stattfinden. Sigmund Freud zufolge regt sich das „Unheimliche“ oft an einem Ort, der mit Heimlichkeit verbunden ist. Krützfeldts interessierter Blick richtet sich daher auch auf Toiletten und Installationen. Obwohl Bestandteil eines jeden modernen, westlichen Hauses, kommen Toiletten in Filmen seltener vor, und wenn sie in Szene gesetzt werden, häufig in zweckentfremdeter Nutzung. Toiletten dienen als Zufluchtsorte, als Verstecke, oder um etwas zum Verschwinden zu bringen, das man anders nicht loswerden kann. Gelegentlich spielen sich auch hier erotische oder brutale Szenen ab. Die Anrüchigkeit des Ortes wird häufig dazu eingesetzt, die Handlung mit etwas derbem Humor zu würzen. Als „intime Schatten der Verbrechen“ bezeichnet Martin Krützfeldt die Toilettenszenen im Film.

Vom 7. bis zum 28. September zeigt Martin Krützfeldt die Ergebnisse seiner Recherche als Fotoinstallation in der City Nord. Wer sich seiner extensiven Spurensuche anschließen will, wer ein Interesse für Film, Architektur und Installationen hat, kommt am 6. September in die City Nord, VorOrt zur Eröffnung. Die Ausstellung ist bis zum 28. September zu sehen. 

Barbara Uppenkamp

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