[echo] "Wie die Zeit vergeht" - zum Tode von Karlheinz Stockhausen

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Sat Dec 8 20:26:16 CET 2007


heise news, 8.12.07

"Wie die Zeit vergeht" - zum Tode von Karlheinz Stockhausen  



Der Komponist Karlheinz Stockhausen ist am 5. Dezember im Alter von 79
Jahren im rheinländischen Kürten gestorben. Stockhausen gilt als Pionier
der Musik, die ohne Rückgriff auf klassische Instrumente erzeugt wird.
Seine Kompositionsprinzipien beeinflussten die elektronische Musik und
zahlreiche Pop-Bands von Pink Floyd bis zur deutschen Band Can, die von
seinen Schülern gegründet wurde. Mit seinen Musikexperimenten im "Studio
für Neue Musik" des Westdeutschen Rundfunks setzte sich Stockhausen mit
Synthesizern und computergenerierter Musik auseinander. Er selbst
leitete das Studio von 1962 bis 1990.
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Als Pionier der modernen Musik hinterlässt Karlheinz Stockhausen der
Nachwelt 280 Werke, von denen die Hälfte der "elektronischen Musik"
zugerechnet werden. Sein Opern-Zyklus "Licht" gilt als das größte
Projekt der Musikgeschichte seit dem "Ring der Nibelungen" von Richard
Wagner. Musikalisch wurde Stockhhausen von seinem Lehrer Olivier
Messiaen beeinflusst, technisch vom Physiker Werner Meyer-Eppler, der in
Bonn zur Informationstheorie und Phonetik/Sprachsynthese forschte. Der
wichtigste Schüler von Meyer-Eppler war Herbert Eimert, der das erwähnte
"Studio für Neue Musik" gründete.

Eimert und Stockhausen untersuchten die Formalisierung musikalischer
Abläufe, die sie Programmschleifen nannten, ohne dass dabei jedoch mit
dem Computer programmiert wurde. Resultat der Forschungen war
Stockhausens "Wie die Zeit vergeht", das als theoretisches Hauptwerk des
Komponisten gilt. Einige der ausgetüftelten Musikmaschinen und
Klanginstallationen von Eimert und Stockhausen sind im Rock-Museum
Gronau zu sehen und zu hören, wo auch das Studio der Stockhausen-Schüler
Irmin Schmidt und Holger Czukay zu sehen ist.

In der deutschen Kultur-Öffentlichkeit war Stockhausen mit einem Hang zu
theatralischen Inszenierungen eine umstrittene Figur. Seine
missverständlich wiedergegebenen Kommentare zu den Terroranschlägen vom
11. September 2001 führten dazu, dass eine ganze Reihe altersüblicher
Ehrungen gestrichen wurden.

Zum Tode von Karlheinz Stockhausen bringt sein Haussender WDR eine Reihe
von Sondersendungen. Die Werkschau beginnt am morgigen Sonntag im
WDR-Fernsehen mit dem Film "Licht - Das Welttheater des Karlheinz
Stockhausen" (12:30 Uhr), dazu werden in den WDR-Hörfunkprogrammen
Ausschnitte aus seinen wichtigsten Werken zu hören sein. (Detlef
Borchers) (ps/c't) 


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