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durbahn durbahn at w4w.net
Sat Dec 15 14:36:29 CET 2007


Statement der Literaturveranstalter Berlins

 

In einem Brief vom November 2007 informierten die traditionsreichen Berliner
Stadtmagazine zitty und tip darüber, den Veranstaltern/Bühnenpartnern in
Berlin "weiterhin den Service anzubieten, kostenlos Veranstaltungshinweise
zu veröffentlichen." Allerdings werde die an die CineMarketing GmbH
abgegebene "Digitalisierung und Aufbereitung" der Daten "leider nicht mehr
völlig kostenlos möglich sein". Es folgen ein paar Sätze der Beruhigung, es
seien "so niedrige  Beiträge ausgehandelt, dass niemand benachteiligt wird"
etc. Allerdings können die Beiträge bis zu 400 € im Jahr betragen.  Der
Brief liegt im Wortlaut diesem Statement bei.

 

Die Literaturveranstalter Berlins konstatieren:

 

1.) Beide Stadtmagazine kennen die Situation vieler  Kultureinrichtungen der
Stadt gut, wie ihren redaktionellen Beiträgen zu entnehmen ist. Für die
Literaturveranstalter ebenso wie für eine Vielzahl anderer Veranstalter, die
in der Regel mit  schmalem Etat ein anspruchsvolles und umfangreiches
Programm präsentieren, sind 400 € viel Geld, keineswegs ein "niedriger
Beitrag". Die Berliner Kulturszene lebt auch und gerade von der Vielzahl und
Vielgestalt kleiner Kulturveranstalter, die diese Gebühr nicht zahlen
können. Dazu kommt, dass die Zahlung keine Garantie für den tatsächlichen
Abdruck der Veranstaltungshinweise beinhaltet.

 

2.) Die doch eigentlich um die Leserschaft konkurrierenden Stadtmagazine
schließen sich zusammen, um unter Ausnutzung ihrer so erhaltenen
Monopolstellung die Veranstalter in Zugzwang zu bringen. Veranstalter, die
die geforderten Beiträge nicht zahlen wollen oder können, wären weder in der
Zitty noch in Tip, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, [030] sowie den
dazugehörigen Onlinekalendern präsent.

 

3.) Die Veranstalter sollen für einen Service zahlen, der den Stadtmagazinen
ihre Existenzberechtigung gibt und eigentlich zum journalistischen
Selbstverständnis der betroffenen Zeitungen und Zeitschriften gehört. Die
Serviceleistung soll also sowohl von den Veranstaltern finanziert als auch
nochmals vom Käufer bezahlt werden. Das ist schlicht und einfach dreist.

 

4.) Die Veranstalter würden mit einer Zahlung einer weiteren
Hierarchisierung der Kultureinrichtungen nach Kriterien der
Finanzkräftigkeit zustimmen.

 

5.) Die Veranstalter würden mit einer Zahlung indirekt dem Abbau von
Redaktionsstellen in zumindest einem der Stadtmagazine zustimmen.

 

Aus allen diesen Gründen verwehren sich die Literaturveranstalter Berlins
entschieden gegen eine solche Praxis, die sich sowohl gegen das
journalistische Selbstverständnis als auch gegen die Vielfalt des
Kulturlebens richtet.

 

Mittlerweile sind die Stadtmagazine von ihrer Position etwas abgerückt und
haben angeboten, dass man Veranstaltungen kostenlos selbst eintragen kann.
Dieser Vorschlag berührt aber die Kernpunkte unserer Kritik nicht. Auch so
wird eine Monopolstellung genutzt, um die Kernkompetenzen der Stadtmagazine
zum Outsourcing freizugeben. Zwar bezahlen die Veranstalter dann nicht
CineMarketing, doch sie würden den Redaktionen ihre eigene Arbeitskraft
kostenlos zur Verfügung stellen und damit z.B. einen Stellenabbau weiterhin
begünstigen.

 

Berlin, 13.12.2007

 

Unterzeichnet von

 

Akademie der Künste

Bastardslam (Poetry Slam)

Berliner Künstlerprogramm des DAAD

berlinerWald

Brauseboys-Lesebühne

Der Frühschoppen – Lesebühne im Jazzclub Der Schlot

Kulturprojekte Berlin

LesArt

Der Literarische Salon

Literarisches Colloquium Berlin

Literaturforum im Brecht-Haus

Literaturhaus Berlin

Literaturwerkstatt Berlin

Matthes & Seitz

Querverlag

Schwarze Risse Buchläden

Spokenwordberlin

Surfpoeten

Tanzwirtschaft Kaffee Burger

Transmediale

Ullstein Verlage

Verlag Assoziation A

Verlag Bertz & Fischer

Verlag Elfenbein

Verlag Klaus Wagenbach

Verlag Lukas

Verlag Rotbuch

Verlag Trescher

Volksbühne-Berlin


 
 



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