[echo] Neckermann statt Robespierre - heute im Polittbüro

Jan-Frederik Bandel janbandel at yahoo.de
Tue Feb 6 09:13:56 CET 2007


Dienstag, 6. Februar 2007, 20 Uhr, Polittbüro,
Steindamm 45, Hamburg St. Georg

NECKERMANN STATT ROBESPIERRE
Ein Streifzug durch Hubert Fichtes Tourismusroman "Die
Geschichte der Empfindlichkeit"
Mit Jan-Frederik Bandel, Mario Fuhse, Nina Petri und
der Percussion-Fraktion von Tuten & Blasen

*

"Neckermann statt Robespierre" - das war Hubert
Fichtes literarischer Gegenentwurf zur Gewaltdebatte
der zerfallenden Revolte von "1968". In einer
mehrstimmigen Collage aus Texten Fichtes wollen wir -
gerade angesichts der zur Zeit laufenden RAF-Debatte -
an Fichtes ästhetisches Gegenprogramm erinnern, das in
seiner monumentalen "Geschichte der Empfindlichkeit"
gipfelte. Begleitet wird das Programm von den
Percussionisten der Hamburger Combo Tuten & Blasen.

*

Vor gut 20 Jahren verlieh die Stadt Hamburg Hubert
Fichte posthum den Alexander-Zinn-Preis für sein
unvollendet gebliebenes Werk "Die Geschichte der
Empfindlichkeit". Im vergangenen Jahr konnte mit dem
Erscheinen des letzten Bandes diese auf 19 Bände
veranschlagte Geschichte abgeschlossen werden. Dies
ist auch ein Anlass, auf ein in der deutschen
Literaturgeschichte einzigartiges Projekt zu blicken.
Fichtes "Geschichte der Empfindlichkeit" ist eine
umfangreiche Reflexion über die durch den Tourismus
sich wandelnde Welt. Als Autor beschäftigte er sich,
lange bevor es Mode wurde, mit der afro-amerikanischen
Kultur, den synkretistischen Religionen, Voodoo etc.
Er reiste nach Afrika, Südamerika und in die Karibik
um seine Studien voranzutreiben. Immer wieder
interessierten Fichte dabei vor allem Rituale und die
Abgründe menschlichen Seins. Wann wird ein Mensch zum
Folterer? Wie werden Minderheiten in den
unterschiedlichen Kulturen behandelt? Letztlich sind
es Sprachempfindlichkeiten, denen Fichte stets mit
seinem Schreiben nachspürte, und durch seine
Sprachempfindlichkeit entstand ein facettenreiches
Werk, das formal wie inhaltlich bis heute
konkurrenzlos dasteht und immer mehr Beachtung findet.

*

- Glaubst du nicht, daß eine milde und nicht mehr
rückgängig zu machende Zersetzung des Unbewußten eine
tiefere Veränderung hervorruft? Ich kann mir die
Freiheit, wenn ich ehrlich bin, nur als eine
gigantische weltweite Verschwulung vorstellen, sagt
Jäcki.
- Dazu haben wir keine Zeit.
- Oder Neckermann statt Robespierre. Der Tourismus als
eine universelle Wandzeitung?
- Tourismus! Wenn du nicht bereit bist, Mittel zu
benützen, die nicht im System liegen, wirst du das
System nicht verändern.
- Sagst du, vom System geprägt, das du verändern
willst.

(Hubert Fichte: Detlevs Imitationen 'Grünspan')

*

Zu den Sprechern:

Jan-Frederik Bandel, geboren 1977,
Literaturwissenschaftler und Publizist, Autor mehrerer
Bücher über Hubert Fichte.

Mario Fuhse, geboren 1967, Studienrat, Maler und
Autor, langjähriger Kenner des Werks von Hubert
Fichte.

Nina Petri, geboren 1963, Schauspielerin, Sprecherin
und Leiterin der Theaterfabrik Hamburg.

*

Zur Band:

In den Anfängen war es das Raue, Laute, Schräge und
Unverhoffte, das die Musik von Tuten & Blasen
auszeichnete. Ganz abgelegt hat die Gruppe diese
Kennzeichen noch immer nicht, aber reduziert und
verfeinert.
Heute ist ihre Musik eine ganz eigene Mischung aus
Jazz-, Afro- und Latin-Elementen. Volle, warme
Bläsersätze von David Byrne, polyrhythmische "Funeral
Music" der Ewe aus Ghana, perkussive Samba- und
Afoxéklänge aus Brasilien und die afrikanisch
inspirierten Kompositionen von Hans Schneidermann
bestimmen das Programm der Band. Tuten & Blasen spielt
auf Straßen und Plätzen, in Zelten und Konzertsälen -
und seit über 10 Jahren auch im Kino: Filmkonzerte zu
Stummfilmen aus den 20er Jahren.






	
		
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