[echo] Copieren und Verfälschen Vol # 1: Wahrheitsbehauptungen
doro carl
doro at abbildungszentrum.de
Tue Feb 27 09:31:10 CET 2007
Das Künstlerhaus Hamburg, F for Frise und das Abbildungszentrum laden
ein zur 1. Eröffnung im Ausstellungszyklus 2007 in der
Arnoldstrasse 26, 22765 Hamburg-Ottensen
You are cordially invited to attend the reception of the first volume:
Wahrheitsbehauptungen
of our 2007 series: Copieren und Verfälschen (Copy and Fake)
Mittwoch, 28. Februar um 20.30 Uhr
Copieren und Verfälschen Vol # 1: Wahrheitsbehauptungen
Zur Ausstellung sind eingeladen:
Dörte Hausbeck, Jeanne Faust sowie Romeo Grünfelder
www.frise.de/fake
Im Kontext zeitgenössischer Kunstproduktion sind Strategien der
Einbeziehung und Aneignung vorhandenen Kultur- und Gedankenguts so
wenig fortzudenken wie die damit einhergehende Infragestellung von
Begriffen wie Autorenschaft, Original und Urheberrecht.
Diese Tendenz hat in volkswirtschaftlich relevanten Bereichen längst
einen Namen: "Raubkopierer" werden zum Problem, weil digitale Technik
hergebrachte Ordnungen unterläuft, perfekt gefälschte Produkte
gefährden Marken und Märkte.
Die durch fortschreitende Digitalisierung bedingte Reproduzierbarkeit,
Simulierbarkeit und Manipulierbarkeit nahezu sämtlicher
Betätigungsfelder wissenschaftlichen, künstlerischen und
gesellschaftlichen Wirkens verstärkt auch das Bemühen um Definition und
Eingemeindung des daraus erwachsenden kulturellen und ökonomischen
Neulands.
Das Ausstellungsprogramm der Frise wird im Lauf des Jahres 2007 unter
dem Titel "Copieren und Verfälschen" künstlerische Positionen zu diesem
Komplex vorstellen: Jeden Mittwoch werden in Ausstellungen, Vorträgen,
Filmvorführungen, Konzerten und Performances Eindrücke aus der Grauzone
zwischen Fake und Faktizität gesammelt.
In "Volumes", thematischen Blöcken von 4 bis 6 Wochen Dauer, werden
Beiträge zeitlich und inhaltlich gebündelt.
Vol # 1: Wahrheitsbehauptungen
Bilder lügen. Jeder weiß das. Doch der Glaube ist stärker als das
Wissen, zum Glück: es ließe sich behaupten, dass Bilder, Kraft ihrer
Existenz (Wahrhaftigkeit), immer wahr seien. Gilt das gleichermaßen für
weite Felder der Kunst, so die These, wären Kunstwerke also
ontologische Wahrheitsbehauptungen. Nach wahr oder unwahr, authentisch
oder erfunden, zu fragen lohnt demnach wenig. Spannender, wenn man sich
vergegenwärtigt, dass alle Bilder bevorzugt als Abziehbilder dessen
wahr genommen werden, was als Wunsch oder Angst derjenigen, die vor dem
Kunstwerk steht, längst eingebrannt ist.
In der Ausstellung werden Positionen vorgestellt, die an exotischen
Wunschvorstellungen weiter stricken, die bis ins Reich des
Märchenhaften weisen: wenn die steinerne Präsenz Jahrtausende alter
Überlieferungen aus dem Reich der Mitte sich in zerknülltem
Zeitungspapier materialisiert, wenn die Schilderung arabischer Nächte
den Prinzen Ali Reza Gestalt werden lässt oder wenn die Generation
derer, vor denen sie von ihren Eltern immer gewarnt worden sind, ihren
Traum von Freiheit auslebt.
Zur Ausstellung eingeladen sind Dörte Hausbeck, Jeanne Faust sowie
Romeo Grünfelder.
Dörte Hausbeck zerknüllt Zeitungspapier und nennt es: "der Berg da".
Und tatsächlich ist der Berg da. Das hängt damit zusammen, dass vor dem
künstlerischen Akt des Zerknüllens von Zeitungspapier ein intensives
Studium chinesischer Landschaftsgärten eine Sensibilität und Einfühlung
hat reifen lassen lassen, die eine Unterscheidbarkeit zwischen
Konzentration und genialistischer Geste spürbar werden lässt.
Jeanne Fausts Arbeit "Richard, I owe You one" versetzt mit zwei
scharfen Schnitten an Reproduktionen einer Arbeit von Richard Prince
ein Wertesystem, das unserer Wahrnehmung als Bestandteil des
amerikanischen Traums eingebrannt ist.
Romeo Grünfelder erzählt in "Shahrzadeh Scampolo" von Scampis
unbeschreiblicher Romanze mit dem Prinzen Ali Reza Pahlehvi in der
Wüste Dasht-e-Kavir bei Vollmond: ein orientalischer Traum. Jedes
Bemühen um Orientierung wird unmöglich wegen eines simplen Drehers auf
der Tonebene.
Copieren und Verfälschen Vol #1
Jeden Mittwoch ab 19 Uhr gešffnet.
Beginn des Begleitprogramms jeweils ab 20.30 Uhr
FRISE, Künstlerhaus Hamburg + Abbildungszentrum,
Arnoldstr. 26, 22765 Hamburg, www.frise.de/fake
Begleitprogramm
Mi, 7. März, 20.30 Uhr
"Mauer ,Treppe, Zaun. 271 Xing Guo Lu"
Der Hausbeck-Fundus. Das Große im Kleinen. 27 Bilder zur Tradition der
Naturdarstellung.
Mi, 14. März, 20.30 Uhr
“Während der Skandal des Situationistischen Films noch im Zweck der
Entfremdung gesehen wurde, nicht jedoch im Verfahren der
Zweckentfremdung selbst, gilt heute jeder, der die blossen
Eigentumsrechte an den Bildern, aus denen das Spektakel sich
zusammensetzt, ignoriert, als "Verbrecher".
Sebastian Lütgert, 2004
Felderfilmarchiv: Dokumentarische Beschwichtigungen (III)
Pathescope Productions, Symptoms in Schizophrenia, 1940, 14 min
Werner Herzog, Lektionen in Finsternis, 1992, 50 min
Techfilm Moskau, Experiments in the Revival of Organisms, 1940, 20 min
Moody Institute of Science, Mystery of time, 1957, 27 min
Artavazd Pelechian, Les Habitants, 1970, 9 min
Im Tausch gegen eine zur Veranstaltung mitgebrachte DVD-R erhält jeder
eine mit den Filmen gebrannte DVD.
Mi, 21. März, 20.30 Uhr
Wir lauschen dem Original - Hörstück und weiteres
H.G. Wells - War of the Worlds in der Fassung von Orson Welles, 1938
Die Ausstellung ist immer mittwochs ab 19 Uhr geöffnet. Ein
umfangreiches Begleitprogramm zum Thema Copieren und Verfälschen sowie
zu den Themen der jeweiligen Ausstellungen beginnt jeweils um 20.30
Uhr.
Konzeption und Betreuung dieser Ausstellung sowie des Jahresprogramms
2007: Alexander Mayer, Doro Carl, Jo Zahn, Sebastian Burdach und jörn
Zehe.
Das Programm wurde ermöglicht mit finanzieller Unterstützung durch die
Kulturbehörde Hamburg und unseren Hauptsponsor f for frise.
technical support: www.9minus8.de
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