[echo] Tamm-Museum in Mopo + auf NDR 90,3

Meike Richter meike.richter at web.de
Wed Jan 3 11:26:38 CET 2007


Hallo Listen,

ein interessanter Artikel über das Tamm-Museum in der Mopo. Heute ab 18.00 Uhr ist der Wilfried Maier (GAL) bei NDR 90,3 zu Gast und äußert sich zum Museum. 


http://www.mopo.de/2007/20070103/hamburg/kultur/schiffbruch_beim_tamm_museum.html
Eröffnung wurde schon zwei Mal verschoben
 

Schiffbruch beim Tamm-Museum?
Finanzierung und Konzept der Schau sind den Experten ein Rätsel

ISABELLE HOFMANN

Sponsoren mögen keine Proteste. Wenn sie schon Geld und Namen hergeben, dann für eine gute Sache. Kritik schreckt ab. Und so unschöne Bezeichnungen wie "Anlaufstätte für Neonazis" erst recht. Die Rede ist von Peter Tamms "Internationalem Maritimem Museum" in der HafenCity - die Proteste dagegen sind nicht nur im Internet nachzulesen.

In den Zeitungen des Springer-Konzerns ("Bild", "Welt", "Abendblatt") allerdings findet eine kritische Auseinandersetzung über die gigantische Militaria-Sammlung des ehemaligen Springer-Vorstandes so gut wie keinen Niederschlag. Zur Not vermeldet die "Welt" da lieber Großspenden auch zwei Mal: "Peter Tamm muss seine Stiefel besonders blank geputzt haben", vermutete das Blatt angesichts des großzügigen "Nikolausgeschenks" von 1,5 Millionen Euro, die der Hamburger Kaufmann Joachim Herz (Tchibo) der Tamm-Stiftung am 6. Dezember 2006 machte. Eine Meldung mit gleichem Inhalt erschien am 19.4. 2006 mit gleichem Inhalt (zugegeben: ohne Nikolaus). Nein, es handelt sich immer noch um denselben Betrag. Acht Monate später zum zweiten Mal als "News" vermeldet, drängt sich arglosen Lesern der Eindruck auf, das Spendergeld flösse ohne Unterlass.

Tut es aber nicht. Bislang hat die Peter-Tamm-Stiftung zwar schon 10 Millionen Kapital, wie Russalka Nikolov, Geschäftsführerin der Peter-Tamm-Stiftung, erklärte. Knapp 20 Millionen bräuchte sie aber, um aus den Zinsen die laufenden Kosten des privaten Museums künftig zu finanzieren. Sicher nicht der einzige Grund, warum die Eröffnung der "weltweit größten privaten Sammlung maritimer Kostbarkeiten" bereits zwei Mal verschoben wurde, nun auf "Mitte bis Ende 2007" datiert wird. Immerhin: "Der Umbau des Kaispeichers zum Museum ist weitgehend beendet", so Nikolov. Ab Mai/Juni gehe man an die Einrichtung der zehn Ge


schosse. Von den Ägyptern über die Wikinger und Störtebekers Vitalienbrüder bis zur Jetztzeit soll alles "sehr lebendig inszeniert" werden.

Selbstverständlich würde die Museumskonzeption dem neuesten wissenschaftlichen Forschungsstand entsprechen. Dafür garantierten, so Nikolov, Konzeptionisten wie Holger von Neuhoff, der schon die Titanic-Ausstellung in der Speicherstadt verantwortete. Über Konzept und Gestaltung der Schauräume will sie aber nichts Näheres verraten: "Das soll eine Überraschung für das Publikum werden."

Genau diese "Überraschung" bereitet Museumsleuten und Kulturpolitikern Kopfzerbrechen. Vor zwei Jahren, als die Bürgerschaft zustimmte, dem mächtigen Medien-Mann Peter Tamm 30 Millionen Euro für ein privates Museum zu spendieren, um so die zweifellos einzigartige Kollektion für Hamburg zu sichern, hatte sie dies ohne jedes Recht auf Einflussnahme getan. Eine ziemlich leichtfertige Zusicherung, schließlich wird das Museum mit seinen 11000 Quadratmeter Ausstellungsfläche nach dem Museum für Kunst und Gewerbe und der Kunsthalle das drittgrößte Hamburger Museum, soll internationales Publikum in Scharen anlocken.

Die Ansprüche sind entsprechend hoch. Wer will schon ein Sammelsurium von Kriegsschiffsmodellen sehen? Oder Nazi-Devotionalien, wie sie sich zahlreich in der Sammlung finden? Kultursenatorin Karin von Welck hat Nikolov deshalb einen "unverbindlichen Beraterkreis" aus vier Museumschefs und einer Vertreterin ihrer Behörde zur Seite gestellt. Wie man aus diesem Kreis hört, sei Nikolov indes ziemlich "beratungsresistent".

Dennoch befürchtet keiner der Experten ein "Nazi-Museum" oder die Vermittlung eines "einseitigen Geschichtsbildes", so wie Kunsthaus-Chef Claus Mewes. Der ist einer der Kulturschaffenden, die sich 2005 an der "Tamm-Tamm"-Initiative beteiligten und die Diskussion mit den Bürgerschaftsabgeordneten suchten. Unter ihnen auch Wilfried Maier, kulturpolitischer Sprecher der GAL-Fraktion. Im Gegensatz zur Künstlerinitiative sieht Maier eine ganz andere Gefahr: Dass im Kaispeicher B "eine triviale Technik-Sammlung ohne Geist entsteht".

Info:
WAS BEKOMMEN WIR DA FÜR EIN MUSEUM?

Seit seinem sechsten Lebensjahr ist Peter Tamm fasziniert von der Seefahrt. Heute zählt die Sammlung des Ex-Vorstandsvorsitzenden des Springer-Verlages zu den größten weltweit. Über das künftige Museum gehen die Meinungen weit auseinander. Ole von Beust (CDU) hofft "Die Sammlung wird ein Höhepunkt im Angebot der HafenCity." Die Initiatoren der Aktion "Tamm-Tamm" erwarten hingegen ein "mit Kriegswaffen und Nazikitsch bestücktes, die Brutalität von Seekriegen verherrlichendes Sammelsurium". Auszug aus der Sammlung 1000 Uniformen, 1500 Orden, 850 große Schiffsmodelle , 5000 Gemälde, 47 Briefe von Admiral Nelson, 120000 Bücher, 600 Flaggen, ein NVA-Schnellboot, zwei U-Boote, ein Flakgeschütz, ein Raketenwerfer und ein Leuchtturm.

Infos über den Protest gegen das Museum www.tamm-tamm.info

Links:

www.tamm-tamm.info

Zitat:
»Das Konzept soll eine Überraschung für das Publikum werden«

Russalka Nikolov, Geschäftsführerin der Tamm-Stiftung

»Ich befürchte, dass hier eine triviale Technik-Sammlung ohne Geist entsteht«

Wilfried Maier (GAL)

(MOPO vom 03.01.2007 / SEITE 22-23)
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Liebe Grüße
Meike

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