Re: [echo] review: »target: autonopop« im trottoir
Christian 3 Rooosen
3rooosen at gmx.de
Mon Jan 22 19:45:49 CET 2007
Lieber DG Reiß,
1.
ich freue mich über das politische engagement des BBK,
und hoffe, dass ihr einen futuristisch-positiven einfluss auf die politik haben werdet mitpositiven auswirkungen für alle kulturschaffenden.
aber ob ihr nun 100 mitglieder mehr oder weniger haben werdet, dürfte eure politische stimme in gremien weder stärker noch schwächer machen.
deswegen finde ich auch eure mitliederwerbung nicht angebracht.
"Die Mitgliedschaft im Berufsverband
> ist eine Möglichkeit, Künstlerinteressen in Hamburg längerfristig
> durchzusetzen."
s.u.
Ist dieser Verteiler zur Mitgliederwerbung freigegeben?
2.
"Die Arbeitsgruppe hat
> eine wichtige beratende Funktion gegenüber der Kulturbehörde."
s.u.
Welchen Einfluß?, eine Stimme?-von wievielen?
3.
Ich bin, wie einige andere, wieder aus dem bbk ausgetreten, weil die arbeit des bbk-hh vorstandes leider z.t.unzumutbar und inkompetent war. anträge von mitgliedern wurden z.b. auf der jahresmitgliederversammlung einfach unter den tisch fallen gelassen oder nicht mal zur abstimmung gebracht wurden, sodass diese auch unter den tisch fielen und somit nie wieder auf die tagesordung kamen. welchen einfluß hat also ein mitglied in diesem seinem verein? keinen
mfg,
3 Rooosen
-------- Original-Nachricht --------
Datum: Mon, 22 Jan 2007 17:20:36 +0100
Von: "Berufsverband bildender Künstler" <Info at bbk-hamburg.de>
An: "Kunst, Kritik und Kulturpolitik in Hamburg" <echo at soundwarez.org>
Betreff: Re: [echo] review: »target: autonopop« im trottoir
> Liebe Echo-Mitglieder,
>
> der Berufsverband bildender Künstler thematisiert schon seit längerem
> die verschärften Überprüfungen (5% der Mitglieder pro Jahr) durch die
> Künstlersozialkasse und befürchtet, wie Einzelfälle belegen, eine
> verschärfte Situation für Bildende Künstler, die das Erreichen der
> Einkommensuntergrenze (€ 3900) der Sozialkasse nicht dokumentieren
> können. Das teils rigorose Verhalten der Arbeitsagenturen gegenüber
> Bildenden Künstlern, die auf Unterstützung durch Arbeitslosengeld 2
> angewiesen sind, macht die Situation nicht besser.
>
> In Einzelfällen versuchen wir, sowohl den Arbeitsagenturen die
> besonderen Situation der Bildender Künstler zu vermitteln, als auch
> unsere Mitglieder in Sachen Künstlersozialkasse zu unterstützen.
> Darüber hinaus bemühen wir uns, diese Themen in der Politik und
> gegenüber der Kulturbehörde bewusst zu machen. Zu Vertretern der
> Künstlersozialkasse und der Agentur für Arbeit haben wir bereits
> Kontakt aufgenommen.
>
> Erst kürzlich haben wir die Probleme der Künstler in der
> Arbeitsgruppe Bildende Kunst angesprochen. Auch dort ist man besorgt
> über die Verschärfung der sozialen Situation bei den Bildenden
> Künstlern. Angesichts der aktuellen Probleme halte ich es für
> fahrlässig, diese Möglichkeit der Einflussnahme durch pauschale
> Urteile zu mindern. Übrigens: Die Arbeitsgruppe Bildende Kunst
> bündelt sowohl die Interessen der Hamburger Kunstinstitutionen, als
> auch die der Hamburger Künstler (über die Vertreter des
> Berufsverbands und einiger Kunstinitiativen). Die Arbeitsgruppe hat
> eine wichtige beratende Funktion gegenüber der Kulturbehörde.
>
> Selbstverständlich kann der Protest gegen aktuelle Missstände nicht
> laut genug sein. Der Berufsverband selbst kann seinen Beitrag nur
> dazu leisten, wenn er von möglichst vielen Künstlern unterstützt
> wird, die mit ihren Mitgliedsbeiträgen aber auch mit ihrem Engagement
> die Arbeit des Hamburger Verbands und die des Bundesverbands
> überhaupt erst möglich machen! Die Mitgliedschaft im Berufsverband
> ist eine Möglichkeit, Künstlerinteressen in Hamburg längerfristig
> durchzusetzen.
>
> Bei Fragen zu den o.g. Themen geben wir gern Auskunft.
>
>
> Viele Grüsse!
>
> DG Reiß
>
> P.S. Informationen zur Mitgliedschaft finden sich unter www.bbk-
> hamburg.de
> --
>
> Berufsverband bildender Künstler e.V.
>
> Kunsthaus Hamburg
> Klosterwall 15
> 20095 Hamburg
>
> t 040 336514
> f 040 321732
>
> info at bbk-hamburg.de
> www.bbk-hamburg.de
>
>
> Öffnungszeiten des Büros: Mi(10.00-15.00), Do(10.00-17.00)
>
>
> Am 17.01.2007 um 14:51 schrieb cornelia sollfrank:
>
> > zum dritten mal hatte die gruppe »target: autonopop« am vergangenen
> > freitag zu einem "open mic" ins trottoir eingeladen.
> >
> > das grundprinzip des formats "open mic" ist – wie der name schon
> > sagt – dass das mikrofon jedem zugänglich ist. das format stammt
> > aus dem literaturbetrieb, wo autorInnen – mit wenig anderen
> > vorgaben als einer 10minütigen zeitvorgabe – die gelegenheit
> > geboten wird, ihre literarischen werke zum besten zu geben.
> > »target: autonopop« hat das format in den bereich der bildenden
> > kunst übertragen, nicht um künstlerInnen die möglichkeiten zu
> > geben, ihre werke zu zeigen oder vorzuführen, sondern um über DAS
> > öffentlich sprechen zu können, was am drängensten und wichtisten
> > ist für künstlerInnen: den kunstbetrieb, die produktionsbedingungen
> > im betrieb, wichtige entwicklungen in der stadt, das worum es geht
> > oder gehen sollte beim "kunst machen", und und und.
> >
> > öffentlich unzensiert sprechen zu können, das ist
> > gewöhnungsbedürftig, nicht nur im kunstbetrieb, aber auch da. ja,
> > hat man sich vielfach doch bereits mit der position des
> > konsumenten, der zuschauerin, abgefunden bei den zahlreichen
> > "diskussionveranstaltungen". in hierarchischen settings, in
> > konfrontativer anordnung, meistens mit einem mikrofon, das der
> > hauptredner ungern aus der hand gibt, der dann auch soviel und so
> > lange redet, dass kaum zeit bleibt für die angekündigte
> > "diskussion", und wenn, dann zu dem vorgegeben thema – in das man
> > gerade nicht so eingearbeitet ist und sich mit einem unüberlegten
> > beitrag bestenfalls blamieren kann...
> >
> > wo also ist der platz, an dem man merkt, wie schwer es ist, die
> > eigene meinung gut zu begründen, oder wo man feststellen kann, dass
> > die eigene meinung noch nicht so gefestigt ist, weil man viele
> > argumente noch gar nicht erwogen hatte, wo man also laut
> > nachdenken kann, gemeinsam mit anderen, fragen stellen kann, themen
> > auf den tisch bzw. an die wand bringen kann, wo man experimentieren
> > kann mit dem öffentlichen sprechen, wo man lernt, sich
> > auszutauschen und sich auszudrücken, wo man herausfinden kann, dass
> > die eigenen schwierigkeiten nicht "privat" sind, sondern
> > "politisch" und dass es gemeinsamkeiten gibt und womöglich sogar
> > gemeinsames handeln beginnt?
> >
> > der ideale platz für all das und vielmehr ist ein "open mic". das
> > "open mic" ist nicht eine feste gruppe oder ein bestimmtes thema,
> > sondern nur ein FORMAT, in dem sehr viel – fast alles – möglich
> > ist. die drei veranstalter des "open mic" vom vergangenen freitag,
> > michel chevalier, rahel puffert und tobias still fungieren dabei
> > als impulsgeber und moderatorInnen. auf einer langen liste an der
> > wand hängen stichpunkte, die man als anlass für eine diskussion
> > nehmen kann. das prinzip dabei ist, sehr verschiedene ebenen zu
> > mischen und sprünge von "Blockierten Erfahrungen" über "Die AG
> > Bildende Kunst" bis hin zu "Formalismus: moderner Quietismus,
> > heute" zu vollführen.
> >
> > durch die gesamte veranstaltung zog sich erstaunlicherweise das
> > interesse an der AG bildende kunst, die zwar als thema auf der
> > liste stand, aber als eines von fast 40 weiteren. wahrscheinlich
> > kann man das interesse dadurch erklären, dass die AG eine art
> > schnittpunkt ist zwischen offizieller kulturpolitik und der
> > vertretung von interessen der bildenden kunst – die gleich sein
> > sollten den künstlerinteressen – und zumindest lokal einigen
> > einfluss hat auf die produktionsbedinungen von künstlerInnen.
> > sie eignete sich bestens als anlass, grundsätzlich darüber zu
> > streiten, ob eine einmischung in politik und kulturpolitik
> > vonseiten der künstlerInnen wünschenswert und sinnvoll ist oder ob
> > nicht durch das sich-einbringen in die verhältnisse die "wahre"
> > künstlerische haltung automatisch verloren ginge. diese beiden
> > perspektiven standen relativ unvereinbar nebeneinander, wobei die
> > durchwegs von jungen, männlichen künstlern heftig vertretene
> > haltung "hinsehen und weitergehen" – also nicht politisch aktiv
> > werden – etwas mantra-artig und mehr angelernt als reflektiert
> > wirkte und meist bei zwei, drei nachfragen nicht mehr zu tage
> > brachte als heillose widersprüche. denn es bekümmerte durchwegs
> > alle, dass die ksk gerade dabei ist 10% ihrer mitglieder
> > rauszuwerfen, und zwar ausgerechnet diese, die die ksk am meisten
> > benötigen, die die "nur" kunst machen und damit einfach nicht genug
> > verdienen. der dahinter stehende umbau der ksk weg von den
> > bedürfnissen der künstlerInnen hin zu einer kasse der prekären
> > creative industries scheint niemanden weiter zu interessieren.
> > künstlerInnen mit weniger als 5000 euro netteinkommen im jahr
> > fliegen raus (unabhängig vom umsatz). niemand vertritt ihre
> > interessen lautstark. auch hier nur hinsehen und weitergehen? der
> > bezug zur AG bildende kunst hier ist die simple frage: warum tun
> > die oder der BBK nichts? warum organisieren sie keinen protest?
> > warum hat oder nimmt sie keinen einfluss auf die wirklich wichtigen
> > dinge?
> >
> > während einerseits die intransparenz der AG angeprangert wurde,
> > ihre in 30 jahren gewachsene verkrustung, die gegen jegliche
> > reformen resistent ist, ihre einseitigkeit (überalterung), ihr
> > mangelndes engagement und ihre handlungsunfähigkeit, beklagte man
> > ihr beharren auf der wenigen verbliebenen macht, jurys zu besetzen.
> > zwar wurde einem mehrmals vorgetragenen vorschlag, die AG
> > abzuschaffen und eine ganz neue art der interessenvertretung im
> > bereich der bildenden kunst in und für hamburg zu konzipieren,
> > nicht nachgekommen, doch blieb ihre obsoletheit unbestritten sowie
> > ihr anspruch "die" bildende kusnt zu vertreten fragwürdig.
> > gleichzeitig stelle sie nur EIN problem dar unter den vielen
> > problemen der bildenden kunst und der künstlerInnen in dieser stadt.
> >
> > man versuchte auch die diskussion über den artist pension trust
> > zusammenzufassen, was nicht wirklich gelang. über die korruptheit
> > des kunstbetriebes kann sich niemand mehr ernstlich aufregen, die
> > kunst vor der warenförmigkeit und dem regime der marketing-experten
> > zu retten, sie den klauen der "bourgoisie" entreissen, mag
> > ehrenhaft sein, doch bei einer genaueren bestimmung des eigenen
> > standorts und der alternativen vorstellungen und visionen
> > spätestens beginnen die schwierigkeiten. so kam der vorschlag, den
> > apt als beispiel dafür zu sehen, dass der betrieb nicht nur korrupt
> > ist, sondern es inzwischen als so selbstverständlich empfunden
> > wird, dass man es ganz offen zelebriert. wer sollte warum und was
> > dagegen unternehmen? gibt es eine alternative zum (ersten, zweiten,
> > dritten) kunstmarkt? erstaunt stellte man fest, dass allem
> > abgeklärten zynismus zum trotz ein kritischer text michael
> > lingners, veröffentlicht zuerst in "texte zur kunst" immerhin
> > soviel wirbel ausslöste, dass ein in hamburg agierender apt-kurator
> > dazu gezwungen war, aus diesem amt zurückzutreten...
> >
> > egal, welches thema aufgegriffen wurde, eigentlich endete jedes
> > mehr oder weniger bei der frage, worin die künstlerInnen ihre
> > aufgabe sehen, ob ihre arbeit eine gesellschaftliche funktion habe,
> > wie man diese beschreiben könne und nicht zuletzt, wer dafür
> > bezahlen solle. gerade bei jungen künstlerInnen zeigte sich jedoch
> > ein erschreckender zynismus. sie wissen (oder meinen), dass sie
> > verloren haben ohne "yilmaz-conncetion" und versuchen sich
> > gleichzeitig krampfhaft zu klammern an das "andere" der kunst, den
> > moment der freiheit, den sie beim "kunst machen" verspüren.
> > "hinsehen und weitergehen", "nicht nachdenken, sondern kunst
> > machen" – tja, wie machen, unter welchen bedingungen, und für wen,
> > wenn die schnittstellen zur öffentlichkeit fehlen?
> >
> > dabei hängen einige unverbesserliche immer noch der idee einer
> > staatlichen kunstförderung nach. einerseits hoffen sie damit (wie
> > hans haacke), auf der moralisch einwandfreien seite bleiben zu
> > können, sich also nicht an sponsoren, mäzene und sammler und deren
> > oft zweifelhafte interessen verkaufen zu müssen, wobei gleichzeitig
> > von der staatlichen förderung oft und vielleicht absurderweise auch
> > genau die unterstützung der nicht marktgängigen, schwierigen und
> > kritischen kunst verlangt wird.
> > neben einer sehr naiven vorstellung von "staat" und öffentlicher
> > hand als integeren und selbstlosen geldgeber, die dahinter steht,
> > entpuppt sich aber genau dieser staat und seine kulturpolitik
> > gerade als gänzlich neoliberaisiert, d.h. er fördert entweder das,
> > was erfolg im markt verspricht oder das, was seine (z.b.
> > stadtentwicklungs-)politik freundlich illustriert (bsp. hafencity).
> > was dann? also doch kulturpolitisches engagement?
> > oder weiter allein und an allen fronten kämpfen bzw. schleimen?
> >
> > als abschluss einige zitate aus der diskussion, die nicht nur
> > ernst und hoffnungslos, sondern auch teilweise sehr lustig war:
> >
> > -- definition von kunsthochschules: "die ist für die professoren
> > da. damit die künstler, die gute ideen haben, es aber auf dem markt
> > nicht geschafft haben (professoren) auch ein einkommen haben".
> > -- "künstler sollen nicht an ihrer verwaltung teilhaben, weil sie
> > können sich nicht selbst verwalten. künstler können gar nichts
> > verwalten."
> > -- der hamburger kunstbetrieb sei ein "streichelzoo", mit
> > exemplarischen vertretern ihrer spezies: kunstvereinsdirektor,
> > sammler, kritikern, künstlern. -- "künstler erfinden ein einkommen,
> > das sie nicht haben (und zahlen sogar steuern dafür), um in der ksk
> > bleiben können."
> >
> > und vieles, vieles mehr. der abend endete gegen 1 uhr morgens!
> >
> > themen und ebenen so und innerhalb dieses formats zu mischen sieht
> > auf den ersten blick aus wie beliebiger nonsense, schafft aber eine
> > erstaunliche situation: am freitag produzierte es für eine
> > begrenzte zeit, eine gemeinsame, komplexe realität, zu der alle
> > beitragen und die alle teilen konnten, die es wollten. dies gelingt
> > nicht automatisch in offen angelegten situationen, sondern bedarf
> > einer erfahrenen moderation und einer genauen kenntnis der
> > formgebung solcher situationen.
> >
> > www.targetautonopop.org
> >
> > _______________________________________________
> > echo mailing list
> > echo at soundwarez.org
> > http://soundwarez.org/mailman/listinfo/echo
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