Fwd: [echo] zum HfbK-Protest

Ulrike Bergermann ubergermann at gmx.de
Sun Jul 1 10:22:36 CEST 2007


Lieber Herbert und alle,
nur kurz: Dass sich HochschullehrerInnen an die eigene Nase fassen 
sollen, was die Qualität der Lehre angeht, bevor sie Boykotte 
unterstützen, ist die eine Sache (ich finde: im Prinzip ja, aber akut 
nicht unbedingt). Dass in Deinen "Anmerkungen" mehrfach die Bezeichnung 
"kindisch" für die boykottierenden HbK-Studierenden auftaucht, ist 
allerdings merkwürdig. Kindisch weil: zu unrealistisch gegenüber einer 
Welt, die nun mal so ist und da hätte man halt früher aufstehen müssen? 
Oder kindisch weil zu sehr auf die eigene Hochschule schauend? 
Überzeugt mich beides nicht. Hätten mehr Studierende der Unis ihre 
Gebühren aufs Sperrkonto überwiesen, könnte man anders über eine 
Verbesserung von Lehre etc. nachdenken.
LG Ulrike

Anfang der weitergeleiteten E-Mail:

> Von: "Herbert Hossmann" <herbert.hossmann at gmail.com>
> Datum: 30. Juni 2007 19:37:10 MESZ
> An: echo at soundwarez.org
> Betreff: [echo] zum HfbK-Protest
>
> Anmerkungen zum
>
> ●    offenen Brief von 19 Hochschullehren (unter etwa 40) an Senator 
> Dräger
> (In brennender Sorge),
> ●    zum Aufruf der Studierenden (Die Lage an der HfbK spitzt sich zu 
> !!!)
> und
> ●    zum Bericht von Rahel über die Versammlung der Boykottierenden am 
> 25.
> 6.2006 (Die HfbK scheint heute noch die Avantgarde zumindest der
> riskantesten Entwicklungen zu sein)
>
> Der Gebührenboykott  von etwa der Hälfte der Studierenden der HfbK wird
> meiner Meinung nach von  Hochschullehrern, Studierenden und ihren
> Sympathisanten mit falschen Argumenten und verbal emotional 
> hochgepeitscht
> geführt.  Dies ist bedauerlich, denn es macht es den Verantwortlichen
> leicht, ihre Strategien gegen einen Teil der  Studierenden und einen 
> Teil
> der Hochschullehrer durchzusetzen, ohne die tatsächlichen Probleme
> ansprechen zu müssen. Offenbar wähnen sich die „Rebellen" in einem
> besonderem Schonraum, den sie meinen verteidigen zu müssen, doch diesen
> Schonraum gibt es schon lange nicht mehr. Gemerkt hat dies bloß 
> niemand.
> Selbst wenn eine Exmatrikulation von rd. 300 Studierenden an der HfbK
> erfolgen sollte, könnte wirklich jemand ernsthaft glauben, dass dies 
> zum
> Ende künstlerischer Hochschulausbildung in Hamburg führen muss oder 
> irgend
> jemand in der Stadt aufregen wird?
>
> Die HfbK ist keine Verwahranstalt für künstlerisch hochbegabte junge
> Menschen, die die Chance erhalten, betreut von anerkannten Akteuren der
> Kunstszene, in einem Schonraum zu reifen, sondern eine wissenschaftlich
> künstlerische Hochschule, die den übrigen Hamburger Hochschulen
> gleichgestellt ist und wie diese auch, ihren Studierenden eine
> hochqualifizierte Berufsfähigkeit innerhalb eines bestimmten zeitlichen
> Rahmens vermitteln soll.
>
> Die Studierenden der HfbK haben keine Sonderstellung innerhalb der 
> Hamburger
> Studentenschaft. Welcher Grund sollte auch darin bestehen, einen
> Kunststudenten der HfbK im Hinblick auf seine unsicheren Berufschancen
> gegenüber einem Philosophiestudenten der Universität, der häufig 
> ebenfalls
> Einstiegsprobleme im Beruf hat, zu bevorzugen. Im übrigen hat der
> Kunststudent nach Abschluss seines Studiums wesentlich bessere Chancen,
> gefördert zu werden, als sein Kollege in der Universität.
>
> Wenn überhaupt liegt der Skandal der Einführung von Studiengebühren  im
> Bruch der politischen Zusagen, hiermit solange zu warten, bis die
> Hochschulen in der Lage sind, eine qualifizierte Ausbildung nicht nur 
> zu
> versprechen, sondern tatsächlich auch anzubieten. Dass die Hochschulen
> hierzu derzeit nicht in der Lage sind, belegen insbesondere die 
> erheblichen
> Überschreitungen der Regelstudienzeiten und die mangelhafte Betreuung 
> der
> Studierenden durch die Hochschullehrer. Mit dem Trick, Studiengebühren
> ausschließlich zur Verbesserung der Lehre zu verwenden, wird im 
> Ergebnis den
> Studierenden abverlangt, was die Hochschulen und die Politik bisher 
> nicht
> hinreichend geleistet haben. Doch auch dieser Einwand gegen die 
> Erhebung von
> Gebühren wäre lediglich moralisch und taugt nicht für eine 
> grundsätzliche
> Verweigerung der Zahlung einer vom Gesetzgeber normierten 
> Gebührenpflicht.
>
> Statt also eine kindische (unpolitische) Aktion zu betreiben, die im
> Ergebnis allen schadet, sollten sich die Studierenden darauf 
> konzentrieren,
> ihre Rechte, wenn möglich auch im Klageweg, einzufordern, nämlich die 
> ihnen
> zugesagte Ausbildung auch zu erhalten. Bei nicht ausreichender
> Ausbildungsleistung der Hochschule kann der Studierende seine 
> geleisteten
> Gebühren zurückverlangen. Die Einführung der  BA/MA Studienstruktur 
> wird ihm
> die Durchsetzung seiner Ansprüche erheblich erleichtern.
>
> Vor diesem Hintergrund erscheint es lächerlich, wenn die 
> Hochschullehrer in
> ihrem offenen Brief so tun, als wenn sich erst durch die Erhebung von
> Studiengebühren die Situation der Hochschule derartig verschlechtert, 
> dass
> eine renommierte Ausbildung nicht mehr gewährleistet ist. Denn Sie und 
> nicht
> die Politik, sind  für die Ausbildung inhaltlich verantwortlich. Und 
> dass
> aus der HfbK überdurchschnittlich viele namhafte Künstler mit
> internationaler Karriere hervorgegangen sind, liegt nicht so sehr an 
> der
> herausragenden Qualität ihrer Hochschullehre, sondern daran, dass sich 
> die
> Hfbk in einer attraktiven Großstadt mit einem „anziehendem und 
> spannendem
> sozialen Milieu" befindet.
>
> Jedenfalls kann ich dies für Anna Oppermann sagen, die nach den ersten 
> vier
> Studiensemestern in der HfbK ihren Sohn bekam und danach die 
> Hochschule kaum
> noch betreten konnte. An ihrer internationalen Karriere haben die
> Ausbildungsleistungen der Hochschullehrer der HfbK den geringsten 
> Anteil
> gehabt. Ähnlich haben sich in jüngerer Zeit auch Fath Akin und Jonathan
> Meese öffentlich geäußert. Wenn Hochschullehrer der HfbK von 
> individuellen
> Tragödien der betroffenen Studierenden sowie einer drohenden 
> kulturellen
> Verarmung Hamburgs reden, sollten sie sich zunächst an die eigene Nase
> fassen, statt die Studierenden in ihrem riskantem und kindischem 
> Verhalten
> zu unterstützen. Jedenfalls wir Außenstehenden sollten hierfür kein
> Verständnis haben.
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