[echo] Eine Möwe beißt sich durch

cornelia sollfrank cornelia at snafu.de
Sat Jul 21 12:36:44 CEST 2007


taz, 21.07.2007

Eine Möwe beißt sich durch
Der Biss eines Polizeihundes vor dem Mövenpick-Hotel löste am späten  
Donnerstag Abend Proteste aus. Anwohnerinnen und Hotelgegner machen  
Krach - gegen die Polizeipräsenz im Schanzenpark

von KAI VON APPEN

Die Gäste des noblen Mövenpick-Hotels hatten von Donnerstag auf  
Freitag keine ruhige Nacht. Rund 80 Personen versammelten sich am  
späten Donnerstagabend vor dem neuen umstrittenen Hotel im Wasserturm  
und zogen mehrmals um das Backstein-Denkmal herum. Dabei skandierten  
sie: "Wir machen Krach und ihr seit wach."

Auslöser der ersten ungeplanten Unruhe waren ausgerechnet diejenigen,  
die laut städtischem Auftrag für Ruhe zu sorgen haben: PolizistInnen.  
Am Vorabend war Annette W. direkt vor dem Restaurants des Hotels auf  
der gläsernen Ebene von einem Polizeihund gebissen worden. Der  
Hundeführerin war der Schäferhund ohne Maulkorb offensichtlich völlig  
außer Kontrolle geraten. In dem Tohuwabohu habe sie sogar ihren  
Kollegen geraten, vor dem Tier auf Distanz zu gehen.

"Dass schwere Verletzungen ausgeblieben sind, ist nur dem Umstand zu  
verdanken, dass die Frau ihren Arm still hielt", sagen medizinische  
Ersthelfer. Annette W. erlitt schmerzhafte Bisswunden an Unterarm und  
Ellenbogen, die die Handbeweglichkeit einschränken. Sie kann in den  
nächsten Tagen ihrer Arbeit als Krankenpflegerin nicht nachgehen.  
Nach der ärztlichen Erstversorgung habe sie einen Platzverweis  
erhalten, berichtet das "Freie Netzwerk zum Erhalt des Schanzenparks".

Laut Netzwerk war es der dritte Vorfall binnen weniger Tage, seit  
Polizei dazu übergegangen sei, mit Hunden auf Patrouille zu gehen,  
die nach dem Hundegesetz des Senats als "Kampfhunde" eingestuft  
werden müssten. So sei unter anderem auch ein Mann beinahe Opfer  
einer Bissattacke geworden, als er seine Papiere zwecks Personalien- 
Überprüfung einem Polizisten überreichen wollte. Eine Frau, die ihren  
Hund ohne Leine im Schanzenpark ausführte, sei von Polizisten  
aufgefordert worden, mit ihrem Vierbeiner zu verschwinden, sonst  
könne es sein, dass ihr Hund zerfleischt würde.

Auf Initiative des Netzwerk versammelten sich am Donnerstag gegen  
22.30 Uhr zunächst rund 50 Personen vor dem Hauptportal des  
Wasserturm-Hotels: "Mövenpick beißt sich durch", stand auf einem  
Transparent, "Bullengewalt stoppen", auf einem anderen. Peter Hass,  
vom Netzwerk forderte dazu auf, trotz der jüngsten Vorfälle "den Park  
zu nutzen". Bei der Umrundung des Turms rammten sie am Hundebiss- 
Tatort ein Warnschild mit großen Lettern in den Boden: "Vorsicht  
freilaufende Hunde". Dazu die Warnung; "Wenn ein Hund kommt, flach  
auf den Boden legen." Danach solle mensch sich ruhig verhalten und  
auf fremde Hilfe warten.

Da die Aktion über das linke Internet-Portal Indymedia am Abend  
angekündigt worden war, begleitete eine Hundertschaft Polizisten die  
lautstarken Rundgänge um den Turm. "Wir haben Spaß und ihr habt  
Schicht", spotteten die Protestler. Bei dem Spruch "Zivis wir sehen  
Euch" platzte einer blonden Undercover-Beamtin mit Pferdeschwanz der  
Kragen "Wir euch auch", stammelte sie unüberhörbar und sichtlich  
genervt ihren in Öko-Outfit getarnten Kolleginnen zu.

Am 28. Juli soll erneut demonstriert werden. Aufgrund des Anwohner- 
Widerstands war das 200 Betten umfassende Mövenpick-Hotel Anfang Juni  
nicht wie sonst üblich mit großem Brimborium in Betrieb genommen  
worden, sondern, wie es die Hotelchefin formuliert: "Schleichend".

Die Strategie der Hotel-Gegner läuft darauf hinaus, das Hotel durch  
gezielte Proteste in den Ruin zu treiben.


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