[echo] c&v_vol.#2: zwischen copyright und copyleft

doro carl doro at abbildungszentrum.de
Mon Mar 26 14:51:49 CEST 2007


Das Künstlerhaus Hamburg, F for Frise und das Abbildungszentrum
Arnoldstrasse 26, 22765 Hamburg-Ottensen
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"Copieren und Verfälschen" - Vol.#2 : Zwischen copyright und copyleft



Mittwoch, 28.3.2007, Beginn 20:30 Uhr

"Collage und Copyright" - Welt als Material vs. Urheberrecht,  
Sebastian Burdach

Die beiden Begriffe werden in Beziehung zueinander gesetzt. Collagen,  
als "Malerei ohne Malerei", als Prinzip, entstanden selbst einmal aus  
theoretischen Diskussionen in der Malerei des frühen 20.  
Jahrhunderts, werden inzwischen von wirklich jedermann hergestellt.  
Dennoch landet aber manche Papiercollage auch 2006 noch vor Gericht,  
wie ein Verbrechen - weil sie angeblich Rechte verletzt. Was für eine  
merkwürdige Grauzone ist hier eigentlich entstanden?

Anschliessend Filmvorführung "Can Dialectics break bricks?",  
zweckentfremdeter Spielfilm von Rene Vienet, 1974







Vol.#2 : Zwischen copyright und copyleft

Aus der zeitgenössischen Kunst ist die Verwendung vorhandenen Kultur-  
und Gedankenguts so wenig fortzudenken wie die damit einhergehende  
Infragestellung von Autorenschaft, Originalitaet und Urheberrecht.

Die Idee von „Geistigem Eigentum“, das Beharren auf der  
Abgeschlossenheit von Werken, auf eindeutige Autorenschaft und deren  
rechtlicher Schutz widersprechen künstlerischen Erwägungen,  
Strategien und Herangehensweisen, wie sie u.a. als „Appropriation  
Art“, „Sampling“ und Arbeiten mit „found footage“ bekannt sind.

Sie spiegeln sich in den heutigen Urheberrechts-Gesetzgebungen, die  
Künstlern eine ungenehmigte "freie Bearbeitung" von fertigen Werken  
Anderer grundsätzlich gestatten ("fair use"). Neue Lizenzmodelle wie  
"Creative Commons" sollen in diesem Geist eine freiere Verfügbarkeit  
von Werken ermöglichen.

Die durch fortschreitende Digitalisierung bedingte  
Reproduzierbarkeit, Simulierbarkeit und Manipulierbarkeit nahezu  
sämtlicher Betätigungsfelder wissenschaftlichen, künstlerischen und  
gesellschaftlichen Wirkens verstärkt auch das Bemühen um Definition  
und Eingemeindung des daraus erwachsenden kulturellen und  
ökonomischen Neulands.

Vermehrte Wahrnehmung und Kommerzialisierung geistiger  
Eigentumsrechte führt zu Einschränkungen bis zu gerichtlichen  
Auseinandersetzungen, in denen sich bildende KünstlerInnen für ihre  
Arbeiten verantworten müssen.

Wie verhält sich der Schutz von Eigentumsrechten zur grundrechtlich  
festgeschriebenen "Freiheit der Kunst"? Welche Claims werden hier von  
wem abgesteckt? Mit welchen konkreten rechtlichen Problemen sind  
Künstler derzeit konfrontiert, und wie koennen sie damit umgehen?  
Sind Kuenstler auf den Schutz ihrer Einkuenfte durch das Urheberrecht  
angewisen? Welche oekonomischen Alternativen gibt es dazu? Welche  
theoretischen Diskussionen bilden dabei das Spielfeld?

Diese und viele andere Fragen erörtert Vol#2 in Vorträgen, Aktionen,  
Performances, Dokumentationen und einer prozesshaft wachsenden  
Ausstellung, zu der alle Teilnehmenden beitragen.

Mit Sebastian Burdach, Cornelia Sollfrank, Dr. Anke Schierholz (VG  
Bild-Kunst), Reproducts, Florian Cramer, Claudia Reiche/ Andrea Sick  
(thealit Frauen.Kultur.Labor Bremen).



weiteres Programm:


Mittwoch, 4.4.2007


"Performative Urheberrechtsverletzung: Anonymous, Warhol Flowers",  
Cornelia Sollfrank

Mit ihren Arbeiten hat sich Cornelia Sollfrank in den letzten Jahren  
angesiedelt im Bereich der unüberwindbaren Grenze zwischen  
künstlerischer und juristischer Logik. Hier ist eine herrlich absurde  
Welt entstanden, in der Richter definieren, was Kunst ist, Anwälte zu  
Kunstwerken werden, und eine Künstlerin sogar Kontakt mit einem Toten  
aufnehmen muss, um endlich Rechtsklarheit zu schaffen. Dabei geht es  
nur um ein paar Blumen – genauer gesagt um das Bild von ein paar  
Blumen. Wer dieses Bild gemacht hat, lässt sich nicht klären. Es  
kommt einem aber irgend wie bekannt vor…



Mittwoch, 11.4.2007

„Appropriation Art und weitere juristische Unmoeglichkeiten”, Dr.  
Anke Schierholz (VG Bild-Kunst)

Dr. Anke Schierholz stellt die Arbeit der VG Bild-Kunst vor, die im  
Spannungsfeld von Schutz von Werk und Kuenstler und groesstmoeglicher  
kuenstlerischer Freiheit angesiedelt ist.



Mittwoch 18.4.2007

Präzedenzfälle aus dem Schaffensprozess - REPRODUCTS

Filmvorführungen und Vortrag,

Die Künstlergruppe REPRODUCTS wurde im Jahr 1990 zum Zweck der  
Sammlung, Weiterverarbeitung und Umwertung von vorgefundenen  
Medienmaterialien gegründet. Ziel der Arbeit ist das Aufspüren,  
Freilegen und Reinigen von Schnittstellen zwischen Privatheit und  
Öffentlichkeit. Berührungen mit dem Urheberrecht sind dabei  
unvermeidlich.


Mittwoch, 25.4.2007

Ausstellung geöffnet ab 19 Uhr

  Text dazu kommt noch



Samstag, 28.4.2007, Beginn 18:00Uhr

"All rights reversed?" – Freie Lizenzen in der Kunst, Florian Cramer

Die freie Verfügbarkeit von Werken durch Lizenzen zu regeln, ist das  
scheinbare Paradox von Freier Software und Open Source wie Linux und  
Mozilla. Das "Copyleft" der GNU General Public License (GPL) dreht  
das Urheberrecht so um, daß es freie Nutzungen nicht mehr unter  
Vorbehalt stellt, sondern sichert. Im Internet-Zeitalter ist dieses  
Prinzip nicht nur für Programmierer, sondern auch für Autoren und  
Künstler interessant geworden. Während Medienkonzerne und  
Rechteindustrie aufrüsten und in Angst um ihre Geschäftsgrundlagen  
dazu übergegangen sind, ihre eigenen Kunden technisch zu gängeln,  
abzumahnen und zu verklagen, suchen KünstlerInnen und AutorInnen nach  
Alternativen zur traditionellen Copyright-Kultur und veröffentlichen  
Texte, Bilder, Töne unter freien Lizenzen. Wikipedia und "Creative  
Commons" sind die prominentesten Beispiele dieser sogenannten "Open  
Content"-Bewegung.

In der Praxis allerdings gibt es Mißverständnisse, Probleme – die  
verwirrende Vielzahl zueinander inkompatibler Lizenzen zum Beispiel -  
und ungeklärte Fragen: Was wird mit freier Lizenzierung beabsichtigt,  
was hingegen wirklich gewonnen? Welche Lizenzen soll man nehmen, und  
ist sie im Ernstfall vor Gericht durchsetzbar? Wie ist ihr Verhältnis  
zu den Verwertungsgesellschaften? Fördern sie unfreiwillig die  
Ausbeutung von Künstlern? Was haben Künstler bei der Formulierung der  
Lizenzen zu sagen? Und welche Copyright-Kritiken und -Alternativen  
haben sie seit den Avantgarden des 20. Jahrhunderts selbst formuliert?

im Anschluss: "public library" Videodokumentation der gleichnamigen  
Ausstellung, die 2004 im Rahmen der Konferenz WOS3 (Wizards of  
Operating Systems) in Berlin stattfand und von Inke Arns und Florian  
Cramer kuratiert wurde. In der Ausstellung vertreten waren Arbeiten,  
die sich mit Informationsfreiheit und Wissensallmende  
auseinandersetzen. http://www.wizards-of-os.org/index.php?id=58  
Dokumentation: SCUM – Society for Cutting Up Media, 2005



Mittwoch, 2.5.2007

"Von Wortmarken und Konzepten: Ein Angriff auf die Arbeit des  
Frauen.Kultur.Labors und wie dieser pariert wurde",  Claudia Reiche /  
Andrea Sick (thealit Frauen.Kultur.Labor Bremen)

Die gegenwärtige Ausstellung des Frauen.Kultur.Labors thealit in der  
Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen trägt den Titel „[open]  
spaces. States of political and media space exhibited.” Dieser Titel  
war nicht immer vorgesehen, sondern kam durch die Abmahnung des  
Inhabers einer Wortmarke mit dem Markentext „Empty Spaces“ zustande.  
Dieser hatte seine Marke für insgesamt 52 Verwendungszwecke schützen  
lassen, auch für die „Organisation und Durchführung von kulturellen  
und/oder sportlichen Veranstaltungen“. Wie der Streit zwischen dem  
Frauen.Kultur.Labor und dem preisgekrönten, geförderten  
Jungunternehmer ablief, wird in Hinblick auf das Markenrecht  
berichtet – und was dies alles mit dem Ausstellungskonzept von zu tun  
hat. Der Markeninhaber ist auch eingeladen. http://thealit.de/lab/ 
donotexist/exhibit.htm



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FRISE, Künstlerhaus und Abbildungszentrum, Arnoldstrasse 26, 22765  
Hamburg

Falls nicht nicht anders angegeben, geöffnet immer ab 19:00, Beginn  
20:30
Aktuelles Programm und fortlaufende Dokumentation älterer  
Veranstaltungen unter www.frise.de/fake







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