[echo] HA übers "Kunst-Podium"

Ulrike Bergermann ubergermann at gmx.de
Sat Nov 17 13:22:12 CET 2007


erschienen am 17. November 2007
http://www.abendblatt.de/daten/2007/11/17/817356.html

Kunst-Podium
Reden ist eher einfach - Handeln kostet

Am Anfang war das Geld, am Ende steht die Finanzbehörde. Klar umrissen 
waren die Ziele der Hamburger Kunst-Off-Szene, die  Kultur-Vertreter 
von SPD, Grünen und CDU ins Westwerk geladen hatten.  Nach ihrem 
europaorientierten Festival "Wir sind woanders #2"  forderten sie eine 
Verdoppelung der Gelder (bislang 180 000 Euro),  mehr Zuwendung seitens 
der Stadt sowie einen generellen Etat, der für  alle kulturellen 
Off-Szenen zur Verfügung steht. Hauptargument der Off-Szene dabei war 
ihre rasante Entwicklung: Von 2005 bis heute stieg  die Zahl der 
Künstlerhäuser von acht auf 30. Und immer mehr schöpft  die 
Kulturwirtschaft die kreative Sahne ab, die die Off-Szene zuvor in  
mühseliger Arbeit und Selbstorganisation gewonnen hat.  So weit einig 
waren sich Dorothee Stapelfeldt (SPD), Willfried Maier (Grüne) und 
Brigitta Martens (CDU), dass hier Handlungsbedarf  existiert. Maier 
nutzte sogleich den bevorstehenden Wahlkampf, um auf  eines der Ziele 
seiner Partei: mehr Gelder für die Kultur,  hinzuweisen. Vor allem 
Stapelfeldt und Maier zeigten aber sogleich die  Grenzen ihres 
Goodwill-Ansinnens auf. Mehr als engagieren geht nicht.  Irgendwann 
kommen die Fraktionen mit ihrem Kampf um die Verteilung der  Gelder und 
am Ende die Finanzbehörde. Wer da keine starke Lobby hat,  der geht mit 
leeren Taschen nach Haus. Zwischen den Zeilen gelesen war  das die 
Botschaft der geladenen Partei-Vertreter: Macht mehr  öffentlichen 
Druck auf die Parteien. Denn trotz aller Beteuerungen  und schön 
geschriebenen Statistiken hat sich die Bedeutung der  Kulturwirtschaft 
für die Hansestadt bislang noch nicht bei den ranghöchsten Politikern 
ins Herz geschrieben.  Schön geredet, aber für die versammelte 
Off-Szene doch etwas  enttäuschend. Leicht wurde sie aus ihren 
romantischen Träumen  gerissen, dass auf der einen Seite die autonome 
und kreative Szene mit  ihren innovativen Ideen sitzt und auf der 
anderen Seite eine  fürsorgliche Stadt notwendige Mittel und 
mütterlichen Schutzraum  bereitstellt. Noch immer sind es die 
Leuchtturmprojekte,  Elbphilarmonie und ähnliche Vorhaben, mit denen 
Politiker sich  schmücken. Kein Grund allerdings zur Resignation. 
Gerade jetzt sollte  die wachsende Off-Szene mehr Biss zeigen, so wie 
dies eine angriffslustige Birgit Durbahn des FrauenMedienprojekts 
Bildwechsel während der Diskussion bewies. Sie muss ihre 
Daseinsberechtigung nicht nur durch Statements legitimieren (Motto: Wir 
leisten kulturelle  Grundlagenforschung), sondern mit einem 
beeindruckenden Katalog ihrer  Leistungen belegen. Das könnte die 
Politik dann doch arg in  Bedrängnis bringen. Vielleicht erwärmt sich 
eine kommende  Politikergeneration einmal lieber im kulturellen Umfeld 
als beim wöchentlichen Starren auf den grünen Rasen im Fußballstadion.  
wj 


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