[echo] [Fwd: [hfbk] Chaos an der HfBK. Erklärung!]

ulf freyhoff ulf.freyhoff at gmx.net
Thu Oct 4 13:47:26 CEST 2007


zur kenntnis:

-------- Original-Nachricht --------
Betreff: 	[hfbk] Chaos an der HfBK. Erklärung!
Datum: 	Wed, 3 Oct 2007 18:09:02 +0000
Von: 	hfbk at hfbk.de
Antwort an: 	hfbk at hfbk.de
An: 	hfbk at hfbk.de




 

 

Wir sind Studenten der Hfbk, die regelmäßig an dieser Schule anwesend sind.

Die Arbeitssituation  an dieser Schule ist zunehmend uninspirierend 
geworden, klinisch weisse Wände, verschlossene Ateliertüren, 
Unsichtbarkeit der Arbeiten, die von den Studenten gemacht werden. Wir 
empfinden eine zunehmende Einschränkung der Freiheit im Arbeiten durch 
das Eindringen wirtschaftlicher Werte in den eigentlich autonom 
gedachten Bereich der Hochschule. Die Schule als white cube, der die 
Kunst nur zur Jahresausstellung zulässt, ist nicht in unserem Interesse. 
Wir empfinden dieses keimfreie Aufpolieren und Ausklammern etwaiger 
Diskurse, die durchaus auch eine offenbar unerwünschte 
gesellschaftspolitische Relevanz aufweisen würden, als Vorboten für die 
gesamte Umstrukturierung unseres Studiums. Wenn Sudenten für die 
Präsentation ihrer Arbeit weisse Wände brauchen, sind sie grundsätzlich 
in der Lage, sich dazu zu verhelfen. Es wird von uns als eine klar 
intendierte politische Handlung empfunden, die Schule in derartig hoher 
Wiederholung und Sisyphusarbeit zu weisseln, während woanders Gelder 
offensichtlich fehlen. Wir fragen uns, in welchem Interesse hier 
gehandelt wird. Wir wollen die indirekte, unfreiwillige Involviertheit 
in diese Handlungen durch ihre permanente Präsenz in unserem 
Hochschulalltag in eine aktive Partizipation an diesen Prozessen umkehren. 

 

Die Hochschule muss in unseren Augen Freiraum und Inspirationstätte für 
die künstleriche Arbeit ihrer Studenten sein, was auch die Anwesenheit 
ihrer Spuren impliziert. Weiterhin fragen wir uns, inwieweit sich die 
räumlichen Gegebenheiten und die Gestaltung auf den künstlerischen 
Ausdruck der studentischen Subjekte auswirken.

 

In einer Institution, in der auf akademischer oder wissenschaftlicher 
Ebene freie Kunst gelehrt werden will, sollte der Bildung freier 
Netzwerke eine gleichermassen didaktische oder lehrende Relevanz 
beigemessen werden wie beispielsweise einem Arbeitsgespräch mit 
Professoren.

Als Studenten, die für ihre Entwicklung eine heterogene Kombination aus 
Wissen, Austausch und Anregungen brauchen und wollen, benötigen wir eine 
Schule, welche Ordnung, Unordnung, Affirmation und Kritik gleichermassen 
zulässt. Wir wollen ein lebendiges Klima im ganzen Gebäude, 
Lebendigkeit  in dem Sinne, das vorhandene Strukturen prozessual 
verhandelt werden. 

Wir als Studenten möchten uns das offenbar verloren gegangene Recht 
wieder-aneignen, die Prozesse an unsere Hochschule künstlerisch zu 
hinterfragen, zu verwerfen und neu zu erfinden. 

 

Aus dieser Argumentation ergibt sich die Dringlichkeit einer Geste. Die 
Aktion besteht aus 2 Punkten:

DIONYSISCHES FEST und APOLLINISCHE ORDNUNG

 

Zum Semesterbeginn in der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 
findet der explosive, emotionale Ausbruch aus der sich aufgestauten und 
von uns geschilderten Situation statt. Dabei soll es nicht darum gehen, 
bestimmte Körper der Hochschule singulär anzugreifen, sondern darum, die 
zunehmend corporative Strukturierung der Hochschule als auch die 
strukturell organisierte und neoliberal verschleierte Entmündigung der 
Studenten zu reflektieren. Wir agieren mit den uns zur Verfügung 
stehenden Mitteln auf die penetrante Einschreibung in unseren 
Lebensraum, zu dem wir eine Bildungseinrichtung durchaus zählen. 

Unser Eingriff in die Hochschule soll über einen bestimmten Zeitraum 
bestehen bleiben und zu einem Diskurs über die aktuell spürbaren 
Veränderungen anregen.

 

Nach zwei Wochen folgt die apollinische Ordnung.

 

Wir bestehen darauf, unsere Aktion bei Tage am 13. Tage zu beenden, 
indem wir die Wände weiss streichen, weil wir niemandem unsere aus dem 
Dionysischen Chaos entstandene Ästhetik aufzwingen wollen. 

 

Diese Aktion ist von uns als künstlerischer Akt intendiert und soll 
nicht in vandalistischem Sinne verstanden werden. Desweiteren hat sich 
unser Zusammenschluss nicht aus dem Trimester ergeben.



 


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