[echo] Aufruf: Wi ß mannklappe - wandsbektransformance

Bahari Ndogo bahari1 at gmx.de
Tue Sep 11 08:01:44 CEST 2007


wandsbektransformance - die Gegenwart des Kolonialen
http://www.wandsbektransformance.de

A U F R U F

Wißmannklappe

bewegte Skulptur  .  mobile Sammelstelle
http://www.wandsbektransformance.de/klappe.html
von Jokinen

Samstag, 15.9.07 11-17 Uhr
im Rahmen des ’wandsbektransformanceŒ-Aktionstages im Bereich der
Schimmelmannstraße steht die Wißmannklappe an der Ecke zum Dominikweg.

Einladung
zum Hinterlassen von
Denkmalstücken und Erlebnisberichten
Ideen und Skizzen
Bildern und Fundstücken
Gedanken und Zeichnungen
Texten und Träumen 
- nicht nur zum Wißmann-Denkmal

Die Denkmäler "wurden nicht bloß vandalistisch zertrümmert, sondern häufig
kunstgerecht zerlegt, die Überreste nicht selten aufbewahrt oder sogar zur
Erinnerung verteilt, insofern ihrerseits zu Denkmälern aufgewertet."
So Winfried Speitkamp über mitgenommene 'Trophäen' in seinem Buch
'Denkmalsturz'.


Was ist die Wißmannklappe?
Das Kolonialmonument Hermann von Wißmanns hat eine bewegte Geschichte: das
Standbild Wißmanns ist mehrere Male gestürzt worden. Darum fehlen
Denkmalstücke, die unter Umständen als ’TrophäenŒ mitgenommen wurden.

Die Wißmannklappe funktioniert wie eine anonyme Abgabestelle für
'angeeignete' Denkmalstücke und Erlebnisberichte. Die Denkmal-Reste werden
gesammelt, um die fehlenden Stücke als eigenständige Objekte und
Erinnerungsspuren auszustellen.

Aber die Wißmannklappe ist noch viel mehr. Sie ist eine weit aufgefasste
Sammelstelle für Bilder, Ideen und Skizzen, für Poesie und Zeichnungen,
Texte und Träume. Wie ein Schrein ist sie ein Ort des Gebrauchs und der
Imagination. 

->  Alle sind  eingeladen,  Ideen und Gedanken, Bilder und Gegenstände zum
(Post)kolonialen zu hinterlassen.

Die gesammelten Stücke und Botschaften werden 4.3.-6.4.2008 im Rahmen der
wandsbektransformance-Ausstellung im Kunsthaus Hamburg ausgestellt.

_____________________________________________________________


Denkmalsturz
Denkmäler sind in der Menschheitsgeschichte schon immer gestürzt worden. Die
Denkmäler wurden nicht immer zertrümmert, sondern vielfach sorgfältig
zerlegt, die Überreste häufig zur Erinnerung aufbewahrt.  Denkmalstürzer
haben manchmal kleine Stücke als ’TrophäenŒ mitgenommen.

Das Hamburger Kolonialdenkmal Hermann von Wißmanns
Das wilhelminische Denkmal zeigt Wißmann in herrschaftlicher Pose hoch oben
auf seinem Sockel, unter ihm ein toter oder schlafender Löwe und ein
afrikanischer Askari-Soldat, der ergeben zu seinem ’weißen HerrnŒ
emporblickt.  

Kaum ein anderes Denkmal hat eine derart bewegte Geschichte. Es ist nicht
nur interkontinental gereist, sondern auch durch verschiedene Epochen der
Verehrung und Verachtung hindurch gegangen.


Wem ist das Denkmal gewidmet?
Hermann von Wißmann (1853-1905) war preußischer Offizier, Afrikareisender,
Reichskommissar und schließlich Kolonialgouverneur in 'Deutsch-Ostafrika'.
Bei seinen Zeitgenossen war Wißmann umstritten. Bei sog. 'Strafexpeditionen'
in der Kolonie praktizierte er die 'Politik der verbrannten Erde': plündernd
und branschatzend zog er mit seiner 'Wißmanntruppe' durch afrikanische
Dörfer. Prügel- und Todesstrafe waren an der Tagesordnung. Nach seinem Tod
und insbesondere in der Nazizeit wurde Wißmann zum Kolonialhelden
mythifiziert und hochstilisiert. Die sog. 'Kolonialbewegung' brauchte für
die erneut aufflackernden Kolonialbegehrlichkeiten eine mediale Leitfigur.
Wißmanns Denkmal vor der Universität Hamburg wurde zur wichtigsten
Kolonialweihestätte Deutschlands.

Wandsbek ehrt den Kolonialherrn Wißmann mit einer Straße.* Insgesamt  finden
sich in Deutschland 21 Straßen, die nach Wißmann benannt sind. In vier
Städten wurden die Wißmannstraßen umbenannt.


Was fehlt am Denkmal?
Das bronzene Wißmann-Standbild liegt im Keller der Sternwarte Bergedorf. An
seinem wechselhaften Schicksal und seiner spurenübersäten geschichtlichen
Haut lässt sich beispielhaft (post)koloniale Mentalitätsgeschichte ablesen.
Das mehrfach transportierte und gestürzte Denkmal ist arg mitgenommen: Die
Sockelfigur stützt seine bronzene Hand auf einem preussischen Säbel, der
nicht mehr vorhanden ist; der Löwe vermisst seine eherne Schwanzspitze, der
afrikanische Askarisoldat hat die Klinge seines Feldmessers verloren und am
Ende der Fahnenstange klafft ein Loch. Es ist zu vermuten, dass hie und da
in Hamburger Haushalten Denkmalreste zu finden sind, die als ’TrophäenŒ
mitgenommen wurden. Die Wißmannklappe bietet die Möglichkeit an, diese
Stücke anonym abzugeben - darüber hinaus ist sie eine Sammelstelle für Ideen
und Skizzen, Bilder und Fundstücke, Gedanken und Zeichnungen, Texte und
Träume. 


* An der Wißmannstraße stellt Jokinen am 15.9.07 und 16.9.07 ihre
Installation ’Eine Tafel für die WißmannstraßeŒ aus.



More information about the echo mailing list