[echo] Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg 1919-1969

Ina Hattebier ina at hattebier.de
Wed Apr 23 16:40:28 CEST 2008


Einladung zur Eröffnung der Ausstellung

Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg 1919-1969

 
Eröffnung
Samstag, 26. April 2008, 16 Uhr,
KZ-Gedenkstätte Neuengamme,
Südflügel der ehemaligen Walther-Werke,
Jean-Dolidier-Weg 75

Dauer der Ausstellung: 26. April bis 16. Juli 2008;

Öffnungszeiten: Mo-Mi, Fr 9.30-16 Uhr, Do 9.30-19 Uhr, Sa/So 12-19 Uhr.


Mit der Ausstellung “Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg 1919-1969³ erinnert
die KZ-Gedenkstätte Neuengamme an das Schicksal dieser Verfolgtengruppe in
der Weimarer Republik, unter dem Nationalsozialismus und in der
Bundesrepublik bis 1969. Im Konzentrationslager Neuengamme waren ca. 400
homosexuelle Männer inhaftiert, über die Hälfte von ihnen ist zu Tode
gekommen. An 57 Opfer erinnern Stolpersteine in der Hansestadt.

Anhand von 48 großformatigen Schautafeln und zahlreichen Exponaten gewährt
die Ausstellung einen Überblick über die Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg
und Einblicke in individuelle Schicksale. Fast alle Abbildungen stammen aus
dem Staatsarchiv Hamburg oder aus Privatbesitz und wurden größtenteils noch
nicht öffentlich gezeigt. Zeitzeugen kommen zu Wort und Musikbeispiele
spiegeln die Stimmung der jeweilige Zeit wider.

Als Beispiel für die Verfolgung sei das Schicksal des ehemaligen Direktors
des Barmbeker Krankenhauses Prof. Dr. Andreas Knack genannt, einem
Mitbegründer der Homosexuellenbewegung der Weimarer Zeit. Nachdem er 1933
seines Amtes enthoben wurde, ließ er sich als praktischer Arzt in
Hamburg-Eimsbüttel nieder. 1934 entzog man ihm mit Einverständnis der
Ärztekammer die Approbation. Er erlebte das Ende des NS-Regimes in der
Emigration in Mukden/China. Neben der Rolle der Ärztekammer bei der
NS-Verfolgung wird auch die der Hamburger Universität beleuchtet.

In der Bundesrepublik wurde die Verfolgung homosexueller Männer fortgesetzt:
Unrühmliche Schlaglichter aus der hamburgischen Nachkriegszeit sind die
“Rosa Listen³, das “Tanzverbot³ und  das“Toilettenverbot³, Berufsverbote,
Auftrittsverbote für Transvestiten. Während kastrierte homosexuelle Männer
und KZ-Überlebende keine Entschädigung erhielten, konnten die Täter ihre
Karrieren fortsetzen. Staatsanwalt Nicolaus Siemssen, in der NS-Zeit in
Hamburg einer der Hauptankläger gegen Homosexuelle, wurde zum
Oberstaatsanwalt befördert und war als Ankläger in
Entnazifizierungsverfahren (!) beim Spruchgericht in Bergedorf tätig.

Ausführlich thematisiert wird auch die Lebenssituation lesbischer Frauen in
der NS-Zeit. Obwohl es keinen Strafparagrafen für lesbische Handlungen gab,
gerieten auch sie ins Visier der NS-Politik. Als “moralisch schwachsinnig³
abgestempelt, hatten sie keine Chance auf gesellschaftliche Anerkennung und
ein bürgerliches Leben. In der Adenauer-Ära blieben lesbische Frauen
weiterhin unsichtbar, waren offiziell nicht vorhanden und erlebten so eine
diskriminierende Ignoranz.

Die Ausstellung wurde erarbeitet von der Initiative “Gemeinsam gegen das
Vergessen ­ Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer³, unterstützt von der
Landeszentrale für politische Bildung und durch zahlreiche private Spenden.

Informationen zum Begleitprogramm im Internet unter
www.hamburg-auf-anderen-wegen.de/stolpersteine
<http://www.hamburg-auf-anderen-wegen.de/stolpersteine> .


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