[echo] Warum alle Kultur hassen?
KiöR e.V.
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Wed Apr 30 08:52:38 CEST 2008
Am 24.04.2008 in der Bunte - vom "BUNTE-Kulturchef"
So siehts aus, wenn sogenannte Journalisten nix eigenes haben - vor
allem keine Zukunfts-Kultur
____
Wie viel ist uns Kultur wert?
Prae Scriptum: „Franzosen und Russen gehört das Land. Das Meer gehört
den Briten. Wir aber besitzen im Luftreich des Traums Die Herrschaft
unbestritten. Hier üben wir die Hegemonie, Hier sind wir unzerstückelt;
Die andern Völker haben sich auf platter Erde entwickelt.“ (Heinrich
Heine, dt. Schriftsteller und Dichter, 1797-1856)
Ist so viel Blut und Nacktheit wirklich Kunst?
Mögen Sie moderne Musik? Oder kriegen Sie Ohrenschmerzen, wenn jemand
wie Dieter Ammann, Begünstigter der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung,
vierzehn Streicher losquietschen lässt? Genießen Sie den Theaterabend
noch, wenn Schauspieler Mineralwasser erbrechen, masturbieren oder
einer Schwangeren Fruchtwasser abgezapft wird – wie 2006 im
Schauspielhaus Frankfurt beim „Großen Massakerspiel“ unter der Regie
von Sebastian Hartmann geschehen? Nein? Dann sind Sie in den Augen
vieler selbsternannter Intellektueller entweder ein Banause und
spießiger Bildungsbarbar. Oder Sie haben sich einen gesunden Verstand
bewahrt und erlauben sich laut die Frage zu stellen, ob so etwas Kunst
ist.
Besonders heikel wird es, wenn es um öffentlich subventionierte und
geförderte Kunst geht. Wer da anderen Substanz und Förderwürdigkeit
abspricht, gerät schnell zur Zielscheibe einer diffusen Gruppe von
mäßig erfolgreichen Künstlern, Berufs-Artisten und anderen
selbstgekrönten Kulturschaffenden, die eines eint: Sie wollen, dass die
große Gemeinschaft ihr Minderheitenprogramm (mit-) bezahlt. Das ist das
Terrain der Kultur-Lobbyisten. Selbstredend unter Gewährung aller
künstlerischen Freiheiten. So darf ein Intendant wie Claus Peymann
seinen Vertrag am Berliner Ensemble sogar selbst verlängern. Und das
Land Berlin darf die Bühne als Dankeschön mit jährlich 10,5 Millionen
Euro bezuschussen – ob es den Berliner Bürgern gefällt oder nicht. Eine
Selbstverständlichkeit in diesen Kreisen: Wer sich die Kuh aufdrängen
lässt, muss den Melker mit bezahlen. Die (Milch-) Leistung ist
Nebensache. Es lebe der deutsche Kultur-Hinduismus!
Am Ende siegten Demokratie und Vernunft
In Münster hat man nun eine solche Heilige Kuh in spe geschlachtet: die
Musikhalle. Keck haben die Bürger abgestimmt und laut die Frage
gestellt, ob Münster so eine Halle überhaupt benötigt? Und sie haben
selbst geantwortet: Nein. Schließlich wimmelt es im nahen Ruhr-Gebiet
von ähnlichen Institutionen. Klar, die lokale Politik wollte sich mit
einem Prestigeobjekt schmücken – wer hat sich bundesweit bislang schon
getraut, gegen so etwas wie eine Musikhalle zu sein? Der ein oder
andere Befürworter hoffte sicherlich schon auf einen prestigeträchtigen
Job (Melkersyndrom!). Doch am Ende siegten Demokratie und Vernunft: Was
soll eine Stadt mit angeschlagenem Haushalt mit noch einer weiteren
Kostenstelle für die Ewigkeit? Gilt es da nicht erst im Sinne der
Kultur bestehende Schul- und Bildungseinrichtungen auf neuen Stand zu
bringen? Ist es nicht wichtiger, dass Hallen- und Freibäder geöffnet
bleiben?
Aber wie wägt man ab? Das bedeutet Verteilungskampf: Musikhalle oder
Theater, Stadtbibliothek oder Oper? Und das erfordert neben
betriebswirtschaftlichem Kalkül Mut zur Meinung: Nicht alles, was unter
dem Label Kultur läuft, muss automatisch öffentlich gefördert werden.
Dafür gibt es Stiftungen und private Mäzene. Gibt es die nicht, darf
man getrost fragen, ob es vielleicht an der vermeintlichen Kunst selbst
liegt.
Die Kunst soll frei bleiben
Baden-Baden hat ein Museum von Sammler Frieder Burda bekommen. Ja, aber
wir sind doch ein Kulturvolk, die Nachfahren von Dichtern und Denkern,
sagen Sie? Schön, wenn dem so ist. Dann haben wir sicherlich auch keine
Angst, das Kultursponsoring weitgehend dem Freien Markt zu überlassen.
Groß-Förderer wie BMW und Audi machen es im Bereich der Klassik und
Oper vor – mit glänzenden Resultaten. Oder Sammler Frieder Burda, der
seiner Heimat Baden-Baden zu einem Museum verholfen hat, welches sich
selbst trägt. Das ist echtes Mäzenatentum.
Muss Kultur nicht trotzdem ein Staatsziel sein, fragen Sie? Ja, der
Deutsche Kulturrat fordert eine Aufnahme ins Grundgesetz. Ich frage
zurück: Wozu denn bitte? Warum noch mehr Einmischung in die föderalen
Länderhoheiten? Sie ahnen, was eine Verankerung der Kultur im
Grundgesetz bedeuten würde: noch mehr Paragraphen, noch mehr
Bürokratie, noch mehr Klagen. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis der
erste selbsternannte Künstler sein Recht auf Versorgung einklagt. Nein,
ich bin ein großer Freund der Freien Künste: Und das bedeutet, die
Kunst soll frei bleiben. Was meinen Sie?
Herzlichst Ihr Claus Dreckmann
http://www.bunte.de/meinung/blogs/heiter-bis-wolkig/heiter-bis-
wolkig_aid_4527.html
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Ulrich Mattes
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