[echo] Fwd: Offener Brief zum DOCKVILLE Festival

ulf freyhoff ulf.freyhoff at gmx.net
Sat Aug 16 17:19:01 CEST 2008


vorgestern war ich mal kurz auf dem gelände: am eingang gleich eine 
palette mit
'axe' zelten - dachte erst das wäre der zeltproduktname wie bei ikea - 
aber nein: daneben noch eine palette mit 'axe' duschgel. eben hörte ich, 
daß die dusche in einem 'ich bin 18 duschen' - container dann noch zwei 
teuros kostet.
überall laufen leute in marlboro outfit rum die zigaretten verteilen und 
feuerzeuge abgeben: aber nur [festhalten bitte] gegen angabe von name 
und adresse !&%?$$$
ansonsten fand ichs echt lieblos(vorgestern), und wie die 'westernstadt' 
zum 'kunstapparat' wird ist mir auch echt schleierhaft. da stellt sich 
natürlich auch die frage, wer sich bei dem ganzen sponsoring eigentlich 
an den 39 eu vorverkaufspreis gesundstößt...

grtx ulf 


jon wrote:
> Hallo Dorothee,
>
> ich sehe das Festival *zumindest* ambivalent. Ich vermisse in deiner 
> Antwort den Bezug auf die aktuelle Stadtteilpolitik in Wilhelmsburg,
> die Politik der IBA natürlich im speziellen und deren direkte und 
> indirekte Auswirkungen und selbstverständlich die Auseinandersetzung
> mit eurer wesentlichen Teilnahme an dem und eure elementare Förderung 
> des Prozesses.
>
> Was euer Publikum angeht so rekrutiert es sich sicher nicht in großer 
> Zahl aus dem Umfeld des Stadtteils. Das nur als Feststellung.
> Ein Großteil der Bewohner könnte sich diese Eintrittspreise nicht 
> leisten. Und, ehrlich gesagt, auch wenn die Idee in anderen
> Zusammenhängen und im Eintzelfall in Ordnung ginge, für den Eintritt 
> *einige Stunden* arbeiten zu lassen empfinde ich in diesem Kontext
> als entwürdigend.
>
> Nicht nur in Hamburg sind die Prozessergebnisse dieser Form, und darin 
> lässt sich euer Festival sicher verorten, der *Stadtteilförderung*
> zumindest vergleichbar auch sichtbar - man muss nicht grob raten oder 
> vermuten um abzusehen was die Folgen sein können, wenn man, wie ihr,
> öffentlich kritiklos, diskursfrei und unreflektiert damit umgeht.
> Auch wenn man anscheinend darüber streiten kann inwieweit Ursache und 
> Folgen wirklich zwingend sind und wo der Zusammenhang zu suchen ist:
> http://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung
>
> Es ist für die Menschen in Wilhelmsburg zu begrüssen, und ich denke 
> dazu gibt es (erstmal) auch Zustimmung im Stadteil, wenn dort
> eine Belebung stattfindet.
> Das Ergebnis aber wird, bei geradliniger Weiterführung, sein dass die 
> Menschen die dort derzeit wohnen die Existenzmöglichkeit in dem
> Stadteil verlieren werden.
>
> Es ist tatsächlich die Frage ob gerade hier ohne einen Ansatz auf ganz 
> anderem Gebiet etwas zu ändern wäre. Da ihr aber auf jeden Fall 
> gewählt habt
> Teil zu sein setzt euch, seht euch dazu aufgefordert, damit ernsthaft 
> und öffentlich auseinander anstatt es zu ignorieren.
>
> Grüße, Jon
>
>
> Am 16.08.2008 um 11:04 schrieb Dorothee Halbrock:
>
>> Lieber Don Mudra,
>>
>>
>> Danke für deine Kritik- dass du nur du Musikkünstler nennst, zeigt, 
>> dass du dich wohl schon intensiv mit unserem Festival für Musik und 
>> Kunst auseinandergesetzt hast- denn es gibt auch einen großen 
>> Kunstapparat auf dem Festival, an dem u.a. auch Wilhelmsburger 
>> Künstler beteiligt sind- den hast du wohl übersehen..
>> Im Vorfeld ist außerdem eine ganze Kinderfreizeit speziell für 
>> Wilhelmsburger Kids (sehr erfolgreich) gelaufen, an der viele 
>> Wilhelmsburger Institutionen wie Schulen, Bauspielplätze, 
>> KInderakademien beteiligt waren (und weiter beteiligt sein werden, 
>> denn wir werden dieses Programm auch im nächsten Jahr wiederholen).
>> An diesem Programm war auch genau das Krankenhaus Groß Sand 
>> beteiligt, über das du sprichst, sie haben uns und unsere 
>> Zimmermänner mit Essen versorgt, während wir dabei waren ein 
>> Westerndorf aus Holz aufzubauen, für das auch viele Wilhelmsburger 
>> Holzunternehmen gespendet haben. Wir haben uns persönlich mit ihnen 
>> abgesprochen und da sie im letzten Jahr so gute Erfahrungen mit uns 
>> gemacht haben, hatten sie keinerlei Bedenken uns zu unterstützen.
>> Unter anderem half uns das auch dabei, noch Lärmauflagen abzuwenden, 
>> die uns wenige Tage vor dem Festival aufgrund des angesprochenen 
>> Grünanlagen-Festivals auferlegt wurden und uns eine 
>> Festivaldurchführung unmöglich gemacht hätten. Über das 
>> Grünanlagen-Festival und insbesondere seine verantwortungslose 
>> Durchführung waren auch  wir geschockt und müssen nun die 
>> Konsequenzen tragen.
>>
>> Wenn du dir das alles mal hautnah anschauen möchtest, komm doch 
>> vorbei, wir bieten auch eine Earn-Your-Ticket-Aktion an, die es allen 
>> Menschen erlaubt, die nicht genügend Geld für ein Ticket haben, auch 
>> zum Festival zu kommen. Dafür musst du nur ein paar Stunden helfen.
>>
>> Schönes Wochenende,
>>
>> Dorothee Halbrock
>>
>>
>> Anfang der weitergeleiteten E-Mail:
>> Offener Brief an:
>> Fettes Brot, Deichkind, Tomte, Superpunk, Frank Spilker Gruppe, Ja 
>> König Ja, Gisbert zu Knyphausen,
>> Bernd Begemann & die Befreiung und alle anderen Künstler, die an dem 
>> DOCKVILLE Festival beteiligt sind.
>>
>> Liebe Kollegen, wisst Ihr eigentlich, daß Ihr auf der Party von den 
>> Typen spielt, die mit der IBA (Internationale Bauausstellung) bis 
>> 2013 aus Wilhelmsburg ein weiteres Schanzenviertel machen wollen und 
>> für die Typen von der HPA (Hamburg Port Authory), die die Elbe 
>> vertiefen und am Rand von Wilhelmsburg einen neuen Containerhafen 
>> bauen wollen und für die Typen von der CDU, die mit  "dem Sprung über 
>> die Elbe" in Wilhelmsburg die "neue Mitte" hinklotzen wollen?
>>
>> Eines der Probleme von Wilhelmsburg ist die Lärmbelästigung durch 
>> Verkehr und Hafen. Aber damit nicht genug, jetzt gibt es Dauerparties 
>> mit dem GRÜNANLAGE Festival, dem DOCKVILLE Festival, dem IBA 
>> Kultursommer usw. und die Lärmbelästigung der Wilhelmsburger wird 
>> noch vergrößert. (Das Krankenhaus Wilhelmsburg und die Wohnbebauung 
>> ist ca. 400 m Luftlinie vom Festivalgelände entfernt.)
>>
>> Armes Wilhelmsburg.
>>
>> Mit freundlichen Grüssen
>> Don Mudra
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