[echo] Sonntagslektüre: ewige Nachahmung, ewige Wiederholung in Kunst (und Politik)

Brigitta Huhnke bhuhnke at gmx.de
Sun Aug 17 12:01:07 CEST 2008


 

Philippe Lacoue-Labarthe und Jean-Luc Nancy und  beschreiben in ihren Aufsatz "Der Nazi-Mythos" (1991, dt. 1997) das ewige Streben der Deutschen etwas Besonderes zu sein auch anhand der Kunst. Bis 1750 habe kaum eine allgemeine deutsche Sprache existiert und auch noch kein "'repräsentatives' Kunstwerk". Deutschland habe sich dann auf die Nachahmung der Nachahmung der Antike verlegt, was in Frankreich und Italien schon Jahrhunderte vorher passiert sei. Dies sei auch ein Drama des Landes, sich auf Nachahmung "in zweitem Grade zu unterziehen"

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"Was Deutschland also praktisch fehlte, war sein Subjekt, oder war, Subjekt seines eigenen Werdens zu sein (und die moderne Metaphysik als eine des Subjekts hat sich nicht zufällig hier vollendet).  Was Deutschland folglich konstruieren wollte, war ein solches Subjekt,  sein eigenes Subjekt. Daher sein intellektueller und ästhetischer Voluntarismus und das, was Benjamin kurz vor 1930 als "Kunstwillen" in diesem Echo des barocken Zeitalters beschrieb, das in seinen Augen der Expressionismus darstellte. Wenn die Heimsuchung oder Angst der Deutschen stets gewesen sein wird, keine großen Künstler werden zu können, keinen Zugang zur ,großen Kunst' zu finden, wenn ihre Kunst und ihre Praxis so oft von zuviel Beflissenheit und zu vielen theoretischen Ansprüchen geprägt wird, dann weil nichts weniger als ihre Identität (oder der Wahn eines Fehlens von Identität) auf dem Spiel stand.

Aber da ist noch mehr: man kann zweifelsohne sagen, dass es die erbarmungslose Logik des double bind war (dieses doppelten widersprüchlichen Befehls, aus dem Bateson, der hierin Freud folgt, die Psychose erklärt), die unter diesem Gesichtspunkt die deutsche Geschichte beherrscht hat. Im genauen Sinne des Terminus' ist die Krankheit, die Deutschland stets bedroht hat, die Schizophrenie, der so viele seiner Künstler verfielen."   


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