[echo] wir nennen es hamburg

annegret hermann annegret.hermann at googlemail.com
Sun Aug 17 22:42:41 CEST 2008


Lieber Herr Dorfmüller,

wieso lassen sie denn weiterleiten und stellen Ihre Mails nicht selbst ein?
Es ist wirklich ganz einfach!

Zu den Fragen:

>
> ich danke Euch für die Einladung zur Ausstellung "Wir nennen es Hamburg".


Wieso Einladung? Es gab doch einen offenen Aufruf, oder?


>
> Leider muss ich mich aufgrund von inhaltlichen und formalen Widersprüchen
> einer Teilnahme enthalten.
> Im folgenden möchte ich meine Kritik fragend erläutern.
>
> - Wieso Hamburg?
>
> - Hamburg -- was ist das?
>
> - Ist Hamburg ein gemeinsamer Nenner für KünstlerInnen?
>
> - An welcher Stelle wird über Repräsentanz nachgedacht?
>
> - Wie wollt Ihr die Nähe zu Begriffen des Städtemarketings vermeiden?
>
> bzw. wo ist Kritik an der Vermarktung von Kunst im Sinne von
> Städtemarketing?
>
> - Wer repräsentiert bei dieser Ausstellung wen und warum?
>
> - Wieso 300 KünstlerInnen?
>
> - Wieso A4?
>
> - Inwieweit eignet sich Flachware im Standard-DIN-Format für eine
> Darstellung interdisziplinärer Kunst?
>
> - Wieso bekommen die KünstlerInnen für ihre eingereichten Arbeiten kein
> Geld?
>
> - Was ist die inhaltliche Ausrichtung des Katalogs?
>
> - Wer sind die AutorInnen?
>
> - Wo bleibt das Beleuchten der Bedingungen, unter denen in Hamburg Kunst
> produziert wird?
>
> - Inwiefern bezieht sich das Projekt auf das Buch >Wir nennen es Arbeit<
> von Friebe/Lobo?


Ihre Fragen finde ich sehr gut, Sie bringen sehr vieles auf den Punkt, was
an dem Projekt fraglich ist. Es sieht nach einem konzeptuell dürftigem
Rundumschlag aus, mit dem, ja was eigentlich bezweckt werden soll?
Partizipation? woran?
Stadtwerbung? wozu?
Dass alle Künstlerinnen, egal, was sie machen in ein A4-Format gequetscht
werden, ist schon sehr arrogant und zeigt das eigentliche Desinteresse an
der Arbeit. Wahrscheinlich handelt es sich um einen simplen Deal: die
Künstlerinnnen können sich hinterher in die Vita schreiben, dass sie mal im
Kunstverein ausgestellt haben (und das ohne viel Aufwand) und der
Kunstverein und Kampnagel können sich schmücken und ihre angeschlagenen
Reputationen mit vielen Hamburger Künstlerinnennamen in Verbindung bringen
-- was lokale Akzeptanz und Verbundenheit suggeriert. Eigenschaften nach
denen man lange vergeblich suchen musste. Es ist ein symbolischer Tausch --
und viele werden mitmachen.

Dass die Künstlerinnen nicht bezahlt werden deutet im übrigen auch darauf
hin, dass den Arbeiten kein Wert beigemessen wird. Und wieso auch -
schliesslich sind es nur Hamburger Künstlerinnen...

Es ist alles tragisch und bitter und macht einen traurig. Man kann nur
hoffen, dass die Künstlerinnen ihre Selbstachtung bewahren und nicht
teilnehmen.

Mit freunlichen Grüßen, A.H.


>
> /So viele Berichte./
> /So viele Fragen./
> /B. Brecht/
> / /
> / /
> Mit freundlichen Grüßen
> Markus Dorfmüller
> p.s. diesen Brief werde ich auch an andere KünstlerInnen weiterleiten und
> in den echoverteiler stellen.
>
>
> Markus Dorfmüller
> Gausstr. 19a
> 22765 Hamburg
> 040-3908790
> info at markusdorfmueller.eu <mailto:info at markusdorfmueller.eu>
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