[echo] Leuphana-Kram

Daniela Steinert daniela.steinert at gmx.de
Mon Aug 18 13:59:59 CEST 2008


Liebe Liste, Liebe Brigitte, Lieber Ulf,

habe durch Zufall Eure Texte über die Uni Lüneburg gelesen.
Als Kuwi eben dieser Uni interessiert mich das natürlich sehr. Soll 
heißen: Einerseits bin ich an dem interessiert, was ihr so rausfindet 
bzw in welchem Zusammenhang unsere Seminare stehen (Bertelsmann-, Otto-, 
Scholz&Friends- und Mckinseyverbindungen sind ja schon sehr lange klar), 
andererseits würde ich Euch gerne auch dazu auffordern, den gesamten 
Kontext solcher Seminare etc. zu betrachten, soll heißen, den gesamten 
Studiengang und die hochschulpolitischen Veränderungen miteinzubeziehen.

Denn natürlich sind all das Veränderungen der letzten 2 Jahre, das 
bedeutet aber nicht, dass hier nur noch neoleoliberale Kuwi-Häschen 
rumhüpfen, sondern gerade diese Seite der Kuwis die Vorgänge kritisch 
betrachtet. So wird es im nächsten Semester eine Ringvorlesung von 
Studierenden geben, die Hochschulpolitik, Neoliberalismus etc. 
thematisieren wird.
Desweiteren ist die gesamte Universität aufgespalten in zwei Lager bzw. 
mittlerweile hat das Präsidium kaum mehr Chancen, ihre Pläne abgestimmt 
zu bekommen. Problem: Viel abstimmen muss der Senat nicht mehr, das 
meiste kann das Präsidium alleine entscheiden.
Dennoch wurde z.B. der Otto-Studiengang vom Senat abgelehnt (hier sollte 
ein Weiterbildungsstudiengang für Otto angeboten werden, der dann 
allerdings nur eine Einrichtung für Otto ist, da ausschließlich deren 
Mitarbeiter diesen Studiengang besuchen dürfen. Wer weiß, wofür das 
dieser Studiengang der Dank sein sollte - evtl für die gesponserten 
Ersti-T-shirts oder das Otto-Stipendienprogramm...).

Ich persönlich finde es aber auch sehr schade, dass die Gegenwehr immer 
noch recht harmlos ist und gerade der KuWi-Bereich in den Veränderungen 
hin-und herschwimmt. Was von KuWi NACH der LEuphanisierung noch übrig 
bleiben wird, ist ein absoluter Witz. Kunst + Medien + Management, aber 
ein wirklich klares Profil gibt es auch noch nicht. In jedem FAll wird 
es zerpflückt, Dinge wie Kulturtheorie, also eben Philosophie und 
Soziologie etc. werden abgeschoben in einen Integrationsbereich, den 
alles wohl irgendwie machen müssen, der aber viele von den jetzt 
angebotenen Studienfächern auf ein Minimum reduziert.

Sinn der Sache ist es nach Präsident Spoun, eine Marktlücke zu finden. 
Damit macht er diesen Studiengang definitiv kaputt!

Allerdings ist es momentan eben noch nicht so weit und der Kampf um die 
weitgehende Erhaltung der Fächer wird jetzt in den Fakultäten beginnen. 
Momentan ist unser Studium durchaus möglich, ohne über Bertelsmann etc. 
zu stolpern, im Gegensatz dazu finden haufenweise kritische 
Veranstaltungen zu soziologischen Zeitdiagnosen statt.

Für intellektuelle Hilfe oder Ideen, bzw. eine breite Diskussion sind 
wir natürlich äußerst dankbar!

Viele Grüße,
Dany


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