[echo] wir nennen es hamburg

jon milla jon.milla at googlemail.com
Tue Aug 19 15:22:50 CEST 2008


mir geht das betuliche Gequatsche ziemlich auf die Nerven!
wir Künstler können es uns nicht leisten es uns zu verscherzen mit den
Mächtigen im Kunstbetrieb weil es gibt kein außerhalb oder daneben oder
alternatives.
entweder man ist im Betrieb, hält sich an die Regeln und spielt mit, oder
man lässt es eben.

bei so einer Quatsch Ausstellung mitzumachen, kostet mich weder viel Zeit
noch Geld noch sonstigen Aufwand, und ich war dabei, gehöre dazu.
so ein kleiner Kompromiss an dieser Stelle giebt mir vielleicht die
Möglichkeit an ganz anderer Stelle mal ein ernsthaftes Projekt zu
realisieren.

so schauts aus. bisschen Realitätssinn hilft manchmal.

traurig und bitter machen mich ganz andere dinge.

jon

Am 17.08.2008 um 21:42 schrieb annegret hermann:

Lieber Herr Dorfmüller,

wieso lassen sie denn weiterleiten und stellen Ihre Mails nicht selbst ein?
Es ist wirklich ganz einfach!

Zu den Fragen:


ich danke Euch für die Einladung zur Ausstellung "Wir nennen es Hamburg".


Wieso Einladung? Es gab doch einen offenen Aufruf, oder?



Leider muss ich mich aufgrund von inhaltlichen und formalen Widersprüchen
einer Teilnahme enthalten.
Im folgenden möchte ich meine Kritik fragend erläutern.

- Wieso Hamburg?

- Hamburg -- was ist das?

- Ist Hamburg ein gemeinsamer Nenner für KünstlerInnen?

- An welcher Stelle wird über Repräsentanz nachgedacht?

- Wie wollt Ihr die Nähe zu Begriffen des Städtemarketings vermeiden?

bzw. wo ist Kritik an der Vermarktung von Kunst im Sinne von
Städtemarketing?

- Wer repräsentiert bei dieser Ausstellung wen und warum?

- Wieso 300 KünstlerInnen?

- Wieso A4?

- Inwieweit eignet sich Flachware im Standard-DIN-Format für eine
Darstellung interdisziplinärer Kunst?

- Wieso bekommen die KünstlerInnen für ihre eingereichten Arbeiten kein
Geld?

- Was ist die inhaltliche Ausrichtung des Katalogs?

- Wer sind die AutorInnen?

- Wo bleibt das Beleuchten der Bedingungen, unter denen in Hamburg Kunst
produziert wird?

- Inwiefern bezieht sich das Projekt auf das Buch >Wir nennen es Arbeit<
von Friebe/Lobo?


Ihre Fragen finde ich sehr gut, Sie bringen sehr vieles auf den Punkt, was
an dem Projekt fraglich ist. Es sieht nach einem konzeptuell dürftigem
Rundumschlag aus, mit dem, ja was eigentlich bezweckt werden soll?
Partizipation? woran?
Stadtwerbung? wozu?
Dass alle Künstlerinnen, egal, was sie machen in ein A4-Format gequetscht
werden, ist schon sehr arrogant und zeigt das eigentliche Desinteresse an
der Arbeit. Wahrscheinlich handelt es sich um einen simplen Deal: die
Künstlerinnnen können sich hinterher in die Vita schreiben, dass sie mal im
Kunstverein ausgestellt haben (und das ohne viel Aufwand) und der
Kunstverein und Kampnagel können sich schmücken und ihre angeschlagenen
Reputationen mit vielen Hamburger Künstlerinnennamen in Verbindung bringen
-- was lokale Akzeptanz und Verbundenheit suggeriert. Eigenschaften nach
denen man lange vergeblich suchen musste. Es ist ein symbolischer Tausch --
und viele werden mitmachen.

Dass die Künstlerinnen nicht bezahlt werden deutet im übrigen auch darauf
hin, dass den Arbeiten kein Wert beigemessen wird. Und wieso auch -
schliesslich sind es nur Hamburger Künstlerinnen...

Es ist alles tragisch und bitter und macht einen traurig. Man kann nur
hoffen, dass die Künstlerinnen ihre Selbstachtung bewahren und nicht
teilnehmen.

Mit freunlichen Grüßen, A.H.



/So viele Berichte./
/So viele Fragen./
/B. Brecht/
/ /
/ /
Mit freundlichen Grüßen
Markus Dorfmüller
p.s. diesen Brief werde ich auch an andere KünstlerInnen weiterleiten und
in den echoverteiler stellen.


Markus Dorfmüller
Gausstr. 19a
22765 Hamburg
040-3908790
info at markusdorfmueller.eu <mailto:info at markusdorfmueller.eu>

_______________________________________________
echo mailing list
echo at soundwarez.org
http://soundwarez.org/mailman/listinfo/echo

_______________________________________________
echo mailing list
echo at soundwarez.org
http://soundwarez.org/mailman/listinfo/echo


More information about the echo mailing list