[echo] Bronzener Sklavenhändler auf Irrwegen

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Wed Aug 27 12:32:50 CEST 2008


Schimmelmann-Büste in Hamburg-Wandsbek ist kleinlaut abgebaut worden.  
Eine Veranstaltungsreihe beleuchtet Hintergründe des Hamburger  
Sklavenhandels.

Feierlich wurde die Schimmelmann-Büste im Puvogelgarten am 10.09.2006  
eingeweiht, in Anwesenheit der Kultursenatorin Karin von Welck und  
dem damaligen Wandsbeker Bezirksamtsleiter Gerhard Fuchs. Kleinlaut  
hat nun am 15.08.2008 der Leihgeber, der Konzern Imtech GmbH, das  
ehrende Denkmal für einen der größten Sklavenhändler der 18.  
Jahrhunderts aus dem öffentlichen Raum entfernt, unbemerkt und unter  
Ausschluß der Öffentlichkeit.

Vor zwei Jahren hatte Gerhard Fuchs im Alleingang das Abbild  
Schimmelmanns aufstellen lassen -  ohne die Hamburger Kunstkommission  
zu konsultieren, die für die Genehmigung von Denkmälern im  
öffentlichen Raum zuständig ist. Den Bronzekopf bezahlte in einem  
Public-Private-Partership-Arrangement die Firma Imtech, die gerade  
ihren Hauptsitz Deutschland in Wandsbek gebaut hatte. Dafür schenkte  
das Bezirksamt dem Unternehmen als Dauerleihgabe die zwei steinernen  
Löwen, die von Schimmelmanns Wandsbeker Schloss stammen. Sie sind in  
der Empfangshalle von Imtech ausgestellt. Die Stadtbevölkerung muss  
sich mit zwei Löwen-Duplikaten zufrieden geben, die am Wandsbeker  
Markt stehen.

Das Sklavenhändler-Denkmal führte zu heftigen Protesten. In der  
lokalen und bundesweiten Presse geriet das Schimmelmann-Abbild in die  
Negativschlagzeilen, und internationale Medien wunderten sich über  
Hamburgs unzeitgemäße Gedenkkultur. Die Skulptur wurde zweimal mit  
roter Farbe übergossen.

Doch die regierenden Bezirks-CDU und -FDP hielten unbeugsam an der  
Büste fest. Erst in der Bezirksversammlung vom 03.07.08 wurde  
beschlossen, das umstrittene Denkmal Anfang Oktober endgültig aus dem  
Stadtraum zu entfernen.

Und nun ist plötzlich der Bronze-Kopf in der Sommerpause  
verschwunden, der Verbleib unklar . Die genauen Umstände des  
vorzeitigen Abbaus waren heute nicht zu erfahren, wie eine Nachfrage  
beim Bezirksamt und bei Imtech ergab

Es ist wohl ein einmaliges Ereignis in der Geschichte, dass ein  
Kolonialmonument, das erst vor zwei Jahren errichtet wurde, nun auf  
öffentlichen Druck hin auf amtlichen Beschluss wieder abgebaut wird.  
Aus dem Denkmal wird somit ein Zeitdokument, das es zu beleuchten  
gilt. Was bedeuten die Proteste, wie wirken sie auf öffentliche  
Bewusstwerdung? Welche Gedenkkultur brauchen wir? Wo ist jetzt die  
abgelegte Büste, wo kann sie kontextualisiert unterkommen?

Die ab Oktober stattfindende Veranstaltungsreihe "Schimmelmann > pp.  
Hamburg entfernt ein Kolonialmonument" geht den Spuren der örtlichen  
kolonialen Mythen und der Denkmalerrichtung nach und fragt nach dem  
Grad der Sensibilisierung der Öffentlichkeit für eine postkoloniale  
Gedenkkultur. Sie stellt historische Bezüge her und präsentiert  
künstlerische Strategien. Mit Lesungen, Vorträgen und Filmen  spürt  
sie ferner der Frage nach, wie künftig eine postkoloniale  
Gedenkkultur aussehen kann.

Infos zur Veranstaltungsreihe "Schimmelmann > pp. Hamburg entfernt  
ein Kolonialmonument" werden folgen.

Jokinen



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