[echo] generelle Bemerkung zu den mailings der letzen Wochen
Hajo Schiff
Kommunikontor at T-Online.de
Wed Aug 27 23:21:00 CEST 2008
Liebe Cornelia, liebe Liste.
Nun ja. Vielleicht doch nicht so ganz verstanden.
In den letzten Wochen sind - m.E. mehr als zuvor - Kommentare auf der Liste erschienen, vorwiegend zu Ereignissen in Wilhelmburg und Wandsbek, die von einer Fundamentalopposition gekennzeichnet waren, die weit über eine politische oder strategische Positionierung herausgingen. Unter anderem brauchte es in einem Fall kaum mehr als fünf bis sechs Hin-und Her-mails, bis die totale Weltverschwörung ausgerufen wurde (wegen einer letztlich belanglosen Pop-Musik-Veranstaltung wohlgemerkt). Mir bleibt bis heute völlig schleierhaft, was da verteidigt werden soll - die Rechte es Individuums jedenfalls nicht. Es ist allerdings - vor allem zeitlich - nicht möglich, auf jede Wortmeldung in der Liste mit einem ausgewogenen und ausargumentierten Essay zu antworten - so schön das für so etwas wie die Liste auch wäre. (Und so faszinierende Traditionen es dafür gäbe, denkt man an die Dispute, Stücke und Gegenstücke der Aufklärung).
Deshalb der Zynismus.
Kunst in allen ihren Spielarten ist immer eine Erweiterung, ein Vorzeigen von Möglichkeiten. Sie definiert sich vorrangig durch Kontexte, nicht durch objektive Kriterien. Selbstverständlich weiß ich, dass alles, also auch Kunst, manipulativ eingesetzt werden kann und ich leugne nicht das Problem der Gentrifizierung. Aber Vorverurteilungen und sonstige Verweigerungen sind in keinster Weise in irgend einer Weise produktiv, weder privat, noch gesellschaftlich. Und sie sind im übrigen in ihrer Totalität völlig gleich, ob sie nun von "links" oder "rechts", von "oben" oder, ja, von "unten" kommen.
Mag sein, dass das "Kapital" die Kunst nutzt. Aber wann ist eigentlich das Vertrauen in die subversive Kraft der Kunst verloren gegangen? Selbst einfach nur "Spaß" auf Kosten des "Kapitals" wäre doch schon was. Jedenfalls mehr als fundamentalistische Opposition gegen jegliche Manifestation, der Ambivalenzfähigkeit gar nicht mehr unterstellt wird, geschweige denn überprüft. Und außerdem ist es geradezu feige, "die Kunst" zu prügeln, wenn man "das Kapital" meint.
Und überhaupt mal generell: Niemand sollte und kann mir die Verwendung von Wörtern verbieten - Hitler hat übrigens auch "Mai", "Mutter", "Hamburg" und "Scheiße" gesagt. Was aber noch schlimmer ist - ich könnte - jede Wette - seitenweise aus Hitlers, ja gar Goebbels Schriften zur Kunst zitieren, ohne dass das überhaupt irgendjemand merken würde.
Vor Kurzem hat jemand in der Liste etwas böse eine gewisse grundlegende technische Kompetenz angemahnt. Wie boshaft wäre es eigentlich, eine grundlegende argumentative Kompetenz einzufordern?
...
Schon etwas genervt,
mit guten Grüßen
Hajo Schiff.
"Hajo Schiff" <mailto:Kommunikontor at T-Online.de> schrieb:
> Verstanden.
> HS
>
> "cornelia sollfrank" <mailto:cornelia at snafu.de> schrieb:
> > bevor jetzt auf die zynische Äußerung Hajos weitere zynische und
> > inhaltslose Äußerungen kommen, würde ich euch doch einfach mal
> > nahe legen, zu überlegen, ob es konstruktive Kritik gibt, die an
> > dieser liste geäußert werden kann und euch alle auffordern selbst die
> > Verantwortung dafür zu übernehmen, wenn ihr konkrete
> > Verbesserungswünsche habt. das ist eure liste.
> >
> > eine Grundregel für die Diskussion sollte sein, mit einem
> > inhaltlichen Argument auf den oder die Vorrednerin zu reagieren.
> >
> > wer keinen nutzen aus der echo-liste für sich ziehen kann, kann sich
> > jederzeit abmelden.
> >
> > es grüße freundlichst, die Moderatorin
> >
> >
> > Am 27.08.2008 um 16:11 schrieb Hajo Schiff:
> >
> > >
> > > Wie unendlich schön, dass immer irgendwer alles so exzellent besser
> > > weiß.
> > > Fühle mich total sicher, wenn die echo-liste aufpasst, das nix
> > > Falsches gedacht wird/gesagt wird/geschrieben wird/passiert.
> > > Danke.
> > > HS
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