[echo] Kunstmessen: Ringen um Profit und Profil

cornelia sollfrank cornelia at snafu.de
Sat Feb 2 13:09:32 CET 2008


Aus für die Frankfurter Kunstmesse

Das Ringen um Profit und Profil
VON SANDRA DANICKE


Jetzt ist also besiegelt, was knapp zwanzig Jahre lang dräute. Das  
Aus für die Frankfurter Kunstmesse, das wohl ein endgültiges ist,  
beendet einen Zustand steten Ringens - um Galerien, Verkäufe,  
Besucher. Die Faktoren also, die einer Verkaufsveranstaltung wie  
dieser die Existenzberechtigung liefern.

Die "Art Frankfurt", wie sie bis 2005 hieß, war von Anfang an ein  
Unternehmen, das sich nicht rechnete. Nicht für die Großen unter den  
Kunsthändlern und nicht für die Messe-GmbH. Weder den gewünschten  
Profit noch das begehrte Profil konnte man einfahren, obgleich man  
sich stetig wandelte, am Konzept herumdokterte, Sonderschauen erfand  
oder die Chefin austauschte.

Ehrgeizig war die "Art Frankfurt" einst als Konkurrenz für Köln und  
Basel ausgerufen worden. Als attraktive Ergänzung zu einer blühenden  
Museumslandschaft sollte sie das kulturelle Niveau der Stadt heben.  
Indes: Irgendwie klappte es nie. Stets blieb man in Frankfurt weit  
hinter den Standards der beiden älteren Institutionen zurück und  
mühte sich mit einem aus der Not geborenen Profil.

Lieber flog man nach Miami

Frankfurt sei interessant für Entdecker, hieß es. Mit junger Kunst zu  
erschwinglichen Preisen probte man die Flucht nach vorne. Doch  
während die zwischenzeitlich gegründeten Kunstmessen in Berlin und  
London, die ebenfalls auf zeitgenössische Kunst setzen, quasi aus dem  
Stand erfolgreich waren, konnte man am Main vorwiegend mit lokalen  
und regionalen Kunsthändlern aufwarten, die jenseits von Wiesbaden  
kaum einer kannte.

Als man sich 2005 endlich zum radikalen Schnitt entschloss und mit  
Michael Neff einen Leiter ausrief, der mit Internationalität,  
Qualität und Originalität das Ruder herum reißen wollte, war es  
offenbar längst zu spät. Das Gros der arrivierten Kunsthändler flog  
nach Miami oder an die Themse. Potente Sammler taten es ihnen gleich.

Auch nach Köln fuhr man zu diesem Zeitpunkt allenfalls aus alter  
Gewohnheit. Die "Mutter aller Kunstmessen", wie der bisherige Leiter  
Gérard Goodrow sie gerne nannte, um zu betonen, dass man in Köln über  
jeden Zweifel erhaben sei, hatte längst selbst mit Imageproblemen zu  
kämpfen, und das auch noch in einer Zeit, in der der boomende  
Kunstmarkt gerne mal mit einer allzeit zu platzen drohenden Blase  
verglichen wurde.

Der Markt boomt, doch die dicken Geschäfte werden größtenteils im  
Ausland getätigt. Dabei war Goodrow, vormals beim Auktionshaus  
Christie's für moderne Kunst zuständig, 2003 gleichsam als Retter an  
den Rhein gerufen worden. Bis dato hatte die Kunstmesse nur einen  
Abteilungsleiter im Rahmen der Köln-Messe gehabt, Zwistigkeiten um  
die Zulassung und Anmelderegularien waren an der Tagesordnung. Der  
Amerikaner reduzierte die Teilnehmerzahl und verlegte den  
angestammten Termin vom Herbst auf das Frühjahr, um der Konkurrenz in  
London und Berlin auszuweichen. Das gewünschte Resultat konnte  
Goodrow freilich nicht liefern.

Köln war schlecht beleuchtet

Als im vergangenen Jahr mit der "Duesseldorf Contemporary" eine  
ambitioniert auftretende Konkurrenzmesse in nächster Nähe gegründet  
wurde und wichtige Düsseldorfer (und andere) Galerien für sich  
vereinnahmte, verschärfte sich die Lage noch. Anders als die Art  
Cologne konnte die DC mit Glamour, Prominenten und einer attraktiven  
Halle aufwarten, während die Kölner Veranstaltung von Langeweile und  
schlechter Beleuchtung geprägt war. Auch die "Art Cologne Palma de  
Mallorca", die Goodrow nach dem Vorbild der "Art Basel Miami Beach"  
erfunden hatte und die im Herbst 2007 Premiere hatte, konnte  
letztlich mehr Kritik als Besucher verbuchen.

Zuletzt hatten zehn Kölner Galeristen, darunter prominente Namen wie  
Monika Sprüth, Gisela Capitain, Daniel Buchholz und Christian Nagel  
der Kölner Kunstmesse in einem offenen Brief "herben  
Bedeutungsverlust" vorgeworfen und mit Fernbleiben gedroht. "Kostbare  
Energien" würden an Nebenschauplätzen wie Mallorca vergeudet, hieß  
es. In einem Interview mit der Kunstzeitschrift "art" hatte Nagel  
Goodrow ungewohnt feindselig als "Frühstücksdirektor, der gern  
feiert" beschimpft. Der Amerikaner musste sich beugen und seinen Hut  
nehmen. Zweieinhalb Monate vor Eröffnung steht die Art Cologne nun  
ohne Direktor und ohne Konzept da. Man denke über einen Umzug oder  
einen Wechsel der Trägerschaft nach, heißt es. Diverse Kölner  
Galeristen sitzen ohnehin auf gepackten Koffern und planen einen  
Umzug nach oder wenigstens eine Dependance in Berlin.

Derweil bereitet man sich auch in Düsseldorf auf einen  
Standortwechsel vor. Die nächste DC soll in der LTU-Arena  
stattfinden: ein ganzes Fußballfeld für die Kunst. Um Konkurrenz aus  
Deutschland muss man sich dort wohl nicht allzu viel Sorgen machen.  
Die ganz großen internationalen Händler und Sammler wird man aber  
auch hier vergeblich suchen.

Art Cologne: 16.-20. April, www.artcologne.de. DC: 17.-20. April,  
www.dc-fair.de



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