[echo] Richter verbieten Holocaust-Wagen

Bahari Ndogo bahari1 at gmx.de
Tue Feb 5 13:50:36 CET 2008


Der Tagesspiegel
1.2.2008 7:10 Uhr

Richter verbieten Holocaust-Wagen

Der Streit um einen Auftritt bei der weltberühmten Parade eskaliert: Eine
Sambagruppe plante einen Wagen mit künstlichen Leichen - und auch Hitler
sollte nicht fehlen.
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  RIO DE JANEIRO - Auf Antrag der jüdischen Gemeinde der brasilianischen
Metropole verbot eine Richterin am Donnerstag (Ortszeit) den Auftritt des
umstrittenen Holocaust-Gefährts. Der Wagen sollte am ersten Tag der Parade
in der Nacht zum Montag mit künstlichen aufeinandergestapelten Leichen zu
Sambarhythmen durch das Karnevalsstadion Sambodromo fahren. Nicht
mitmarschieren darf gemäß Entscheidung auch ein Tänzer mit
Adolf-Hitler-Kostüm, der sich neben und auf dem Holocaust-Wagen präsentieren
sollte.

Der Sprecher der Liga der Sambaschulen in Rio (Liesa), Hiram Araujo,
prangerte das Urteil empört als "Zensur" an. Es sei unverständlich, dass man
im Kino und im Theater den Holocaust und andere Dinge thematisieren könne
und das beim Karneval verboten werde. Der Chef der für den Wagen
verantwortlichen Sambagruppe Viradouro, Marco Lira meinte, man wollte eine
reuige Hitlerfigur mit gesenktem Haupt präsentieren. "Wir wollten Gänsehaut
erregen. An dem Wagen ist nichts Schändliches dran. Wir wollten zeigen, was
damals (während der Nazizeit) passiert ist. Das hat die Welt erschüttert,
und heute kennen viele (in Brasilien) diese Geschichte nicht mehr", sagte
er.

Überraschender Protest geplant
Lira versicherte, er werde die Justizentscheidung zwar respektieren. Beim
Umzug wolle er aber "mit einer großen Überraschung gegen die Einschränkung
der künstlerischen Freiheit" protestieren. "Wartet nur ab, ich verrate noch
nichts", sagte er geheimnisvoll. Ein Reporter des Nachrichtenportals G1
schrieb, die Verbotsnachricht habe die Mitglieder von Viradouro bei den
letzten Vorbereitungen für den Umzug in tiefe Traurigkeit versetzt.
Die jüdische Gemeinde in Rio de Janeiro hatte den Holocaust-Wagen als
"unpassend" kritisiert. Proteste gegen das Vorhaben hatte es auch aus
Argentinien gegeben. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Buenos Aires forderte,
der Karneval dürfe nicht zur Schändung des Gedenkens an den Holocaust
missbraucht werden. Ein Umzug mit Musik sowie mit halbnackten Männern und
Frauen, die fröhlich tanzten, diene nicht dem Gedenken an die Opfer und sei
vielmehr "ein abscheuliches Spektakel für die Überlebenden und deren
Familien", hieß es in der Erklärung. (mpr/dpa)
 







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