AW: [echo] (no subject)
Heiner Metzger
post at heinermetzger.de
Mon Feb 11 07:07:17 CET 2008
auch schön zu wissen:
aus michael ligner . "second best" - kunst und ihre vermittlung heute.
(*Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.03.2007, Nr. 69, S.14)
.....Überdies ernüchternd ist es, dass auch die in den Großstädten
üppig wuchernden und sich subkulturell gebärdenden „off-Szenen“ von
einem permanenten Wiederholungszwang beherrscht werden und keineswegs
ein „Woanders“ darstellen. Ganz im Gegenteil sind sie geradezu
überangepasst, da ihre Protagonisten nichts anderes im Sinn haben, als
den Standards etablierter Kunst und ihrer Institutionen endlich zu
genügen und um jeden Preis auch dazu zu gehören: Vermeintlich schlau
werden künstlerisch kaschierte Funktionen der Imagewerbung im Dienste
des Stadt- und/oder Firmenmarketings sowie der Selbstdarstellung von
Kulturpolitikern zu low- oder no-budget-Konditionen übernommen. Was
sich dabei noch als anarchistisch oder zumindest selbstorganisiert
aufspielt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein Machtspiel nach
darwinistischen Prinzipien, das perfekt den neoliberalen Vorstellungen
völliger Deregulierung entspricht.
Auf Kunstausstellungen im internationalen Großformat wie der Biennale
in Venedig oder der Kasseler documenta wird der offenbar
alternativlose künstlerische Mainstream zelebriert, legitimiert und
vor allem multipliziert. Involviert in die Mechanismen der Kunstmärkte
fungieren diese Veranstaltungen heute nicht mehr als Foren für ein
interessiertes Fachpublikum, sondern als illustre Jahrmärkte. Wie
andere Angebote für die „kleinen Fluchten“ aus dem Alltag werden sie
als touristische Attraktionen angelegt und mediengerecht vermarktet.
Sogar auf das Klischee von Palmenhainen als Ruheinseln inmitten des
Getriebes meinen die documenta-Macher dabei nicht verzichten zu können.
Für diesen Kulturtourismus spielen die Besuchsprogramme und die
mitgebuchten Führungen der obligatorischen „Kunstvermittler“ eine
entscheidende Rolle. Denn ihre Mission ist es, die ausgestellten
redundanten Repliken des alltäglich Realen, die sich ohne jeden
künstlerischen Anspruch von selbst verstünden oder eben als Nonsens
entlarvten, auf jeden Fall als und zur Kunst zu (v)erklären. Die
Besucher können sich dann einbilden, Bedeutendes gesehen zu haben und
den Eindruck bekommen, dass ihr tautologischer Trip einen akzeptablen,
die Kosten rechtfertigenden Anlass hat. Weitere Erläuterungen werden
dem Publikum in opulenten Katalogen als Andenken verkauft, welche im
heimischen Regal gleichsam als Diskurs-Kitsch verstauben.
Nur ein aus tiefem Überdruss an diesem Zirkus kommender kultureller
Wandel könnte den kommerziell bedingten Kreislauf von Verwertung und
Entwertung sowie Erwartung und Enttäuschung durchbrechen, so dass in
einer als Gegenwelt fungierenden Kunstwelt erneut Erfahrungen des
Unwahrscheinlichen ermöglicht würden. Nur dann wäre die alte, aber
heute wieder wahr gewordene platonische Abwertung der Kunst gegenüber
der Wirklichkeit als ein bestenfalls unter second best abzubuchendes
Phänomen nicht länger gerechtfertigt."
der vollständige artikel :
Am 10.02.2008 um 11:54 schrieb Michael Lingner:
> ...auch peinlich, wenn man Jury-und Kuratorenmodell nicht
> unterscheiden
> kann. Nach meiner Auffassung verträgt sich allerdings beides gleich
> schlecht
> mit einem wie immer gearteten off-Anspruch. Ich habe mich -wie
> bekannt- an
> beidem NICHT beteiligt...
> Schöne Grüße
> Michael Lingner
>
>
> -----Ursprüngliche Nachricht-----
> Von: Heiner Metzger [mailto:post at heinermetzger.de]
> Gesendet: Sonntag, 10. Februar 2008 10:18
> An: Michael Lingner
> Cc: echo at soundwarez.org
> Betreff: Re: [echo] (no subject)
>
> hamburg - peinlich
> ist die jurierung der subvisionsteilnehmer, an der sie ja
> offensichtlich
> beteiligt sein werden, auch zur sprache gekommen ?
>
>
> Am 10.02.2008 um 00:01 schrieb Michael Lingner:
>
>> Hamburg 1
>>
>> Lampenfieber- Das Kulturmagazin
>> Wiederholung der aktuellen Sendung:
>> So. 10.2.08 18:15
>>
>> Gast: Michael Lingner zum Thema: "Jurierungen - Auswahl- und
>> Vergabepraxis in der Kunst"
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