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Tue Feb 12 13:55:59 CET 2008


Enttäuschter Jubel

Der Streik der Drehbuchautoren in Amerika ist beendet. Sie werden 
tatsächlich an den Internet-Erlösen der Studios beteiligt. Trotzdem 
bleiben kritische Stimmen.

Von Eva Schweitzer

Am Mittwoch dürfen die Late-Night-Comedystars Jon Stewart und Steven 
Colbert endlich wieder ihre Gagschreiber beschäftigen. In vier Wochen 
flimmern endlich wieder neue Folgen von The Office und Everybody Hates 
Chris über die Fernsehschirme. Und in acht Wochen erfahren wir endlich, 
ob Carlos blind bleibt, Gaby das Vermögen von Victor erbt, und was aus 
Lynettes Familie bei den Desperate Housewives wird. Denn der Streik der 
Hollywoodautoren ist vorbei. Innerhalb von zwölf Tagen sollen nun die in 
mühseligen Verhandlungen erarbeiteten Verträge unterzeichnet werden.

Die für heute und morgen geplanten Demonstrationen vor den Toren der 
Hollywood-Studios wurden bereits abgesagt. Am Dienstagnachmittag sollen 
nun die rund 10.500 in der Writers Guild of America (WGA) vertretenen 
Autoren abstimmen - entweder persönlich im Writers Guild Theater in 
Beverly Hills oder per Internet -, ob sie die Unterzeichnung abwarten 
oder lieber sofort wieder arbeiten wollen. Letzteres werden sie wohl 
tun. Denn nicht nur die Autoren haben 14 Wochen lang Däumchen gedreht, 
auch rund 40.000 bis 50.000 technische Angestellte, vom Kabelträger bis 
zur Produktionsassistentin, waren arbeitslos. Lediglich ein paar Promis 
bekamen schon am Montag die Erlaubnis der WGA, die Arbeit an ihren Shows 
wieder aufzunehmen.

WGA-Präsident Patric Verrone sprach am Wochenende von dem 
erfolgreichsten Arbeitskampf der letzten 30 Jahre. Tatsächlich hat die 
WGA einen kleinen Durchbruch erzielt, insbesondere was die Beteiligung 
an den Internet-Erlösen angeht. Immer mehr Sender stellen ihre TV-Shows 
und zunehmend auch Comedy-Programme ins Netz. Auch Filme werden immer 
öfter über das Internet vertrieben. Die Studios hatten allerdings immer 
behauptet, das geschähe nur zu Werbezwecken, sie würden daran kein Geld 
verdienen.

Die Drehbuchautoren jedoch hielten dagegen - und setzten sich 
schließlich durch. Ihnen steht nun bereits im ersten Jahr eine Pauschale 
für all diejenigen TV-Shows zu, die per Videostream an die Nutzer 
gelangen. Diese Pauschale entspricht in etwa einer Honorarerhöhung von 
drei bis 3,5 Prozent. Im zweiten und dritten Jahr sollen sie dann einen 
prozentualen Anteil an den Bruttoerlösen erhalten. Vor allem mit dieser 
Kopplung ist den Autoren ein wichtiger Teilerfolg gelungen, denn wenn es 
eine Beteiligung an den Gewinnen gegeben hätte, hätten die Studios diese 
auf null gerechnet.

Die Honorare der Drehbuchautoren werden gar verdoppelt, wenn TV-Shows, 
-Serien oder Filme aus dem Internet von Nutzern heruntergeladen werden. 
Und: Die Gewerkschaft hat Mitspracherecht bei allen Produktionen, die 
mehr als 15.000 Dollar pro Minute kosten. Der neue Tarifvertrag 
orientiert sich daran, was bereits im Januar mit der Directors Guild, 
der Interessenvertretung der Regisseure abgeschlossen wurde. Er wird ab 
dem 1. Mai gelten und ist auf drei Jahre befristet.

Dieser Arbeitskampf war der längste seit 1988. David Young, der 
WGA-Streik-Organisator, der früher für die kalifornischen Teamsters, die 
Gewerkschaft der Transportarbeiter, und für Bauarbeitergewerkschaften 
gearbeitet hat, hat dabei eine harte Linie gefahren. Er hat Studios 
belagern und zuletzt die Golden-Globe-Gala platzen lassen. Nach 
Berechnungen der Los Angeles Economic Development Corp haben die Autoren 
rund 258 Millionen Dollar an Honoraren verloren, die Filmschaffenden in 
ganz Los Angeles sogar fast zwei Milliarden Dollar.

Doch auch die Studios, die in der "Alliance of Motion Picture and 
Television Producers" organisiert sind, mussten Federn lassen: Ihre 
Aktien sind seit Streikbeginn stark gesunken. Ein Umstand, den auch die 
Studiovertreter, die beiden Hollywood-Schwergewichte Peter Chernin von 
der Murdoch-Holding News Corp. und Robert Iger von Walt Disney nicht 
verhindern konnten.

Klar ist, bei dem Streik wurde mehr erreicht als beim Arbeitskampf von 
1988, der den Drehbuchverantwortlichen fast nichts einbrachte. Doch 
trotz dieser Erfolge, sind nicht alle Autoren zufrieden. Ihre 
Hauptkritik richtet sich gegen eine Erlös-Lücke, die den Studios 
weiterhin große Verdienstmöglichkeiten einräumt, ohne dass diese den 
Autoren etwas davon abgeben müssten. Denn ihnen wurde im Rahmen der 
Internet-Gewinne ein "Werbefenster" von zwei bis drei Wochen überlassen, 
in denen sie jeden Dollar für sich allein einstreichen dürfen. Gerade in 
den ersten Wochen haben aber solche Shows die meisten Zuschauer.

Außerdem hat die WGA ihre Forderung fallen lassen, höhere Erlöse für den 
Vertrieb per DVD zu fordern, in dem Glauben, dieser werde sich in naher 
Zukunft ohnehin ins Netz verlagern. Dabei werden mit DVDs gegenwärtig 16 
Milliarden Dollar im Jahr umgesetzt, und in den kommenden drei Jahren 
wird sich dies kaum ändern.

Auch außerhalb dieser Erlös-Modelle könnte es für die WGA-Autoren noch 
mehr Rückschläge geben. Für so manche TV-Serie, vornehmlich für 
diejenigen, die in den Quoten sowieso gewankt haben, wird es kein 
Comeback auf dem Bildschirm mehr geben. Ohnehin wurden manche 
Sendeplätze mit Reality-TV-Shows aufgefüllt, deren Autoren trotz 
jüngster Bemühungen der WGA immer noch nicht gewerkschaftlich 
organisiert sind. Und auch, ob die TV-Saison verlängert wird, die 
eigentlich regulär im Mai ausläuft und dann von Wiederholungen abgelöst 
wird, ist fraglich. So kann es gut sein, dass die Autoren zwar bessere 
Honorare bekommen - aber weniger Arbeit haben. Auf der Website der WBS, 
jedenfalls, ließen viele Autoren Dampf ab: Das Ergebnis sei "enttäuschend".

Immerhin: Die große Oscar-Gala, die für den 24. Februar im Kodak-Theater 
in Hollywood geplant ist, wird nun tatsächlich stattfinden. An diesem 
Punkt haben aber manche Experten wohl zu sehr ihrem Insiderwissen 
vertraut: Das US-Glamourblatt Vanity Fair hat seine Oscar-Party just 
vergangene Woche abgesagt.

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