[echo] Sebastian Burdach, Trottoir, 14. Februar
Trottoir
info at trottoir-hh.de
Tue Feb 12 20:52:52 CET 2008
Trottoir
Hamburger Hochstraße 24
20359 Hamburg
(am hein-köllisch-platz, st. pauli)
www.trottoir-hh.de
Sebastian Burdach, Videos
Eröffnung: Donnerstag, 14. Februar 2008 um 20 Uhr
Präsentation bis Dienstag, 19. Februar
Öffnungszeiten nach Vereinbarung
Es ist Tag. Nein, es ist Nachmittag. Ein heißer Augustnachmittag. Einer steht auf der Straße mit einer nagelneuen MG42 und erwartet seine Opfer. Die Redaktion des Tatorts hat darum gebeten, einen Plot zu entwickeln, natürlich unter Berücksichtigung der Rollen der üblichen Kommissare.
Nein, es ist früher Morgen im Sommer des Jahres 2003 in den Boberger Dünen. Nein, es ist später. Es dämmert in einer europäischen Großstadt 2005. Die Statisten erheben sich, nachdem sie in der guten Stube der Hinterbliebenen eine Rosinenschnecke gegessen haben aus den tiefen Sesseln und greifen nach ihren Autoschlüsseln, nein Fahrradhelmen, die auf dem Couchtisch liegen.
Die Straße ist nass von einem plötzlichen Regenguss, vielleicht war es gar kein Regen - ein Taifun vielleicht. Einer, eingeladen zur Entwicklung einer neuen Staffel Marienhof, richtet das Zielfernrohr auf die Eingangstür der Castingagentur, diese Hitze! Die milde Abendsonne spiegelt sich in den parkenden Autos, niemand ist auf der Straße. Einer ist da - nur wo? Hinter ihm steht plötzlich ein Mann. Ein freundlicher Tourist. Er hat die Hände in den Hosentaschen und fragt beiläufig nach dem Befinden, vor Schreck nennt der Heckenschütze ihm seinen Familien- und wahren Taufnamen: Christoph Willibald Gluck.
In der Nacht schreckt einer vom Geheimdienst aus dem Schlaf hoch, seine farbverschmierten Hände umklammern einen 4mm-Steckschlüssel, er kann sich an nichts erinnern. Nein. Doch: Unter dem Arbeitstitel "Musen und Gegenstände des Hausgebrauchs" war er auf der Suche. Schon lange. Straßenzüge und Landschaften jeder Art, ohne Schauspieler, Raum Europa, Südsee und Nordamerika. Es ging um Explosionszeichnungen, automatische Museen, diskret beschreibbare Verbote und ganze Mosaike von Restriktionen. Er war auf der Suche nach dem Fehler.
Aber geht es hier nicht ausnahmsweise einmal darum, nicht recht haben zu müssen. Das Interessante am ästhetischen Urteil ist schließlich nicht das Resultat, sondern die geistigen Emissionen, die frei werden beim Versuch, es zu begründen. Der Zank im Ästhetischen ist eine Konkurrenz um Tiefe und Triftigkeit der geistig-logischen Stützbalken. Grobianisches Naturell gehört in jedem Fall dazu, schließlich muss man die Sachen aus aller Welt erst mal so richtig in sich einschlagen lassen, aber auch ein Gegenorgan, so ein meditativ, melancholisches Sinnieren, der Unsicherheit, Verzagtheit und Nervosität, man könnte es auch mit einem kleinen Nachmittagsschlummer verwechseln, gehört dazu. Aber nicht vergessen: Argumentativ kann alles schiefgehen, das ist normal, so wie etwa bei Gluck: "Mein ganzes Sinnen und Trachten galt schließlich nun mehr der Musik und nicht dem Förster-Dasein." - Soweit so sonderbar.
Aber jetzt? Wo steht jetzt der Feind, der Heckenschütze der Narration, Der Forstgehilfe der Aneignung und der Sinnmaschine? Der Feind ist erst einmal immer die Dummheit. Dummheit ist Hirnschwäche, sie kommt vor als Traurigkeit, Katatonie oder Dünkel. Aber der Hauptfeind bleibt natürlich der Tod.
Die Jesuiten sind zu Hause und wärmen sich an ihren Exerzitien, das ist der zu vernachlässigende Plot.
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Mit freundlicher Unterstützung durch die Kulturbehörde Hamburg.
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