[echo] Offener Brief: Gro ße Bergstraße Umbenennung “Frappant³ zu “Christians-Quartier³

Bahari Ndogo bahari1 at gmx.de
Wed Feb 20 20:47:24 CET 2008


...  und genau mit diesen Worten hat die Senatorin die Aufstellung der
Schimmelmann-Büste gerechtfertigt.

Würde man einen heutigen Waffenschieber mit "fast jeder hat fragwürdige
Seiten" gerechtfertigen? Und einen Menschenhändler mit Namensnennungen
ehren? 

An den Heimatmythen wird ja gerade in der Weise gestrickt, dass die geehrten
Männer  für diesen oder jenen Ort als "Wohltäter" herausgekehrt werden. Zur
Heimatlegendenbildung gehört auch, dass die amoralischen Seiten ausgeblendet
werden. Diese werden nicht erwähnt. Schreibt man so Geschichte?

Es gäbe doch andere Namen, z.B. Struensee, wenn man denn schon unbedingt an
diese spezielle Zeit erinnern muss.

Bei Christian VI geht es ja gerade darum, dass er in Altona zwei Kirchen und
eine Schule gebaut hat und das (pietitische) Geistesleben gefördert hat.
Bei C. IV funktioniert das nicht.

Jokinen


> Von: Trakl <trakl at mayn.de>
> Datum: Wed, 20 Feb 2008 17:36:25 +0100
> An: echo at soundwarez.org
> Betreff: Re: [echo] Offener Brief: Gro ße Bergstraße Umbenennung  “Frappant³
> zu “Christians-Quartier³
> 
> Es gibt sehr wenige Menschen, die in allen
> Punkten Vorbilder sein können. Viele Namensgeber
> hatten fragwürdige Seiten. Hier jedoch ist
> eindeutig gepatzt worden. Es ist mal wieder
> bezeichnend, wie gedankenlos solche Namensgebungsverfahren durchgeführt
> werden.
> 
> Doch selbst wenn sich der Name hält -  man könnte das Problem umgehen:
> 
> Wir nehmen einfach Christian IV. - Reformator
> Dänemarks und vor allem unerschöpflicher Mäzen.
> (John Dowland, Mogens Pederson, Johann Vierdanck
> , Johann Schop, Heinrich Schütz etc.)
> 
> "IV statt VI"
> 
> 
> Gruß,
> 
> T*
> 
> 
> At 12:58 20.02.2008, you wrote:
>> http://wandsbektransformance.de/aktuelles.html
>> 
>> Der Schweizer Investor k-werkstatt plant,  nach dem Umbau das
>> "Frappant"-Gebäude in der Großen Bergstraße in Hamburg-Altona in
>> "Christians-Quartier" umzubenennen, in Erinnerung und Ehrung an den
>> angeblich "aufgeklärten" dänischen König Christian VI (1699-1746).
>> 
>> Dieser Name ist nicht akzeptabel, würdigt er doch einen, der zu den ganz
>> Großen im transatlantischen Dreiecks-Sklavenhandel gehörte. In der Zeit
>> seiner  Regentschaft wurden mit dem Gesetzeswerk St. John Slave Code
>> grausame, geradezu mittelalterliche Strafen für entlaufene Sklaven in den
>> dänischen Kolonien auf den Karibik-Inseln eingeführt.
>> 
>> Bereits heute ehrt Altona mit Straßennamen zwei Männer, die im dänischen
>> Sklavengeschäft ihr Geld verdienten: den Kaufmann Emile Nölting und den
>> Reeder Hinrich von (van) der Smissen.
>> 
>> Auch in ganz Hamburg gibt es zahlreiche Straßen, die Kolonialfiguren
>> würdigen. Und überraschend kommen - wie in Wandsbek - koloniale
>> Ruhmesstatuen als perfekt restaurierte Wiedergänger oder gar neu gestaltet
>> im Stadtraum zu Ehren - eine fragwürdige und seltsam anachronistische
>> Gedenkkultur in einer demokratischen und multikulturellen Gesellschaft.
>> 
>> Untenstehend mein Offene Brief an den Bezirksamtsleiter Herrn Jürgen
>> Warmke-Rose,  in dem ich meiner Kritik zum Namen "Christians-Quartier"
>> Ausdruck verleihe.
>> 
>> Mit den besten Grüßen
>> Jokinen
>> http://www.wandsbektransformance.de
>> 
> 
> 
> Tristan von Neumann
> 
> www.myspace.com/TristanVonNeumann
> www.1000jahremusik.de
> _______________________________________________
> echo mailing list
> echo at soundwarez.org
> http://soundwarez.org/mailman/listinfo/echo



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