[echo] Den Zustand der Hamburger Kultur...

Trakl trakl at mayn.de
Sat Feb 23 17:01:24 CET 2008


Herzlichen Dank Jörn für den Hinweis.

Dem hinzuzufügen wäre noch, dass in Hamburg jeder 
mit Dreck beworfen wird, der diesen Zustand 
kritisiert. "Hamburg ist die beste Stadt der 
Welt", "Hier ist alles so gemütlich und doch 
Weltstadt", "Wir haben doch eine großartige Popmusikkultur" etc.
Wenn ich sehe, wie leer viele der 
interessantesten Konzerte, auch und gerade im 
subkulturellen Popbereich, bleiben, kann ich auch 
letzere oft gehörte Aussage nicht mehr 
unterschreiben. Wenn es nicht gerade Hamburger 
Bands sind, die fast jeden ihrer Gäste persönlich 
kennen, herrscht häufig tote Hose. Aber wenn sich 
der Hamburger mal eine Band rausgesucht hat, kann 
die sich nicht mehr retten vor Publikum und die 
anderen schauen in die Röhre. Man findet erst 
etwas gut, wenn es alle anderen gut finden.

Mit Hochkultur braucht man dann gar nicht ankommen, so scheint es.
Meine Reihe "immanent beats" wurde jetzt mangels 
Publikum abgesetzt. Was als musikalische 
Tankstelle der Hochkultur gedacht war litt stark 
darunter, dass in Hamburg anscheinend 
hauptsächlich Leute mit dem musikalischen 
Bedürfnis eines Zweiliterautos unterwegs sind.

Der Fall Johannes Brahms steht hier 
stellvertretend für die im Artikel beschriebene 
Attitüde. Man muss Hamburg fast dankbar sein, 
dass es die Bewerbung des Sohnes der Stadt 
abgelehnt und ihn nach Wien getrieben hat. Dort 
wird er berühmt und ist natürlich "uns Hannes" 
und kriegt einen eigenen Platz vor der Musikhalle.
Die Geschichte ist voll von Hamburgern, mit denen 
man sich erst schmückt, nachdem man sie 
vertrieben hat. Das gilt sogar für die 
berühmte  Auswandererbrotzeit "Fleischbatzen zwischen zwei Brötchenhälften".

So, jetzt könnt Ihr mich für die 
Hamburg-Blasphemie teeren, federn, kielholen und durch den Fleet ziehen.


At 11:46 23.02.2008, you wrote:
>... und insbesondere der Kulturpolitik im 
>Vergleich zu München beschreibt Harriet Köhler 
>in der aktuellen Ausgabe der "Zeit": "Keine 
>Heimat für Luftspringer" 
>-  www.zeit.de/2008/09/Hamburg-Wahl - eine recht 
>schonungslose Zustandsbeschreibung. Kostprobe: 
>"Aber wenn eine Stadt, die alles hätte, um eine 
>waschechte Kulturstadt zu sein, von 40 Prozent 
>aller Touristen wegen ihrer Musicals besucht 
>wird und wenn nur sieben Prozent aller 
>Hafengeburtstagsgäste auch ins Museum gehen, 
>dann liegt das nicht nur am Niveau der Gäste, sondern auch an dem der Stadt."
>
>Das Abendblatt ist empört, "zitiert" absatzweise 
>("In Hamburg verdorrt auch die Subkultur" - 
>www.abendblatt.de/daten/2008/02/22/850737.html) 
>und sieht sich zu einer Erwiderung genötigt - 
>die praktisch keins der Argumente des 
>Zeit-Artikels widerlegt, sondern - im Gegenteil 
>- das dort gezeichnete Bild auf gruselige Weise 
>bestätigt: "Waren Sie mal auf der Reeperbahn?" - 
>www.abendblatt.de/daten/2008/02/22/850751.html
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