[echo] Den Zustand der Hamburger Kultur...
Brigitta Huhnke
bhuhnke at gmx.de
Sat Feb 23 17:58:51 CET 2008
ja und nicht nur KünstlerInnen ergeht es schlecht im beschriebenen Sinne,
auch hat die Stadt insgesamt keine intellektuelle Kultur, theoretischen
Debatten mehr, vom schönen Untergrund der früheren Zeiten mal ganz zu
schweigen. Hui, da kann auch eine einsame Forscherin lange suchen, aber das
gilt für das ganze Land. Vielleicht kommt ja durch die Wahl morgen etwas
mehr Bewegung, vielleicht auch durch den Obama-Schub, nie aufgeben. Die
neoliberalen AkteurInnen jedenfalls wirtschaften sich derzeit schön ab, uns
predigen sie seit Jahren Wasser, sich saufen sie die Hucke voll und nun ist
Katerstimmung und Kotzen angesagt. Die "Gefahr" der Linken lässt sie fast in
psychotische Zustände und Paranoa verfallen. Eigentlich haben wir doch
genügend malignes Material vor uns, das wir kreativ aufgreifen und
dekonstruieren können, im Sinne der wirklichen Demokratie und den Heineschen
Zuckerschoten, die wir dann knallen lassen können. Gruss Brigtta Huhnke
----- Original Message -----
From: "Trakl" <trakl at mayn.de>
To: <echo at soundwarez.org>
Sent: Saturday, February 23, 2008 5:01 PM
Subject: Re: [echo] Den Zustand der Hamburger Kultur...
Herzlichen Dank Jörn für den Hinweis.
Dem hinzuzufügen wäre noch, dass in Hamburg jeder
mit Dreck beworfen wird, der diesen Zustand
kritisiert. "Hamburg ist die beste Stadt der
Welt", "Hier ist alles so gemütlich und doch
Weltstadt", "Wir haben doch eine großartige Popmusikkultur" etc.
Wenn ich sehe, wie leer viele der
interessantesten Konzerte, auch und gerade im
subkulturellen Popbereich, bleiben, kann ich auch
letzere oft gehörte Aussage nicht mehr
unterschreiben. Wenn es nicht gerade Hamburger
Bands sind, die fast jeden ihrer Gäste persönlich
kennen, herrscht häufig tote Hose. Aber wenn sich
der Hamburger mal eine Band rausgesucht hat, kann
die sich nicht mehr retten vor Publikum und die
anderen schauen in die Röhre. Man findet erst
etwas gut, wenn es alle anderen gut finden.
Mit Hochkultur braucht man dann gar nicht ankommen, so scheint es.
Meine Reihe "immanent beats" wurde jetzt mangels
Publikum abgesetzt. Was als musikalische
Tankstelle der Hochkultur gedacht war litt stark
darunter, dass in Hamburg anscheinend
hauptsächlich Leute mit dem musikalischen
Bedürfnis eines Zweiliterautos unterwegs sind.
Der Fall Johannes Brahms steht hier
stellvertretend für die im Artikel beschriebene
Attitüde. Man muss Hamburg fast dankbar sein,
dass es die Bewerbung des Sohnes der Stadt
abgelehnt und ihn nach Wien getrieben hat. Dort
wird er berühmt und ist natürlich "uns Hannes"
und kriegt einen eigenen Platz vor der Musikhalle.
Die Geschichte ist voll von Hamburgern, mit denen
man sich erst schmückt, nachdem man sie
vertrieben hat. Das gilt sogar für die
berühmte Auswandererbrotzeit "Fleischbatzen zwischen zwei Brötchenhälften".
So, jetzt könnt Ihr mich für die
Hamburg-Blasphemie teeren, federn, kielholen und durch den Fleet ziehen.
At 11:46 23.02.2008, you wrote:
>... und insbesondere der Kulturpolitik im Vergleich zu München beschreibt
>Harriet Köhler in der aktuellen Ausgabe der "Zeit": "Keine Heimat für
>Luftspringer" - www.zeit.de/2008/09/Hamburg-Wahl - eine recht
>schonungslose Zustandsbeschreibung. Kostprobe: "Aber wenn eine Stadt, die
>alles hätte, um eine waschechte Kulturstadt zu sein, von 40 Prozent aller
>Touristen wegen ihrer Musicals besucht wird und wenn nur sieben Prozent
>aller Hafengeburtstagsgäste auch ins Museum gehen, dann liegt das nicht nur
>am Niveau der Gäste, sondern auch an dem der Stadt."
>
>Das Abendblatt ist empört, "zitiert" absatzweise ("In Hamburg verdorrt auch
>die Subkultur" - www.abendblatt.de/daten/2008/02/22/850737.html) und sieht
>sich zu einer Erwiderung genötigt - die praktisch keins der Argumente des
>Zeit-Artikels widerlegt, sondern - im Gegenteil - das dort gezeichnete Bild
>auf gruselige Weise bestätigt: "Waren Sie mal auf der Reeperbahn?" -
>www.abendblatt.de/daten/2008/02/22/850751.html
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